BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Steinmeier: Demokratie braucht selbstbewusste Bürger | BR24

© BR

Bundespräsident Steinmeier erinnert in seiner Weihnachtsansprache an den Anschlag auf eine Synagoge in Halle. Das Bild der Eingangstür der Synagoge habe sich ihm tief eingeprägt.

75
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Steinmeier: Demokratie braucht selbstbewusste Bürger

In seiner Weihnachtsansprache ermutigt Frank-Walter Steinmeier die Bürger, sich für die Demokratie einzusetzen. Der Bundespräsident wünscht sich von den Menschen Zuversicht, Anstand und Zivilcourage. Jeder habe ein Stück Deutschland in seiner Hand.

75
Per Mail sharen

Es ist die wohl wichtigste Rede des Bundespräsidenten im Jahr: Seine Ansprache zu Weihnachten wird von Millionen Bürgern gesehen, gehört oder gelesen. Sie soll eine Mischung aus Politik und Emotionen sein und ein Rückblick darauf, wie sich die Gesellschaft entwickelt hat – zum Guten, aber auch zum Schlechten.

Anschlag auf die Synagoge in Halle

Ein Problem, das Steinmeier anspricht, ist der zunehmende Antisemitismus, die Gewalt gegen Juden – verbal aber auch ganz handgreiflich. Ein Bild habe sich ihm dabei sehr eingeprägt: das der Eingangstür zur Synagoge von Halle nach dem Anschlag im Oktober. Dass diese mächtige Tür aus Holz und Eisen 20 Schüsse abbekommen und dennoch standgehalten habe, sei ein Wunder. Steinmeier wünscht sich, dass diese Tür zum Nachdenken anregt. Und zwar nicht nur über Antisemitismus, sondern über ganz Grundsätzliches.

"Sind wir stark und wehrhaft?"

Nach Ansicht des Bundespräsidenten sollten sich die Bürger fragen, ob sie ebenso stark und wehrhaft sind wie diese Tür und ob sie fest zueinanderstehen. Steinmeier geht es um Zivilcourage, konkret darum, gegenzuhalten, wenn Schwächere angepöbelt oder ausgegrenzt werden. Oder wenn rassistische Sprüche fallen, sei es auf dem Schulhof, in der Kneipe oder online in den sozialen Medien. Jeder könne selbst entscheiden, ob "die krassesten und lautesten Parolen mit immer neuen Klicks belohnt werden oder ob Sie auf Fakten, Vernunft und bessere Argumente setzen".

"Alle sind Teil dieser Demokratie"

Steinmeier appelliert an die Menschen, Verantwortung zu übernehmen. Für sich, aber eben auch für das große Ganze, für die Gesellschaft, für die Demokratie. Diese sei nämlich alles andere als selbstverständlich, sondern angewiesen auf selbstbewusste Bürgerinnen und Bürger "mit Zuversicht und Tatkraft, mit Vernunft, Anstand und Solidarität". Im Grundgesetz stehe eben nicht "Alles Gute kommt von oben", sondern "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus."

Steinmeier nimmt die Bürger in die Verantwortung

Die logische Folge ist laut Steinmeier, dass die Menschen anpacken und sich engagieren. Und das auf vielerlei Arten: In der Nachbarschaft oder im Verein, im Ehrenamt, in einer Partei, auf Demonstrationen und bei Wahlen. Nicht zu vergessen im Job. In diesem Zusammenhang würdigt der Bundespräsident die zehntausende Bürger, die auch an Weihnachten arbeiten - sei es in Krankenhäusern, in Pflegeheimen oder auf den Polizeiwachen.

Steinmeier: Streiten, aber respektvoll!

Dass es unterschiedliche Meinungen gibt, in diesem Jahr viel miteinander diskutiert und auch gestritten wurde, sieht der Bundespräsident als Zeichen dafür, dass wir gerade "sehr politische Zeiten" erleben. Von zu wenig Meinungsfreiheit könne nicht die Rede sein. "Ganz im Gegenteil: So viel Streit war lange nicht." Daraus ergeben sich laut Steinmeier aber viele drängende Fragen: Wie kann aus dem Streit und der daraus entstehenden Reibung wieder Respekt werden? Wie wird aus "einer Art Dauerempörung eine ordentliche Streitkultur", aus Gegensätzen Zusammenhalt?

"Ich glaube an uns"

Die Antwort auf diese Fragen, sagt Steinmeier, könne er nicht geben, schon gar nicht allein. Das sei die Sache aller. Er glaube an die Menschen, er glaube an dieses Land. Und er sei zuversichtlich, dass die Gesellschaft gemeinsam die Dinge immer zum Besseren wenden könne.