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Sri Lanka: Radikal-islamische Gruppe soll Anschläge verübt haben | BR24

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Nach der Anschlagsserie auf christliche Kirchen und Hotels in Sri Lanka ist die Zahl der Opfer laut Polizei auf 290 Tote und mehr als 450 Verletzte gestiegen. Wer die Urheber der Attacken waren, ist weiter unklar, obwohl es Festnahmen gab.

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Sri Lanka: Radikal-islamische Gruppe soll Anschläge verübt haben

Sri Lankas Regierung hat die lokale radikal-islamische Gruppe National Thowheeth Jama’ath (NTJ) für die Anschläge vom Ostersonntag verantwortlich gemacht. Bei den Bombenattentaten starben 290 Menschen. Ein Todesopfer hatte deutschen Pass.

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Die Regierung sei fest davon überzeugt, dass die NTJ die Selbstmordattentate verübt habe, sagte Kabinettssprecher Rajitha Senaratne. Die Behörden überprüfen seinen Angaben zufolge auch, ob die Gruppe "internationale Unterstützung" hatte: "Wir glauben nicht, dass diese Angriffe von einer Gruppe von Menschen verübt wurden, die auf dieses Land begrenzt waren", sagte Senaratne, "es gab ein internationales Netzwerk, ohne das diese Angriffe nicht gelungen wären."

Regierung ruft Notstand aus

Die Regierung Sri Lankas hat den Notstand ausgerufen. Wie Medien berichteten, solle dieser um Mitternacht in Kraft treten. Dies solle Polizei und Armee helfen, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, hieß es. Die Regierung bezeichnete die Attentate als eine "völlig neue Art von Terrorismus". Dies sei "ein Schock, und wir werden mit einer Schock-Therapie antworten", erklärte Sri Lankas Wohnungs- und Kulturminister Sajith Premadasa.

Warnung vor Anschlagsplänen

Sri Lankas Polizeichef Pujuth Jayasundara hatte bereits in einem Schreiben vom 11. April an führende Vertreter der Sicherheitsbehörden vor Plänen der NTJ unter ihrem Führer Mohammed Caasim Mohammed Zahran gewarnt, Selbstmordanschläge auf Kirchen sowie auf die indische Botschaft in der Hauptstadt Colombo zu verüben.

Es müsse nun untersucht werden, warum keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen worden seien, sagte dazu Premierminister Ranil Wickremesinghe in einer Fernsehansprache.

Mehrere Verdächtige verhaftet

Wickremesinghe zufolge wurden bislang 13 Verdächtige inhaftiert, die alle aus Sri Lanka stammen, es wurde jedoch nicht bekannt, ob sie einer bestimmten Gruppierung angehören. Er wolle im Ausland um Unterstützung bitten, um herauszufinden, ob die Angreifer Verbindungen zum internationalen Terrorismus hätten, erklärte der Premier. Bisher hat sich niemand zu den Anschlägen bekannt.

"Wir werden nicht zulassen, dass der Terrorismus in Sri Lanka seinen Kopf erhebt. Alle Maßnahmen werden ergriffen, um den Terrorismus auszulöschen." Ranil Wickremesinghe, Premierminister

Selbstmordattentate als Mittel des Terrors

Die Anschläge, bei denen über 500 Menschen verletzt wurden, müssen von langer Hand vorbereitet und koordiniert worden sein, betroffen waren drei Kirchen drei Luxushotels. Bei den Attacken hätten sich insgesamt sieben Angreifer selbst in die Luft gesprengt, sagte ein für die Regierung arbeitender Forensiker. Zwei Angreifer hätten das Shangri-La-Hotel attackiert, je einer das Cinamon Grand und das Kingsbury. Fast gleichzeitig hätten sich drei weitere Personen in je einer Kirche in die Luft gesprengt. Zwei weitere Explosionen gab es Stunden nach den Selbstmordattentaten in einem Gästehaus und an einer Überführung am Stadtrand der Hauptstadt Colombo, diese Ereignisse werden noch untersucht.

In den Kirchen fanden gerade Ostergottesdienste statt. Dort gab es die meisten Opfer. Am Sonntagabend wurde in der Nähe des größten Flughafens der Insel, rund 30 Kilometer von Colombo entfernt, ein 50 Kilogramm Sprengsatz gefunden und entschärft, wie ein Sprecher der Luftwaffe mitteilte.

