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Spanien: Wieder Proteste gegen Verhaftung von Rapper Pablo Hasél | BR24

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Wieder Proteste gegen Verhaftung von Rapper Pablo Hasél

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Spanien: Wieder Proteste gegen Verhaftung von Rapper Pablo Hasél

In Barcelona ist es den sechsten Abend in Folge zu Protesten gegen die Verhaftung des Rappers Pablo Hasél gekommen. Wie an den Vorabenden kam es erneut zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Mehrere Menschen wurden festgenommen.

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Von
  • Claudia Steiner

In Barcelona ist es den sechsten Abend in Folge zu gewaltsamen Protesten gegen die Verhaftung des Rappers Pablo Hasél gekommen. Demonstranten warfen am Sonntag Steine und andere Gegenstände auf Polizisten, die vor der Zentrale der Nationalpolizei im Zentrum der Stadt Wache standen. Einige der meist sehr jungen Demonstranten in Barcelona trugen ein Transparent mit der Aufschrift: "Ihr habt uns beigebracht, dass Friedlichkeit sinnlos ist." Allerdings war die Demonstration kleiner und es gab wesentlich weniger Ausschreitungen als in den fünf Nächten zuvor. Nach Einschätzung spanischer Medien beteiligten sich etwa 1.000 Menschen.

Geschäft geplündert

Dennoch wurden Polizisten vereinzelt wieder mit Flaschen, Mülleimern und Böllern beworfen, auch einige Schaufensterscheiben gingen zu Bruch, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Die Polizei habe fünf Menschen festgenommen, die ein Modegeschäft plünderten, berichtete die Zeitung "El Periódico". Auch in Valencia und Madrid kam es zu Demonstrationen. Seit Beginn der Proteste wurden in Barcelona 106 Menschen festgenommen. 82 Polizisten und auch zahlreiche Demonstranten wurden Medienberichten zufolge verletzt. Eine Frau hatte am Dienstag ein Auge verloren, als sie von einer Gummikugel der Polizei getroffen wurde.

Beleidigung der Monarchie und Glorifizierung von Terroristen

Der 32-jährige Rapper war 2018 wegen Beleidigung der Monarchie und Glorifizierung von Terroristen zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Diese Haftstrafe sollte er nun antreten, weigerte sich aber. Inzwischen sitzt er in Haft. Er und seine Anhänger sehen die Strafe als Verstoß gegen die Meinungsfreiheit.

© Europa Press/dpa

16.02.2021, Spanien, Lleida: Eine Spezialeinheit der Polizei von Katalonien verhaftet den Rapper Pablo Hasel in der Universität von Lleida.

Spannungen in der Koalition

Die Inhaftierung Haséls, der in einigen seiner Texte und in Tweets tiefen Hass auf Polizei und Politik zeigt, löste auch Spannungen in der linken Koalitionsregierung in Madrid aus. Die Sozialisten warfen ihrem kleineren Koalitionspartner Unidas Podemos vor, die Gewalt nicht ausreichend zu verurteilen. Die Regierung ist grundsätzlich gewillt, die Gesetze so zu ändern, damit es für Fälle wie Hasél keine Haftstrafen mehr gibt. Allerdings sind gegen den 32-Jährigen auch Verfahren wegen Bedrohung eines Zeugen und Angriffen gegen einen Journalisten anhängig.

Kritik an "Knebelgesetz"

Der Fall des wegen "Majestätsbeleidigung" und "Gewaltverherrlichung" verurteilten Rappers ist nicht der erste. Seit Verabschiedung des "Gesetzes zum Schutz der Sicherheit der Bürger" 2015 durch die damalige konservative Regierung von Mariano Rajoy - im Volksmund: "Knebelgesetz" - landen immer wieder Künstler, Youtuber und Journalisten auf der Anklagebank. Mal gibt es Haft-, mal hohe Geldstrafen, gelegentlich auch Freisprüche. Die Empörung hatte bisher allerdings nie solche Ausmaße wie jetzt.

Künstler solidarisieren sich

Mehr als 200 Künstler haben sich mit dem Rapper solidarisiert, darunter der Filmregisseur Pedro Almodóvar und der Schauspieler Javier Bardem. Mit einer Online-Petition ("Rappen ist kein Verbrechen") sammelte Amnesty International bereits mehr als 100.000 Unterschriften für eine Gesetzesänderung und Haséls Freilassung. Niemand dürfe ins Gefängnis wandern, "weil er etwas Unangenehmes oder Skandalöses" twittere oder singe.

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