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Einer von 83 Erdgasbussen in Augsburg
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Christoph Arnowski
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Einer von 83 Erdgasbussen in Augsburg

Seit Mitte der neunziger Jahre ist Augsburg Modellstadt für Erdgas. Die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel startete seinerzeit als Umweltministerin das Projekt. Doch das scheint sie längst vergessen zu haben. Wann immer sich Merkel zum Thema umweltfreundlicher Mobilität äußert, spricht sie von Elektroautos. Und so machen das fast alle deutschen Politiker, egal ob sie zur Union, SPD oder den Grünen gehören.

Klaus Röder von den Stadtwerken Augsburg kann diese Fokussierung nicht verstehen. Der Chef des Fuhrparks sagt:

"Wir sagen, der Elektrobus ist nicht das Maß aller Dinge, das ist nicht die Lösung. Wir sagen, ein Biomethanbus, so wie wir ihn betreiben, ist momentan verfügbarer Umweltschutz, eine bessere Ökobilanz, Energiebilanz über die komplette Wertschöpfungskette gibt es nicht." Klaus Röder, Stadtwerke Augsburg

Augsburg hat viele Jahre Erfahrung mit Biomethanbussen

Seit dem Jahr 2011 fahren die knapp 90 Busse der Augsburger Stadtwerke ausschließlich mit Biomethan. Wenn die Fahrer Gas geben, dann nicht nur im übertragenen Sinne: die Motoren laufen nicht mit Diesel, sondern mit Biomethan. In seinen chemischen Eigenschaft ist das Molekül identisch zu Erdgas.

Da Biomethan aber durch die Vergärung von Stroh und anderen landwirtschaftlichen Abfallstoffen hergestellt wird, entsteht bei der Verbrennung kein zusätzliches CO2. Doch nicht nur deshalb sind die Augsburger Busse extrem umweltfreundlich, sagt Fuhrparkchef Röder, aus den Auspuffen kämen auch nahezu keine Stickoxide und fast kein Feinstaub.

"Wir haben hier eine CO2-Neutralität durch das Biomethan, wir haben eine Stickoxidminimierung, Feinstaub und Rußpartikel spielen ohnehin keine Rolle. Wir haben die ökologisch bestmögliche, nachhaltigste Antriebsart, die momentan verfügbar ist." Klaus Röder, Stadtwerke Augsburg

Augsburger Modell setzt sich bei anderen Kommunen nicht durch

Kommunen, die jetzt ihre alten Dieselflotten ausrangieren wollen, könnten das mit vielen Umweltpreisen ausgezeichnete Augsburger Modell übernehmen. Dennoch entscheiden sich die meisten für die mehr als doppelt so teuren Elektrobusse, obwohl diese noch längst nicht für den Alltagsbetrieb taugten, wie Röder meint:

"Die Busse kommen ja in der Regel am Abend zurück ins Depot und müssen nahezu gleichzeitig geladen werden. Damit man diese Busse überhaupt wieder voll bekommt mit Strom, müsste ein eigenes Kraftwerk gebaut werden, wenn ich nicht will, dass in der näheren Umgebung die Lichter ausgehen." Klaus Röder, Stadtwerke Augsburg

Biogasbusse sind schnell aufgetankt

In Augsburg muss man sich darüber keine Gedanken machen. Das Auftanken eines Biomethanbusses spätabends im Betriebshof dauert maximal 5-7 Minuten, dann hat er genügend Treibstoff an Bord, um am nächsten Tag auch Linien von 350 Kilometern Fahrleistung und mehr bedienen zu können. Batterien von Elektrobussen dagegen machen schon nach wenigen Stunden schlapp. Dass trotzdem so viele Kommunen und Stadtwerke auf Elektro setzen, hat nach Meinung von Klaus Röder mehrere Gründe:

"Es ist natürlich auch sehr stark durch die Elektrolobby getrieben. Außerdem ist die Förderkulisse ein ganz wichtiger Faktor, die ist momentan komplett in Richtung Elektromobilität getrimmt. Jeder, der nachhaltigen ÖPNV oder nachhaltige Mobilität anbieten will, muss momentan der Elektromobilität ein Stück weit hinterherlaufen. Wir würden uns aber wünschen, dass wir eine technologieoffene Förderung bekommen." Klaus Röder, Stadtwerke Augsburg

Einseitige Förderung bremst Biomethan

Doch die ist nicht in Sicht. Während es für einen Biomethanbus 10.000 Euro vom Staat gibt, sind es beim mehr als doppelt so teuren Elektrobus etwa 320.000 Euro. So hat das Modellprojekt trotz hervorragender Umweltbilanz bislang kaum Nachahmer gefunden. Nur die Verkehrsbetriebe im hessischen Gießen und im niedersächsischen Oldenburg fahren so wie in Augsburg mit den klimafreundlichen Biogasbussen.