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Spahn: Bis Mitte des Jahres Impfstoff für alle, die wollen | BR24

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Bildrechte: Kay Nietfeld/dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die bundesweit begonnenen Corona-Impfungen als logistische Herausforderung bezeichnet. Insgesamt sei der Start erfolgreich verlaufen, sagte er im radioWelt-Interview auf Bayern 2.

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Spahn: Bis Mitte des Jahres Impfstoff für alle, die wollen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die bundesweit begonnenen Corona-Impfungen als logistische Herausforderung bezeichnet. Insgesamt sei der Start erfolgreich verlaufen, sagte er im radioWelt-Interview auf Bayern 2.

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Von
  • Rolf Büllmann
  • Frank Steininger
  • BR24 Redaktion

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat den Start der Corona-Impfungen als "Riesenschritt" im Kampf gegen die Pandemie bezeichnet. "Impfen ist der Schlüssen um dieses Virus zu besiegen", sagte er im Interview mit der radioWelt auf Bayern 2.

"Wie wir es unter Kontrolle halten können, mit AHA-Regeln, Abstand, Lockdowns, das wissen wir. Das ist anstrengend und nervig. Wie wir es besiegen können, den Schlüssel haben wir jetzt in der Hand. Und dass wir ihn innerhalb so weniger Monate haben, bei einem neuen Virus, das hat es in der Menschheitsgeschichte noch nicht gegeben." Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Ein "Ruckeln" zum Start der Impfungen

Am Wochenende haben in Deutschland die ersten Impfungen stattgefunden. Der Start in Bayern verlief aber nicht reibungslos. In Schwaben kam es zu Verzögerungen, in weiten Teilen Oberfrankens musste der Impf-Beginn sogar komplett verschoben werden. Zu den Problemen bei der Einhaltung der Kühlkette bei der Auslieferung des Impfstoffs sagte Spahn, der Impfstoff von Biontech und Pfizer stelle logistisch besondere Anforderungen.

"Deswegen wird es, das habe ich auch schon gesagt am Anfang, an der ein oder anderen Stelle ruckeln. Aber ich finde dafür ist es doch gestern gut gestartet." Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Ausreichend Impfstoff bis zum Sommer

Spahn zeigte sich optimistisch, dass in den ersten Januartagen neben dem Impfstoff von Biontech mit der Entwicklung von Moderna ein zweiter Impfstoff zugelassen wird. Zwei bis drei weitere Kandidaten seien außerdem "auf dem Weg zur Zulassung". Man wisse aber nicht, ob es alle schaffen, weil es sehr hohe Anforderungen gäbe, so Spahn.

"Aber es macht mich sehr zuversichtlich, dass, wenn es nur ein, zwei dieser weiteren Kandidaten schaffen, wir bis Sommer so viel Impfstoff in Deutschland, in Europa und im nächsten Schritt für die ganze Welt haben werden, dass wir jedem, der will, ein Impfangebot machen können." Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

"Weihnachten nächstes Jahr soll wieder normal werden können", betonte der Gesundheitsminister.

"Einige unterschätzen Komplexität der Impfstoffproduktion"

Zu den Forderungen von FDP-Chef Lindner, dass der Impfstoff in Lizenz auch von anderen Pharmafirmen produziert werden solle, sagte Spahn: "Ich hab den Eindruck, einige unterschätzen die Komplexität und auch die Anforderungen, gerade in der Qualität in der Impfstoffproduktion. Die baut man eben nicht mal in drei Tagen in einer beliebigen Halle, auch nicht eines Pharmaunternehmens auf."

Man sei wegen möglicher neuer Produktionsstätten in intensivem Kontakt mit Biontech und Pfizer. Ein Werk in Marburg sei von Biontech übernommen worden. Ziel sei, dass dort noch im ersten Quartal die Produktion beginnen könne. "Wenn das gelingen sollte, würde sich sehr sehr schnell die verfügbare Menge enorm erhöhen", so Spahn.

Forderungen nach deutlich mehr Impfstoff-Produktion

Nach dem Start der Corona-Impfungen gibt es diverse Forderungen nach einem höheren Tempo bei der Impfstoffproduktion. Warnend äußerte sich etwa der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. "Die Impfung läuft gut an. Das Problem aber ist, dass wir mit dem vorhandenen Impfstoff nur fünf Millionen Menschen bis Ende März impfen können", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Uns läuft aber die Zeit davon. Das Virus hat bereits Mutationen gebildet."

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig wies auf die Verantwortung der Bundesregierung für die Beschaffung hin. "Ich habe die Sorge, dass wir nicht immer genügend Impfstoff rechtzeitig da haben", sagte die SPD-Politikerin in einer "Bild"-Sendung. Sie gehe aber davon aus, dass die Bundesregierung dafür sorgt, dass genügend Impfstoff bereitsteht.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte vor negativen Folgen durch Lieferengpässe gewarnt. "Endloses Warten reduziert auch die Bereitschaft der Bevölkerung, sich impfen zu lassen", sagte der CSU-Chef der Deutschen Presse-Agentur in München. Leider sei noch nicht genügend Impfstoff vorhanden.

Kritik an zu geringen Impfstoff-Bestellungen

Kritiker hatten der EU und auch Deutschland vorgehalten, zu wenig Impfstoff bestellt zu haben, weshalb es in anderen Staaten weltweit schneller vorangehe mit den Impfungen. Lindner sagte zu dem Thema, die Bundesregierung habe ihre Bestellung "sehr spät" angepasst und erst kurz vor Weihnachten 30 Millionen Dosen zusätzlich geordert. Andere hätten da ihre Bestellungen bereits abgeschlossen.

Pharmaindustrie widerspricht

Die Pharmaindustrie widersprach dem Vorwurf, wonach die Produktion des Corona-Impfstoffs zu langsam anläuft. "Wir sehen in Deutschland sechs Tage nach der Zulassung erste Corona-Impfungen, und wir werden im Januar noch deutlich mehr Impfungen haben, weil immer mehr der vom Staat bestellten Mengen geliefert werden", sagte der Präsident des Verbands der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa), Han Steutel, der "Augsburger Allgemeinen". Er verwies darauf, dass überall in Deutschland die Produktionskapazität für den Corona-Impfstoff hochgefahren werde. "Und jeder weitere Hersteller, der eine Zulassung erhält, wird ebenfalls mit vorproduzierten Chargen schnell im Markt sein."

Montgomery: Impfstoff reicht für Herdenimmunität in 2021

Auch Welt-Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery erwartet für den Jahresverlauf 2021 ausreichend Impfstoff, um eine Herdenimmunität gegen Covid-19 in Deutschland zu erreichen. Nach dem Impfstart am Wochenende sagte Montgomery heute im Deutschlandfunk, er halte es für eine "aufgeregte Debatte" jetzt Forderungen an die Politik zu richten, die Impfstoffproduktion durch staatliches Eingreifen kurzfristig massiv zu erhöhen. Entscheidender sei die Impfbereitschaft der Menschen. Vorbehalte müssten überwunden werden. "Über die langfristigen Wirkungen kann keiner von uns reden, das ist alles Spekulation", räumte Montgomery ein.

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Bundesgesundheitsminister Spahn zum Hochfahren der Impfstoffproduktion

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