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SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach: Alle testen "halb sinnvoll" | BR24

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Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach gilt als Warner vor einem laxen Umgang mit dem Coronavirus. Trotzdem hält er Bayerns Strategie, jeden testen zu lassen, für nur "halb sinnvoll". Im B5-Interview der Woche steht er Rede und Antwort.

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SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach: Alle testen "halb sinnvoll"

Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach gilt als Warner vor einem zu laxen Umgang mit dem Coronavirus. Trotzdem hält er Bayerns Strategie, jedem eine Testung anzubieten, für nur "halb sinnvoll". Im B5-Interview der Woche steht er Rede und Antwort.

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Massentests für alle, ob mit oder ohne Symptome - für den Epidemiologen und SPD-Mann Karl Lauterbach ist es nur "halb sinnvoll", was Ministerpräsident Markus Söder (CSU) diese Woche für den Freistaat angekündigt hat. "Ich muss das schon gezielter machen", sagt Lauterbach im B5-Interview der Woche.

Selbst bei sehr gut funktionierenden Tests könne es zu sogenannten "falsch positiven" Ergebnissen kommen; Fälle also, in denen ein Test fälschlicherweise ergibt, dass der oder die Getestete Sars-Cov-2-Viren im Körper hat. Daher sei es sinnvoller Tests gezielt anzuwenden, zum Beispiel durch regelmäßiges testen von Pflegepersonal und Kita-Mitarbeitern. Und dies im Idealfall häufiger. Lauterbach spricht von ein- bis zweimal pro Woche. Darüber hinaus brauche es eine deutschlandweite Test-Strategie und keine Einzelgänge in jedem Bundesland.

Zweite Welle "wahrscheinlich, aber nicht unweigerlich"

Nach wie vor schaue der SPD-Gesundheitsexperte "mit großem Respekt und auch mit Sorge" auf Corona und die dadurch verursachte Lungenerkrankung Covid-19. "Weil ich glaube, dass viele denken, dass man entweder stirbt oder man ist danach wieder gesund", so Lauterbach. Es gäbe aber "vieles dazwischen". Insofern hält er auch eine zweite Welle "für wahrscheinlich, aber nicht für unweigerlich".

So viele Morddrohungen erhalten wie nie zuvor

Auch deshalb ergreift Lauterbach "in erster Linie als Wissenschaftler", wie er sagt, das Wort - auch in den Sozialen Medien. "In der Epidemiologie, der Vorbeuge-Medizin, erreicht man ja nur etwas, wenn man die Leute mitnimmt, überzeugt, viel erklärt", ist der Epidemologe überzeugt.

Deshalb suche er anders, als etwa sein Mediziner-Kollege Christian Drosten von der Berliner Charité, weiterhin die Öffentlichkeit, auch wenn er für seine vorsichtige und warnende Haltung auch schon Morddrohungen bekommen habe. "Das ist man als Politiker schon gewöhnt, ein bisschen. Wobei, so viel, wie ich das in der letzten Zeit gehabt habe, hatte ich das noch nie."

Absprachen mit seiner Partei, in der er aktuell kein Mandat innehat, gebe es bei seinem öffentlichkeitswirksamen Auftreten jedoch nicht. "Ich frage jetzt nicht um Erlaubnis, wie ich eine Studie zu interpretieren habe", sagt Lauterbach. "Klassischen Parteizank" versuche er aber zu vermeiden. "Weil derzeit brauchen wir eine Pandemie-Bekämpfung, wo alle am gleichen Strang ziehen, und da habe ich immer die volle Unterstützung von Partei und Fraktion."

Lauterbach vermisst SPD-Fokus auf Klimawandel

In anderen Fragen gibt es durchaus Reibungspunkte zwischen Partei und Lauterbach. Zumindest bemängelt er, dass unter der Doppelspitze von Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans "mit den Schwerpunkten, die wir derzeit haben, im Wesentlichen Umverteilungs-Fragen, Arbeitnehmer-Fragen, dass wir damit alleine nicht bestehen können".

Wäre er wie geplant an der Seite von Nina Scheer in die Parteiführung gegangen, hätte er den Klimawandel stärker in den Fokus gerückt. "Wir wollten aus der SPD eine stärker Umwelt-orientierte Partei machen.

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