35 Ausländer unter den Toten

Unter den 290 Todesopfern der Anschläge sind nach aktuellen Angaben des Außenministeriums von Sri Lanka mindestens 35 Ausländer aus mehreren Ländern. Von elf ausländischen Todesopfern seien die Staatsangehörigkeiten bereits verifiziert worden. Darunter seien drei Briten, zwei Amerikaner, zwei Opfer hätten die türkische, drei die indische und eine Person habe eine portugiesische Staatsangehörigkeit.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes ist auch ein deutsch-amerikanischer Doppelstaater unter den Todesopfern. "Soweit bisher bekannt, sind keine weiteren Deutschen unter den Opfern", erklärte eine Sprecherin am Montag in Berlin: "Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden der zahlreichen Toten. Den Verletzten wünschen wir rasche Genesung."

Die USA und Großbritannien bestätigten bereits , dass mehrere Bürger der beiden Staaten ums Leben gekommen seien, in London war von fünf getöteten Briten die Rede. Auch ein Niederländer sei unter den Toten, twitterte der niederländische Außenminister Stef Blok. Nach Angaben aus Peking kamen zwei Chinesen ums Leben.

Unter den rund 450 Verletzten, die noch in Krankenhäusern behandelt wurden, waren 19 Ausländer.

Positive Entwicklung in Gefahr

Den Urhebern der Anschläge geht es vermutlich auch darum, die zuletzt positive wirtschaftliche Entwicklung Sri Lankas zu blockieren. Der südasiatische Inselstaat im Indischen Ozean mit seinen tropischen Stränden ist ein beliebtes Touristenziel geworden. Es hatte seit Jahren keinen größeren Anschlag mehr gegeben. 2009 war ein 26 Jahre dauernder Bürgerkrieg zu Ende gegangen. Nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung Sri Lankas sind Christen. Die Mehrheit der 20 Millionen Einwohner sind Buddhisten.

Übergriffe gegen Christen

Die Kirchenverwaltung NCEASL, die mehr als 200 Kirchen und andere christliche Organisationen in Sri Lanka vertritt, hatte sich jüngst besorgt über vermehrte Übergriffe geäußert. 2018 seien 86 Fälle von Diskriminierung, Drohungen und Gewalt gegen Christen und ihre Einrichtungen bekannt geworden. In diesem Jahr seien es bislang 26 gewesen. So hätten buddhistische Mönche wiederholt versucht, christliche Gottesdienste zu stören.

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Karte von Sri Lanka

Internationales Entsetzen

Die Anschlagsserie sorgte international für Entsetzen. Papst Franziskus gedachte der Opfer vor Zehntausenden Gläubigen in Rom. UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich "schockiert über die terroristischen Attacken auf Kirchen und Hotels an Ostersonntag, einem heiligen Tag für Christen überall auf der Welt". Staats- und Regierungschefs, darunter US-Präsident Donald Trump, Russlands Präsident Wladimir Putin, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilten die Angriffe scharf.

Aus Solidarität mit Sri Lanka leuchtete das Rathaus von Tel Aviv in den Farben des Inselstaates. Der Eiffelturm in Paris verzichtete auf die traditionelle Nachtbeleuchtung, um der Opfer in Sri Lanka zu gedenken.

Auswärtiges Amt aktualisiert Reisehinweise

Das Auswärtige Amt aktualisierte kurz nach den Attacken seine Reisehinweise und bat Reisende, die Anschlagsorte weiträumig zu meiden, die lokalen Medien zu verfolgen, engen Kontakt zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften zu halten und Anweisungen von Sicherheitskräften Folge zu leisten. Andere Länder wie Großbritannien und Kanada sprachen Reisewarnungen aus.

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Wer ist für die Anschlagsserie verantwortlich? Ein Tag nach den Anschlägen sind die Hintergründe weiter unklar. Der Polizei zufolge gab es inzwischen 24 Festnahmen.

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In der Hauptstadt Colombo sind in einem Fahrzeug drei Bomben gefunden worden. Bombenentschärfer sprengten das Fahrzeug. Verletzt wurde niemand.

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B5 Nachrichten

Von
  • Rüdiger Hennl
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