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Steinmeier fordert weltweite Solidarität bei Impfstoffen | BR24

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Internationale Zusammenarbeit beim Kampf gegen die Corona-Pandemie ist unverzichtbar. Doch gerade bei der fairen Verteilung von Impfstoffen gibt es Probleme.

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Steinmeier fordert weltweite Solidarität bei Impfstoffen

Bundespräsident Steinmeier hat Solidarität bei der weltweiten Verteilung der Corona-Impfstoffe angemahnt. Dies sei "eine Frage der Menschlichkeit und unserer eigenen Maßstäbe", so Steinmeier nach einer Videoschalte mit WHO-Generaldirektor Tedros.

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Von
  • Birgit Schmeitzner

Die Impfdebatte hierzulande dreht sich momentan vor allem darum, warum so wenig Dosen da sind, wann Impfzentren und Hausärzte richtig loslegen und welchen der verfügbaren Impfstoffe man lieber hätte. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zwar Verständnis dafür, dass die Ungeduld wächst. Die Frage, ob Biontech oder AstraZeneca der richtige und geeignete Impfstoff ist, sieht Steinmeier allerdings als "Luxusdebatte“. Und er begründet das mit dem Blick auf die Länder etwa in Afrika, die von einem breit angelegten Impfen derzeit nur träumen können.

Covax: Impfstoffe für arme Länder beschaffen und finanzieren

Es geht um die Entwicklungsländer, die zu arm sind, um sich selbst mit Impfstoffen, Medikamenten und Testmöglichkeiten zu versorgen. Um ihnen zu helfen, haben die Industrie- und Schwellenländer die Impfstoff-Plattform Covax gegründet. Sie zahlen Milliardensummen ein, allein aus Deutschland kommen 1,8 Milliarden US-Dollar, und sie verfolgen damit ein Ziel: Mittel gegen das Corona-Virus weltweit bezahlbar zugänglich zu machen.

Niemand ist sicher, bis alle sicher sind

Eine "durch und durch gerechte“ Verteilung, räumt Steinmeier ein, könne dabei gar nicht das Ziel sein. Aber: ein realistischer Beitrag dafür, die ohnehin fragilen Gesundheitswesen in den Entwicklungsländern zu stützen. Damit sie nicht ausfallen und dann niemand mehr da ist, der die Menschen impfen kann. Steinmeier mahnt, das sei nicht nur eine Frage der Mitmenschlichkeit, sondern liege auch in unserem eigenen Interesse: Je rascher Deutschland und Europa bereit seien, ein wenig von den für sich gesicherten Dosen abzugeben, desto eher gebe es einen Schutz für alle vor neuen und gefährlicheren Virus-Varianten. WHO-Generaldirektor Tedros hat Sorge, dass dann die Impfstoffe nicht mehr helfen. Auch deswegen müsse man gemeinsam eines vermeiden - dass das Virus "einen sicheren Hafen hat“, von dem aus es zurückschlagen kann.

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Weltimpfkarte

Solidarität üben statt Markt leer kaufen

Tedros und Steinmeier sind der Überzeugung, dass deswegen Solidarität nötig ist. Und es nicht sinnvoll ist, wenn die reichen Staaten den ohnehin noch knappen Impfstoff vom Markt kaufen. Der Bundespräsident führt auch noch ein anderes Argument an, spricht von der Pandemie als "geopolitischen Moment“. Steinmeier zufolge kann fehlende Solidarität mit den ärmeren Ländern ein Vakuum entstehen lassen, das andere Staaten füllen. Steinmeier wird nicht konkreter, nennt keine Namen. Aber es liegt nahe, dass er zum Beispiel an China und Russland denkt – beides Länder, die Impfstoffe an strategisch wichtige Länder liefern.

Patente aussetzen?

Zur Diskussion darüber, ob sich die Herstellung von Impfstoffen und Arzneien gegen Corona beschleunigen ließe durch ein Aussetzen der Patente, äußern sich beide zurückhaltend. Steinmeier gibt zu bedenken, dass so das Interesse schwinden könnte, große Summen in Forschung zu investieren. Tedros spricht davon, dass schließlich das Leben von vielen Menschen auf dem Spiel stehe, er appelliere an die Länder, sich dieser ganz neuen Situation zu stellen und zusammenzuarbeiten. Der Ansprechpartner in dieser Frage ist allerdings weniger die WHO als die Welthandelsorganisation WTO.

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