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Aufarbeitung des Massakers: 25 Jahre nach Srebrenica | BR24

© picture-alliance/Samır Jordamovic

25 Jahre nach dem Massaker: 20 Angeklagten wurde in Den Haag der Prozess gemacht, 16 von ihnen wurden verurteilt.

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Aufarbeitung des Massakers: 25 Jahre nach Srebrenica

Über 8.000 Bosnier fielen im Juli 1995 in Srebrenica einem Massaker zum Opfer. 25 Jahre nach dem Kriegsverbrechen hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte 16 der Haupttäter verurteilt, fünf von ihnen zu lebenslänglichen Haftstrafen.

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Hildegard Uertz-Retzlaff war 20 Jahre lang Anklägerin am Jugoslawien-Tribunal. Sie hat Radovan Karadzic ins Gefängnis gebracht – einen von fünf Angeklagten, die wegen Srebrenica zu lebenslanger Haft verurteilt wurden. Nicht nur deshalb zieht die Juristin aus Bochum eine positive Bilanz: "Ich bin sehr überzeugt von diesem Tribunal, dass es gut gearbeitet hat. Es hat Rückschläge gegeben, immer zwischendurch mal wieder."

Immer wieder Rückschläge bei der juristischen Aufarbeitung

Rückschläge waren der Freispruch des ehemaligen Offiziers Momcilo Perisic und der Tod des früheren serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic. Er starb nach vier zähen Prozessjahren in seiner Zelle im UN-Gefängnis von Scheveningen an einem Herzinfarkt, wohl auch deshalb, weil er die ihm verordneten Medikamente nicht richtig eingenommen hatte, so die Juristin Uertz-Retzlaff: "Der Mann hatte aus meiner Sicht ein Ziel: nicht verurteilt zu werden. Da hat er selbst seine Gesundheit für riskiert."

Im Dezember 2017 schloss das UN-Kriegsverbrechertribunal nach 24 Jahren seine Türen. Ein Übergangs-Gericht wickelt derzeit die letzten Fälle ab. Dazu zählt auch das Berufungsverfahren des Ex-Generals Ratko Mladic, der vor zweieinhalb Jahren zur lebenslänglichen Höchststrafe verurteilt wurde.

Den Haag: 20 Prozesse, 16 Verurteilungen gegen die Haupttäter

20 Angeklagten hat das Gericht in Den Haag wegen des Massakers von Srebrenica den Prozess gemacht. 16 wurden verurteilt – darunter die Hauptverdächtigen Karadzic und Mladic. Ein kleines Wunder, denn als Serge Brammertz 2008 seinen Job als Chefankläger am Tribunal antrat, hatte niemand mehr damit gerechnet, dass die beiden über Jahre untergetauchten Drahtzieher des Verbrechens überhaupt noch vor Gericht erscheinen würden, erinnert sich der Chefankläger: "Wir können zufrieden sein, dass die Masterminds, die Architekten der Politik ethnischer Säuberungen, verurteilt worden sind. Aber es ärgert uns, dass sich noch immer tausende Verbrecher in einem sicheren Hafen in Serbien oder andernorts befinden."

Serbische Behörden verschleppten die Aufarbeitung

Der belgische Chefankläger kritisiert die mangelnde Kooperationsbereitschaft der serbischen Behörden. Oft sei politischer Druck nötig gewesen, damit mutmaßliche Täter überhaupt nach Den Haag überstellt wurden. Und heute, so Brammertz in einer Videokonferenz mit Journalisten, würden rechtskräftig verurteilte Kriegsverbrecher in ihrer Heimat sogar gefeiert: "Als ich vor zwölf Jahren angefangen habe, da haben sich Politiker offiziell von verurteilten Kriegsverbrechern distanziert. Das ist heute absolut nicht mehr der Fall. Für viele Parteien in der Region ist es gar ein Gewinn, wenn ein Kriegsverbrecher Teil der Gruppe ist."

Das UN-Tribunal hat zweifelsohne dazu beigetragen, die Wahrheit über den Völkermord in Srebrenica ans Licht zu bringen. Zu Einsicht und Versöhnung unter den ehemaligen Konfliktparteien aber haben die Den Haager Urteile nicht geführt.

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25 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica werden die Leichen von über 1.200 der Tausenden ermordeten Bosniaken noch immer vermisst. Ramiz Nukic und Sadik Selimovic haben überlebt. In den Wäldern rund um Srebrenica suchen sie nach den Vermissten.