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Sri Lanka: Suche nach den Hintermännern der Anschläge | BR24

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Nach den Anschlägen in Sri Lanka ist die Zahl der Todesopfer auf 359 gestiegen. Die Terrormiliz Islamischer Staat reklamierte die Bombenattacken erneut für sich. Sri Lankas Präsident kündigte einen Umbau des viel kritisierten Sicherheitsapparates an.

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Sri Lanka: Suche nach den Hintermännern der Anschläge

Nach den Anschlägen in Sri Lanka ist die Zahl der Todesopfer auf 359 gestiegen. Die Terrormiliz Islamischer Staat reklamierte die Bombenattacken erneut für sich. Sri Lankas Präsident kündigte einen Umbau des viel kritisierten Sicherheitsapparates an.

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Nachdem der IS die Anschläge bereits in einer ersten Botschaft für sich reklamiert hatte, wurden in einer zweiten Mitteilung die Pseudonyme von sieben Männern veröffentlicht, die laut dem IS hinter den Anschlägen mit mehr als 350 Toten stecken sollen. Ihre wirklichen Namen wurden allerdings nicht genannt. Ein Foto zeigt acht teils bewaffnete Personen, die bis auf einen Mann alle maskiert sind.

Angriff auf die "christliche Gemeinschaft"

Später veröffentlichte das IS-Sprachrohr Amaq noch ein Video, auf dem die acht Männer dem IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi auf Arabisch die Treue schwören. Im Hintergrund ist eine schwarze IS-Flagge zu sehen. Kämpfer des Islamischen Staates hätten "Bürger der Koalition und die christliche Gemeinschaft" attackiert, hieß es dazu.

Mit "Bürgern der Koalition" bezeichnet der IS Staatsbürger von Ländern, die der internationalen Anti-IS-Koalition angehören, die die Terrormiliz in Syrien und im Irak bekämpft. Eine Verbindung zu den Anschlägen auf Moscheen im Neuseeländischen Christchurch vom 15. März stellte Amaq nicht her.

Regierung hält lokale Islamisten für Täter

Der IS reklamierte die Tat für sich, nachdem Sri Lankas Regierung sie zuvor der bislang weitgehend unbekannten einheimischen Islamistengruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ) zugeschrieben hatte. In Sri Lanka sind mittlerweile 58 Menschen von der Polizei festgenommen worden, die alle der NTJ angehören sollen, die bislang kaum in Sri Lanka in Erscheinung getreten war.

Die Regierung ist davon überzeugt, dass die Täter Hilfe aus dem Ausland hatten, Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewarden sprach von Verbindungen zu einer indischen Organisation namens JMI. Auch diese war bisher kaum bekannt, sie soll im vergangenen Jahr gegründet worden sein.

Zweifel bei Terrorismusexperten

Der Terrorismusexperte Ajai Sahni vom Institut für Konfliktmanagement in Neu-Delhi hält die Erklärungen der Regierung in Sri Lanka für nicht ganz schlüssig: Die NTJ sei noch nie durch Terroranschläge in Erscheinung getreten, auch wenn ihre radikal-islamische Gesinnung außer Zweifel stehe:

"Über diese Gruppe NTJ gibt es kaum Informationen. Jetzt hören wir, sie seien vielleicht eine Splittergruppe von einer anderen extremistischen Gruppe in Sri Lanka. Aber die NTJ hatte noch nie etwas mit Terror zu tun. Allerdings wissen wir, dass sie radikal sind, eine fundamentalistische Lehre verbreiten und mit Hassreden gegen Buddhisten gehetzt haben." Ajai Sahni, Terrorismusexperte

Sahni bezweifelt auch, dass die nun angeblich festgenommenen NTJ-Führer in Ruhe ihre Festnahme abgewartet hätten, wenn sie tatsächlich hinter den Anschlägen stünden: "Wenn die wussten, was da vor sich geht, wären die doch wohl geflohen." Viele Fragen seien nicht beantwortet: "Aber ganz sicher ist, dass die Selbstmordattentäter aus Sri Lanka selbst stammen, das konnten wir auf Bildern von Sicherheitskameras sehen."

Sicherheitsapparat soll umgebaut werden

Die Regierung von Sri Lanka kündigte an, die Chefs der Sicherheitsbehörden wegen ihrer mangelhaften Informationspolitik im Vorfeld der Anschläge zu entlassen. Staatspräsident Maithripala Sirisena sagte in einer Fernsehansprache, die Führungen der Polizei und anderer Sicherheitskräfte würden binnen 24 Stunden umgekrempelt. Vorab vorliegende Hinweise auf Anschlagspläne seien nicht an die Regierung weitergegeben worden, so Sirisena.

Es hatte vor den Attacken Hinweise auf Anschlagspläne der Gruppen gegeben, wie Kabinettssprecher Rajitha Senaratne erklärte. Ausländische Geheimdienste hätten bereits am 4. April über mögliche Selbstmordanschläge auf Kirchen und Touristenziele in Sri Lanka informiert, "wir tragen die Verantwortung, es tut uns sehr leid", sagte Senaratne im Namen der Regierung.

Kommunikationsblockade in der Regierung

Mehrere Minister hatten kritisiert, Premierminister Ranil Wickremesinghe sei zuletzt nicht mehr zu Sitzungen des Sicherheitsrates der Regierung eingeladen worden. Hintergrund sind Spannungen zwischen den in einer Koalition regierenden Parteien von Wickremesinghe und Staatspräsident Sirisena, dem als Verteidigungsminister die Sicherheitskräfte unterstehen.