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Status quo: so nah sind wir zusammengewachsen | BR24

© pa / dpa

Ein Trabbi vor einem Teil der Berliner Mauer

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    Status quo: so nah sind wir zusammengewachsen

    An diesem Wochenende feiern wir Deutsche 25 Jahre Wiedervereinigung. Ein Vierteljahrhundert, in dem sich Deutschland rasant fortentwickelt und massiv gewandelt hat. Doch wie nah sind sich "Ossis" und "Wessis" inzwischen? Von Katja Strippel

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    Sommer 2005. Es ist Bundestags-Wahlkampf. Der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber zieht durch die Lande und redet sich um Kopf und Kragen. Im baden-württembergischen Argenbühl sagte er, er akzeptiere es nicht, dass der Osten entscheide, wer in Deutschland Kanzler wird. Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet aus dieser Bundestagswahl eine ostdeutsche Kanzlerin hervorgegangen ist.

    Die "ostdeutsche" Führungsriege

    Wenn es darum geht, wie viel Osten in Berlin steckt, 25 Jahre nach dem Tag der deutschen Einheit, dann muss man zuerst ins Regierungsviertel schauen. Im Kanzleramt sitzt Angela Merkel, die evangelische Pfarrerstochter aus der Uckermark, und im Schloss Bellevue ein ehemaliger Pastor aus Rostock. Über Joachim Gauck und sich selbst hat Merkel mal gesagt: 

    "Wir haben uns das auch erarbeitet als Bürgerin und Bürger eines vereinten Deutschlands mit ganz unterschiedlichen, teilweise auch gemeinsamen Erfahrungen und Eigenschaften."

    In Merkels Kabinett gibt es dreizehn "Wessis" und drei "Ossis" - und sie selbst ist da schon eingerechnet. Oppositionsführer Gregor Gysi kommt ebenfalls aus dem Osten und wird in zwei Wochen gleich durch zwei "Ossis" ersetzt, wenn die Partei "Die Linke" mit Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht eine neue Fraktionsdoppelspitze bekommt.

    Bundesfamilienministerin Schwesig lebt in Schwerin. Als die Mauer fiel, war sie erst 15. Über ihre Kindheit in der DDR erzählt sie, sie sei in dem Teil Deutschlands aufgewachsen, der "gleichstellungspolitisch auch kein Schlaraffenland war"“.

    Die Stärke der "Ostmarken"

    Allerdings sei es in Ostdeutschland eher üblich gewesen, dass Männer und Frauen arbeiten gegangen sind. Dass es auch im Westen normal wird, dass beide Elternteile arbeiten gehen, daran bastelt Schwesig als Bundesfamilienministerin. In Berlin hat das Ostsandmännchen seinen Kollegen aus dem Westen inzwischen komplett verdrängt. In den Supermarktregalen der Hauptstadt dominieren Spreewaldgurken, Bautz‘ner Senf und Rotkäppchen Sekt.

    Und Ost-Stadtteile wie Prenzlauer Berg sind doppelt so schick und dreimal so spießig wie Charlottenburg. Als Bundespräsident Gauck der ARD im letzten Herbst ein Interview in der Gethsemanekirche gab, konnte er kaum fassen, wie sich der Stadtteil in den letzten Jahren verändert hat.

    Berlin wächst noch immer zusammen

    Die Berliner bauen wie die Weltmeister, vor allem im Osten. Das Band des Bundes, das sich mit seinen Regierungsgebäuden durch die Stadt schlängelt, soll noch länger werden. Gegenüber der Museumsinsel wird das alte Stadtschloss wiederaufgebaut und rund um die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes wird auch geschraubt und gehämmert. Angela Merkel hat mal gesagt: 

    "Die Ostdeutschen sind angekommen. Und trotzdem bleibt bei der deutschen Einheit noch Einiges zu tun."