BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Start der Impfkampagne feuert Diskriminierungsdebatte an | BR24

© picture alliance / Flashpic | Jens Krick

Ein Impfpass und eine Impfspritze (Symbolbild).

48
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Start der Impfkampagne feuert Diskriminierungsdebatte an

Wer sich impfen lässt, trägt seinen Teil zum Schutz der Bevölkerung bei. Aber was, wenn Geimpfte Zugänge bekommen, die Nicht-Geimpften verwehrt bleiben? Was bedeutet das für diejenigen, die sich noch gar nicht impfen lassen dürfen, oder wollen?

48
Per Mail sharen
Von
  • BR24 Redaktion

Zum offiziellen Start der Corona-Impfungen in Deutschland gibt es erneut Befürchtungen, dass Nicht-Geimpfte benachteiligt werden könnten. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sprach sich in der "Bild am Sonntag" gegen eine "Sonderbehandlung für Geimpfte" aus.

Seehofer: "Sonderbehandlung für Geimpfte spaltet die Gesellschaft"

Eine Unterscheidung zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften komme einer Impfpflicht gleich. "Ich bin aber gegen einen Impfzwang. Wir alle stecken in dieser Krise, und wir sollten uns gemeinsam und solidarisch herauskämpfen.

Auch Unterschiede in der Behandlung auf Seiten privater Unternehmen, wie beispielsweise von Fluglinien oder Konzertveranstaltern, lehnt der Minister ab: "Eine Sonderbehandlung für Geimpfte spaltet die Gesellschaft. Des einen Privileg ist die Benachteiligung des anderen."

Stiftung Patientenschutz: Bundestag muss sofort handeln

Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach lehnte in den morgen erscheinenden Zeitungen der Funke Mediengruppe Sonderrechte ab. "Privilegien für die Geimpften sind weder kontrollierbar noch gut zu rechtfertigen", sagt der Mediziner. "Im Übrigen ist nicht auszuschließen, dass Geimpfte andere noch anstecken können." Sollten nur die Impfstoffe von Biontech und Pfizer sowie Moderna zur Verfügung stehen, könnten in den kommenden Monaten nur Risikogruppen geimpft werden. Daher gebe es keinen Grund, über Sonderrechte zu spekulieren.

Nach Ansicht des SPD-Politikers helfen Privilegien für Geimpfte auch der Wirtschaft nicht. "Wirklich gefährlich ist für die Wirtschaft ein ständiges Hoch- und Runterfahren des öffentlichen Lebens", so Lauterbach. "Die Frage, ob die kleine Gruppe der Geimpften mehr darf als andere, ist in diesem Zusammenhang nicht relevant."

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz verlangte vom Bundestag eine gesetzliche Klarstellung gegen Diskriminierung. "Denn schon Pflegeanbietern ist im Rahmen der Vertragsfreiheit freigestellt, den Abschluss von Verträgen oder den Zutritt zu ihren Liegenschaften zu verweigern", sagte Vorstand Eugen Brysch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Es sei nicht sicher, ob die Anti-Diskriminierungsvorschriften nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz griffen. "Denn eine Unterscheidung zwischen Geimpften und Ungeimpften wird darin nicht verboten." Der Bundestag müsse angesichts der angelaufenen Impfungen sofort handeln.

Flickenteppich der Bundesländer in der Kritik

Brysch hatte am Wochenende zudem ein uneinheitliches Vorgehen kritisiert. "Zwar soll es nur mit Termin möglich sein, eine Impfung zu erhalten. Doch selbst heute ist unklar, wie das Prozedere für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort tatsächlich aussehen wird.

"Schon bei der Kontaktaufnahme gebe es unterschiedliche Möglichkeiten in den Bundesländern: Die Internetseiten und Apps seien je nach Region unterschiedlich. Einige Landesregierungen setzen darauf, ihre Bürger direkt anzuschreiben. Bei anderen sei noch gar nicht klar, wie die Menschen benachrichtigt würden, kritisierte Brysch und forderte eine "eindeutige Ansprache".

Kirchenvertreter besorgt über Umgang mit Corona-Impfung

Die evangelische Theologin Margot Käßmann zeigte sich irritiert über eine gesunkene Impfbereitschaft. Darin werde auch Skepsis gegenüber der Politik deutlich, sagte sie gestern dem SWR. Offenbar sei Vertrauen verloren gegangen. Impfgegner und Verschwörungstheoretiker hätten so wörtlich "ein leichtes Gift tröpfeln lassen". Dem müsse langfristig entgegengewirkt werden.

In seiner traditionellen Weihnachtsansprache forderte Papst Franziskus erneut eine gerechte Verteilung von Corona-Impfstoffen weltweit. Abschottender Nationalismus und radikaler Individualismus widersprächen der Tatsache, dass die Menschheit eine Familie sei, sagte das katholische Kirchenoberhaupt.

Video: Umfrage zur Corona-Impfung

© BR

Umfrage zur Corona-Impfung

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!