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Spaniens Ex-Diktators Franco wird aus dem Grab geholt | BR24

© BR/Reinhard Spiegelhauer

Rund 44 Jahre ist Spaniens faschistischer Diktator Franco nun tot. Begraben ist er in einer Gedenkstätte für Tote des Bürgerkrieges. Nun soll er umgebettet werden. Doch das finden längst nicht alle Spanier richtig.

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Spaniens Ex-Diktators Franco wird aus dem Grab geholt

Rund 44 Jahre ist Spaniens faschistischer Diktator Franco nun tot. Begraben ist er in einer Gedenkstätte für Tote des Bürgerkrieges. Nun soll er umgebettet werden. Doch das finden längst nicht alle Spanier richtig.

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Auf der Autobahn dauert es von Madrid aus eine gute Viertelstunde, dann taucht auf den linken Seite ein riesiges Betonkreuz auf, praktisch unübersehbar - obwohl das “Valle de los Caidos” Luftlinie fünf Kilometer entfernt ist. Das Kreuz sei das Entscheidende und Monumentale der Anlage hieß es 1959 zur Fertigstellung der Anlage.

150 Meter hoch, die Spitze 300 Meter über der Esplanade. Das “Tal der Gefallenen” liegt in Wirklichkeit im Berg. Mit Dynamit, Spitzhacke und Schaufel mussten politische Gefangene als Zwangsarbeiter eine riesige Basilika und Grabkapellen in die Sierra de Guadarrama treiben. Um die 35.000 Bürgerkriegstote sind dort bestattet - und der Mann, der sich ab 1936 mit dem Bürgerkrieg an die Macht geputscht hat.

Ex-Diktator Franco spaltet Spanier noch immer

Aber es war doch nicht alles schlecht, was Franco gemacht hat, sagt Carmen, die gekommen ist, um die Grabplatte des Diktators zu sehen. Die Sozialversicherung, Stauseen für die Wasserversorgung, das Wahlrecht für Frauen. Carmen sagt: Ohne ihn wären wir den Kommunisten ausgeliefert gewesen.

Das findet die Spanierin Prudencia unmöglich:

Franco hat den Bürgerkrieg provoziert, indem er sich gegen die Republik, gegen die Demokratie erhoben hat.

Rehabiliterung politisch Verfolgter vor gut zehn Jahren

Als Diktator sollte er woanders begraben sein, mit seiner Familie, aber nicht hier, findet Prudencia. Das "Valle de los Caidos" sollte eine Gedenkstätte für die Toten des Krieges und die Opfer der Diktatur sein.

Carmen und Prudencia stehen geradezu beispielhaft für den Riss, der noch immer durch die spanische Gesellschaft geht. Nach Francos Tod 1975 führte König Juan Carlos das Land zurück in die Demokratie. Der Preis: ein Amnestiegesetz für Verbrechen in Bürgerkrieg und Diktatur.

Diesen Mantel des Schweigens würden manche gerne ausgebreitet lassen. Und als der sozialistische Regierungschef Zapatero vor gut zehn Jahren zumindest die Rehabilitierung politisch Verfolgter des Franco Regimes durchsetzte, meinte der spätere konservative Ministerpräsident Rajoy, das sei völlig unverantwortlich und reiße nur alte Wunden auf.

© br

Der Leichnam des spanischen Diktators Francisco Franco ist exhumiert worden. Die sterblichen Überreste wurden aus dem Mausoleum im Tal der Gefallenen bei Madrid entnommen.

So ähnlich verlief die Debatte auch um die Exhumierung des Diktators. Seit gut einem Jahr regieren wieder die Sozialisten, für Ministerpräsident Sanchez ist die Sache klar:

Ein gigantisches Mausoleum für einen faschistischen Ex-Diktator - in Deutschland oder Italien wäre das undenkbar.

Und das sollte es auch in Spanien sein, findet der Regierungschef. Die Konservativen haben sich bei der Abstimmung im Parlament immerhin enthalten - doch die Familie des Ex-Diktators ging vor Gericht.

Inzwischen hat der Oberste Gerichtshof die Exhumierung erlaubt, heute soll der Sargdeckel endgültig an neuer, unauffälliger Stelle draufgemacht werden: auf einem kleinen Friedhof etwas außerhalb der Hauptstadt. Ewige Ruhe wird der Streit um die historische Erinnerung trotzdem nicht finden. Nach aktuellen Umfragen finden etwa die Hälfte der Spanier die Exhumierung Francos richtig, immerhin ein Drittel ist dagegen. Nicht unbedingt nur Franquisten, sondern auch Menschen, die der Regierung unterstellen, sie hätten die Exhumierung aus Wahlkampfgründen jetzt angesetzt, gut zwei Wochen vor der erneuten Parlamentswahl.

© dpa/Manu Fernandez

Francos bisherige Grabstätte befindet sich im "Tal der Gefallenen"-Mausoleum nordwestlich von Madrid.