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Spekulationen im Fall Lübcke: Woher stammt der Tatverdächtige? | BR24

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Der CDU-Politiker Walter Lübcke hat sich für Flüchtlinge eingesetzt. Dann hat ihn ein offenbar rein mutmaßlich rechtsextremer 45-jähriger Mann vor seinem Haus erschossen.

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Spekulationen im Fall Lübcke: Woher stammt der Tatverdächtige?

Ob der Tatverdächtige im Fall Lübcke Bezüge nach Bayern hat, ist momentan ungeklärt. Möglicherweise handelt sich um eine Namensverwechslung. Wegen eines möglichen rechtsextremen Hintergrunds der Tat ermittelt die Bundesanwaltschaft.

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Woher stammt der Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke? Nach BR-Informationen gibt es in Lichtenfels in Oberfranken eine Person mit gleichem Namen, die aber 16 Jahre jünger ist als der in Kassel festgenommene Mann.

Der Tatverdächtige, der nun in Untersuchungshaft sitzt, gehört seit Anfang der 1990er Jahre zur Neonazi-Szene. Wegen eines versuchten Bombenanschlags auf eine Asylbewerberunterkunft in Hessen wurde er zu sechs Jahren Jugendstrafe verurteilt. Er soll Verbindungen zur rechtsextremen Gruppe Combat 18 haben.

Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

Unterdessen hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen - wegen eines Tötungsdelikts mit politischem Hintergrund. Die Ermittler gehen nach eigener Aussage von einem rechtsextremen Hintergrund aus, bislang gebe es aber keine Anhaltspunkte dafür, dass der Verdächtige in eine rechtsterroristische Vereinigung eingebunden sei.

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Laut BR-Polizeiexperte Oliver Bendixen ist der Verdächtige seit den 90er Jahren in der rechtsextremen Szene aktiv.

Lübcke zu Lebzeiten wegen Flüchtlingspolitik angefeindet

Das genaue Motiv für die Tat ist weiterhin unklar. Der erschossene Regierungspräsident Walter Lübcke war jedoch in der Vergangenheit wegen seiner toleranten Haltung zu Flüchtlingen bedroht worden. Er hatte sich 2015 auf einer Informationsveranstaltung gegen Schmährufe gewehrt und gesagt, wer gewisse Werte des Zusammenlebens nicht teile, könne das Land verlassen.

Nach dem Tod Lübckes gab es dann im Netz hasserfüllte und hämische Reaktionen aus der rechten Szene, die für Empörung sorgten. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte, wie sich manche in sozialen Netzwerken geradezu hermachten über dessen Tod, sei "zynisch, geschmacklos, abscheulich, in jeder Hinsicht widerwärtig".

Festnahme am Wochenende

Spezialeinheiten hatten den Mann am frühen Samstagmorgen in Kassel gefasst, er sitzt seit Sonntag unter Mordverdacht in Untersuchungshaft. Die Festnahme des Verdächtigen geht nach Angaben der hessischen Ermittler auf eine DNA-Spur zurück, die zu einem Treffer in einer Datenbank führte.

Der 65-jährige Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha entdeckt worden. Er hatte eine Schussverletzung am Kopf und starb wenig später im  Krankenhaus. Seither ermittelt eine mittlerweile 50-köpfige Sonderkommission.

Grüne, FDP, Linke und AfD im Bundestag haben unterdessen eine Sondersitzung des Innenausschusses gefordert. Die Union zeigte sich dazu bereit.

(Anmerkung zum Text: In einer früheren Version hieß es, der Tatverdächtige habe viele Jahre in Lichtenfels gelebt. Diese Information kann nun so nicht mehr bestätigt werden.)

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Sprecher der Bundesanwaltschaft über den Stand der Ermittlungen