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Wasserzähler
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Autoren

Isabella Hartmann
Carola Brand
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Wasserzähler

Unterwegs mit Michael Deininger, dem Wassermeister der Gemeinde Dießen am Ammersee. Der 50-Jährige ist verantwortlich für die Wasserversorgung von gut 11.000 Menschen. Dazu gehört auch die korrekte Abrechnung der Wassermengen.

Seit 2015 setzt der kommunale Wasserversorger Funkwasserzähler für die Messungen ein. Sie sind für den Dießener Wassermeister eine große Arbeitserleichterung. An einem Tag, berichtet Deininger, könne er alle 2.200 Funkwasserzähler ablesen, die die Kommune im Einsatz habe.

Funkwasserzähler senden Verbrauchsdaten auf die Straße

"Drive-By-Verfahren" nennt sich das: Der Wassermeister fährt durch die Gemeinde, im Wagen hat er einen Kasten, nur so groß wie ein Taschenbuch, der die Daten empfängt, die die digitalen Wasserzähler auf die Straße funken. Dafür mussten früher zwei Mitarbeiter sechs Wochen lang von Tür zu Tür gehen. Zuletzt meldeten die Nutzer ihren Zählerstand selber - wobei fast jeder Fünfte nicht mitmachte. Mit Funkzähler, sagt Deininger, sind jetzt 100 Prozent dabei, und Ärger mit Kunden gebe es nicht mehr.

Spione im Keller stoßen auf Unbehagen

Ärger gibt es jetzt in ganz anderer Hinsicht: Die Funkwasserzähler senden ihre digitalen Datenpakete automatisch mehr als 2 Millionen Mal pro Jahr aus. Für Kritiker wie Jörn Gutbier birgt der Einsatz von Funkwasserzählern eine große Gefahr. Er ist der Vorsitzender von Diagnose Funk, einer Organisation die sich seit Jahren gegen strahlenden Geräten engagiert.

"Man kann damit feststellen, ob jemand zu Hause ist und was verbraucht wird. Sie können mit manchen Zählern theoretisch richtige Profilbilder abbilden. Es ist eine unsinnige Technik, die kein Mensch braucht, und ich will nicht, dass der Bürger gezwungen wird, das hinnehmen zu müssen." Jörn Gutbier, Diagnose Funk

Was verraten digitale Zähler über die Bewohner?

Aber selbst bei Familienhäusern sei das Risiko einer Profilerstellung gering, meint der Dießener Wassermeister Michael Deininger. Beim Ablesen habe der Mitarbeiter keinen Hinweis auf persönliche Verhaltensweisen.

"Ich kann nicht, wie es behauptet wird, nachsehen, wann jemand duscht. Sondern wir haben einen Tagesbedarf. Und wenn Sie am Tag 140 Liter haben, können Sie 10 Male auf der Toilette gewesen sein und einmal eine Waschmaschine gestartet haben, oder sie waren dreimal duschen. Das wissen wir nicht." Michael Deininger, Wassermeister

Ingolstadt plant Test in Privathaushalten

Wegen der Kritik an der Technik hat sich Michael Deininger aber zu einem lockeren Umgang mit dem Widerspruchsrecht der Dießener entschieden. Wer in einem Einfamilienhaus wohnt, kann das Abschalten des Funkmoduls fordern – und zwar nicht nur innerhalb von zwei Wochen nach Ankündigung des Einbaus - wie es gesetzlich geregelt ist - sondern jederzeit.

Nach einer Umfrage des Funkstreifzugs unter den größeren Städten in Bayern ist auch dort der Einsatz digitaler Wasserzähler ein Thema. Einen Testlauf in Privathaushalten plant demnach die Stadt Ingolstadt.