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Staatsanwalt zu Attacke bei Paris: "Der Lehrer wurde enthauptet" | BR24

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Frankreich unter Schock

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Staatsanwalt zu Attacke bei Paris: "Der Lehrer wurde enthauptet"

Frankreich zeigt sich tief getroffen nach der brutalen Attacke auf einen Lehrer bei Paris. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem terroristischen Hintergrund - weil die Vorgehensweise des Täters äußerst brutal gewesen sei.

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Der Schock in Frankreich sitzt tief. Der brutale Mord an einem Geschichtslehrer in einer Kleinstadt, knapp 35 Kilometer nordwestlich von Paris, erschüttert auch den Anti-Terror-Staatsanwalt. "Der Lehrer befand sich am Nachmittag auf dem Nachhauseweg von der Arbeit, als er mit einem Messer attackiert wurde. Er hat mehrere Stichwunden am Kopf, am Oberkörper, am Bauch. Und er wurde enthauptet."

Schon die äußerst brutale Vorgehensweise des Täters lasse auf einen terroristischen Hintergrund schließen, erklärte Jean-Francois Ricard. Zudem fand die Staatsanwaltschaft auf dem Handy des mutmaßlichen Täters, der nur kurz nach der Tat von Polizisten erschossen worden war, ein Foto der Leiche des Opfers. Außerdem gibt es ein Bekennerschreiben, das der mutmaßliche Täter auf Twitter veröffentlicht hatte.

Mohammed-Karikaturen im Unterricht

Weiter erklärte der Staatsanwalt zum Hintergrund der Tat: "Anfang Oktober hat das Opfer im Rahmen eines Kurses in Gesellschaftskunde in der achten Klasse das Thema Meinungsfreiheit durchgenommen, das im nationalen Bildungsplan vorgesehen ist. In diesem Kurs gab es eine Diskussion über die Mohammed-Karikaturen von 'Charlie Hebdo'." Daraufhin gab es Drohungen gegen den Lehrer und gegen die Schule.

Ein Vater einer 13-jährigen Schülerin beschwerte sich bei der Schulleitung und machte in den sozialen Medien mobil gegen den Lehrer. Der Vater veröffentlichte mehrere Videos, in denen er den Lehrer scharf angriff und sowohl den Namen des Lehrers, seine Telefonnummer als auch die Adresse der Schule nannte. Der Vater befindet sich derzeit in Polizeigewahrsam. Ebenso wie acht weitere Personen, die meisten aus dem persönlichen Umfeld des mutmaßlichen Täters.

Mutmaßlicher Täter war Behörden nicht als Gefährder bekannt

"Der mutmaßliche Täter, den die Polizei erschossen hat, hatte eine Aufenthaltsgenehmigung in Frankreich, ausgestellt am 4. März", erläuterte der Staatsanwalt. "Der Mann war Tschetschene, wurde in Russland geboren und hatte den Flüchtlingsstatus. Er war den Behörden nicht als Gefährder bekannt", heißt es weiter. Damit sind auch vorherige Medienberichte bestätigt.

Am Tatort, vor der Schule in Conflans Sainte-Honorie

Am Tatort, vor der Schule in Conflans Sainte-Honorie, versammelten sich am Nachmittag spontan mehrere Hundert Menschen, fassungslos über den brutalen Mord. "Als wir davon gehört haben, waren wir tief getroffen. Wir hätten niemals gedacht, dass so etwas passieren kann", sagt eine ehemalige Schülerin des Collèges dem Fernsehsender BFMTV. Obwohl sie nie vom Opfer unterrichtet worden sei, war es ihr ein großes Bedürfnis, ihre Trauer zu bekunden und Flagge zu zeigen. "Wir müssen die unterschiedlichen Meinungen in unserer Gesellschaft akzeptieren. Karikaturen sind eine Form der Meinungsäußerung und die freie Meinung ist ein hohes Gut", sagt sie.

Solidaritätsbekundungen in ganz Frankreich

In ganz Frankreich fanden trotz strenger Corona-Regeln spontane Solidaritätsmärsche und Versammlungen statt. Am Sonntag soll in Paris eine große Versammlung für die Meinungsfreiheit und in Gedenken an das Opfer stattfinden. Aufgerufen dazu hatte unter anderem die Redaktion der Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo". Frankreichs Regierung hat zudem eine nationale Trauerfeier angekündigt.

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