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Häuser, in denen sich Mietwohnungen befinden

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    Steigende Mieten und Corona-Krise: Die große Wohnungsnot

    Weniger Einnahmen, hohe Mieten: In der Krise trifft die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt viele Menschen besonders hart. Kritik gibt es an Bauminister Seehofer - doch der verweist auf Erfolge.

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    Von
    • Michael Stempfle

    Jürgen Schmidt aus Berlin ist das passiert, wovor sich so viele Solo-Selbständige seit Monaten fürchten: In der Corona-Krise sind dem 53-Jährigen erst die Aufträge weggebrochen - dann konnte er die Miete für seine Wohn- und Geschäftsräume nicht mehr bezahlen.

    Zunächst gelang es ihm, Mitbewohner zu finden, um zusätzliche Einnahmen zu haben. Doch auch seinen Untermietern ging in der Krise das Geld aus. Schmidt war klar, was ihm blühte: Anfang des Jahres musste er "aus seiner Location" ausziehen, wie er sie nennt. Und das, obwohl er noch keine neue Wohnung gefunden hatte.

    Wohnungsmarkt wie leergefegt

    Der Wohnungsmarkt in Berlin ist gerade für Menschen mit geringem Einkommen wie leergefegt. "Mein offizieller Status ist obdachlos", sagt Schmidt etwas zögerlich. So, als könne er es selbst nicht so recht glauben. Immerhin: "Eine Freundin hat mir ein Couch-Angebot gemacht, bis ich eine Wohnung gefunden habe." Beide wissen: Das kann dauern.

    Mangelware Sozialwohnungen

    Zwar hat Schmidt Arbeitslosengeld II und einen so genannten "Wohnberechtigungsschein" beantragt. Damit hätte er Anspruch auf eine Sozialwohnung - eigentlich. Sozialwohnungen sind aber gerade in Berlin Mangelware.

    Zahl der günstig vermietete Wohnungen sinkt kontinuierlich

    Zwar wurden etwa im Jahr 2019 bundesweit mehr als 25.000 Sozialwohnungen gebaut. Doch diese verlieren nach einiger Zeit - in der Regel nach etwa 20 Jahren - ihren Status als Sozialwohnung. Im Jahr 2019 fielen knapp 65.000 Wohnungen aus dieser Sozialbindung heraus. Unterm Strich sinkt also die Zahl der günstig vermieteten Wohnungen kontinuierlich.

    Die Folge: Es gibt weniger Umzüge, sagt Lukas Siebenkotten vom Deutschen Mieterbund. "Jeder, der eine bezahlbare Wohnung hat, tut alles, um da drin bleiben zu können." Leicht nachvollziehbar, ergänzt Siebenkotten. Wer umzieht, müsse schließlich befürchten, dass es viel teurer werden könnte.

    Fünf Wohnungen, Dutzende Bewerber

    Diesen Trend bekommt nun auch Schmidt zu spüren. Auf Online-Portalen sucht er nach Wohnungen, die den neuen Vorgaben entsprechen. Warmmiete von maximal 550 Euro, sagen ihm die Behörden. Die Trefferquote für ihn: fünf Wohnungen. Er geht davon aus, dass es pro Angebot mehr als 100 Bewerber gibt.

    "Nicht mal neun Prozent aller neu gebauten Wohnungen sind Sozialwohnungen", ärgert sich Caren Lay, mietenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag. Das ist aus ihrer Sicht "ein Skandal".

    Seehofer kündigte Wohnraumoffensive an

    Eigentlich ist der Bau von Sozialwohnungen Aufgabe der Bundesländer. Allerdings hat Bundesbauminister Seehofer zu Beginn der Legislaturperiode eine Wohnraumoffensive angekündigt. Dazu zählte unter anderem eine Grundgesetz-Änderung, die dem Bund erlaubt, Länder beim sozialen Wohnungsbau finanziell zu unterstützen. Für Siebenkotten "die größte Errungenschaft von Seehofer" als Bauminister.

    Bis 2024 zahlt der Bund jährlich eine Milliarde Euro. Aus Sicht von Caren Lay ist das allerdings viel zu wenig. Der Bund müsste wohl ein paar Milliarden drauflegen, wenn es nach der stellvertretenden Vorsitzenden der Linken geht.