| BR24

 
 

Bild

SPD-Politiker Patrick Dahlemann
© dpa / Jens Büttner

Autoren

Alexa Hennings
© dpa / Jens Büttner

SPD-Politiker Patrick Dahlemann

"Ist die Straße erst ruiniert, regiert es sich ganz ungeniert!" An diesem Transparent kommt jeder vorbei, der auf der Insel Usedom gen Polen rollt. Seit zehn Jahren ist der Grenzübergang südlich von Swinemünde offen. Seitdem windet sich eine Autoschlange durch das Dorf Zirchow. Tag für Tag. Eine Frau sagt: "Wenn Sie ein Stück weiter ins Dorf gucken, da ist die Bundesstraße ja nicht so breit, wie sie sein muss. Wenn Sie da langgehen, und es kommt ein Lkw oder ein Bus vorbei, dann haben Sie das Gefühl, der Kopf wird abrasiert!"

Die SPD wurde abgestraft

Einige Einwohner haben sich vor der Feuerwehr versammelt. Sie erwarten Patrick Dahlemann, den Staatssekretär für Vorpommern. Seine Partei ist die SPD, die in Mecklenburg-Vorpommern seit 20 Jahren die Regierung führt. Bei der Landtagswahl 2016 wurde sie hier, im Osten der Insel Usedom, mit acht Prozent abgestraft. Auch weil die Menschen sauer sind, dass die Infrastruktur immer mehr vernachlässigt wird. Das sagen alle, die auf den Politiker warten: Wir haben gar nichts mehr. Keinen Konsum, keine Gaststätte, keinen Bäcker, nicht einmal mehr einen Pastor. Nur ihre Feuerwehr und die Kulturhalle versuchen die Bürger mit aller Macht zu erhalten.

Empört über die Reaktionen von "denen da oben"

Dazu kommt das Problem mit dem Grenzverkehr. Vor vier Jahren schon sollte eine Umgehungsstraße fertig sein. Als sich damals kein einziges Baufahrzeug zeigte, fragten die Zirchower bei der Landesregierung nach, was denn nun sei mit der versprochenen Entlastung für ihr Dorf, das immer mehr Grenzverkehr ertragen müsse? Bürgermeister Wendland, parteilos, ist noch heute empört über die Reaktion von "denen da oben". "Da wurde uns mitgeteilt, dass die gesamte Planung in die Schublade gesteckt worden ist und nicht weitergeführt wurde." Auf die Bevölkerung höre ja niemand mehr. "Wir werden hier vergessen."

SPD-Mann als Ein-Mann-Eingreiftruppe Vorpommern

Gegen dieses Gefühl tritt Patrick Dahlemann an: SPD-Mitglied seit er 16 ist, geboren in Vorpommern und nun, mit gerade mal 30, Staatssekretär für Vorpommern. "Ein-Mann-Eingreiftruppe Vorpommern" hat ihn die ZEIT genannt, und eingreifen muss er hier gegen die AfD, der 40 Prozent der Zirchower ihre Stimme gaben.

Mehr über Themen als über die AfD reden

Wie so oft löffelt der Jungspund aus, was ihm die älteren Politiker vor ihm eingebrockt haben. Vertrauen zurückzugewinnen, ist Schwerstarbeit, sagt Dahlemann:

"Den Satz: 'Dafür bin ich nicht zuständig' darf es im Wortschatz eines Politikers nicht geben. Es gibt auch Fälle, wo man am Ende nicht helfen kann, und der Bürger hat keine andere Chance, als das vor dem Gericht zu klären. Andererseits gibt es ganz viele Fälle, wo man helfen kann. Wo die Leute dann sagen: 'Wir haben uns an den Dahlemann gewandt und danach ist was passiert'."

Patrick Dahlemann stellte den Antrag, dass in Zirchow die Umgehungsstraße nun wieder in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird. Sein Rezept: "Ich habe mich konzentriert, weniger über die AfD zu reden, sondern über die Themen, die die Menschen dahin führen."