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SPD in der Zerreißprobe | BR24

© dpa/pa, Kay Nietfeld

Norbert Walter-Borjans (l) und Saskia Esken, die beiden Bundesvorsitzenden der SPD

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    SPD in der Zerreißprobe

    Die SPD ist gespalten: In alt und jung, in links und eher konservativ. Und er polarisiert, zieht die Strippen: Kevin Kühnert, Vorsitzender der Jusos. Über den neuen Kurs sind SPD-Spitzenpolitiker und bayerische SPD-Abgeordnete geteilter Meinung.

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    "In die neue Zeit", das ist das Erste, was der bayerischen Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Brunner sieht, als er leicht verspätet in Berlin am SPD-Parteitag ankommt. Der Slogan hängt in riesigen Buchstaben über der Parteitagsbühne im Berliner City Cube, neben einer roten Rose, dem neuen Logo der Sozialdemokraten.

    Brunner macht sich Sorgen um seine SPD. Er gehört dem eher konservativen Seeheimer Kreis an und will in der GroKo bleiben. Vom neuen Führungsduo der SPD erwartet er vor allem, dass sie die Partei wieder zusammenführen. Dennoch befürchtet Brunner einen Linksruck. Ob das dann noch seine Partei sein wird, weiß er nicht, sagt er gegenüber dem ARD-Politmagazin report München.

    Europaabgeordnete hofft auf einen Linksruck

    Ganz anders tickt Maria Noichl. Die SPD-Europaabgeordnete aus Rosenheim hofft auf einen klaren Linksruck. Noichl will raus aus der GroKo, daraus hat sie nie einen Hehl gemacht. Sie erwartet nun ein "Beben in den Strukturen der SPD", einen inhaltlichen Neuanfang.

    Für den Neuanfang soll laut vielen Delegierten Kevin Kühnert stehen. Der Chef der Jusos wird auf dem Parteitag bejubelt wie sonst keiner. Auch wenn er viele seiner Forderungen wie zum Beispiel den Austritt aus der GroKo wieder relativiert hat. Kühnert war maßgeblich daran beteiligt, dass das neue Führungsduo Walter-Borjans und Esken gewählt worden ist.

    Kühnert will "so weiter machen"

    Die Belohnung: Er wird Parteivize. Eine Kampfabstimmung mit Arbeitsminister Heil wird im letzten Moment dadurch verhindert, dass das Gremium erweitert wird. Ein Trick, der vielen nicht gefällt. Kühnerts Bewerbungsrede ist pathetisch und emotional: "Hier stehe ich und kann nicht anders" ruft er den jubelnden Delegierten zu. Im Interview sagt er danach, Politik sei für ihn eine "emotionale Angelegenheit" und jetzt sehe er sich motiviert, die nächsten zwei Jahre so weiter zu machen.

    Juso-Chef zu forsch?

    Vielen im Parteiestablishment ist dieser Populismus etwas unheimlich, der Juso-Chef etwas zu forsch. Kurt Beck, ehemaliger Parteivorsitzender, meint, dass Kühnert jetzt erst mal mitarbeiten soll und auch "Rücksicht auf andere nehmen muss". Thomas Oppermann, Vizepräsident des Bundestages sieht das ähnlich. Kühnert müsse nun "die ganze Partei vertreten", das sei eine völlig neue Rolle für ihn.

    Noch deutlicher wird der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der auch Parteivorsitzender werden wollte und dem linken Flügel zugerechnet wird: Kühnert habe viel Macht angehäuft, jetzt müsse er liefern. "Nun stehen und fallen wir alle zusammen."

    Thierse klagt im Interview mit report München an

    Treffen mit Wolfgang Thierse, SPD-Urgestein und ehemaliger Bundestagspräsident. Thierse findet im report München-Exklusivinterview deutliche Worte zur Lage der Partei. Er ist pessimistisch, sieht die Leistungen der Großen Koalition vom Parteitag nicht gewürdigt.

    "Es hat auch in den letzten Monaten und Wochen viele Verletzungen gegeben. Und ich wünsche mir schon, dass die neue Parteiführung insgesamt das weiß. Und diese Verletzungen zu überwinden hilft. Denn eine Partei kann nicht gewählt werden und hat keine Zukunft, die durch Misstrauen, durch Unzufriedenheit und durch Hass geprägt wird." Wolfgang Thierse, ehem. Bundestagspräsident

    Karl-Heinz Brunner steht Kühnert distanziert gegenüber. "Strippenzieher mag ich nicht", sagt der schwäbische SPD-Mann. Maria Noichl hingegen hofft, dass Kühnert weiterhin linke Positionen vertritt. Denn die Europaabgeordnete hat auf dem Parteitag beobachtet, dass es auf einmal "Reden links von Kühnert" gibt. Und sie ist nicht sicher, ob Kühnert das "wirklich gefalle".