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Spahn will sie innerhalb eines Jahres verbieten | BR24

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat zwei wissenschaftliche Gutachten vorgestellt, die ein Verbot sogenannter "Konversionstherapien" für Homosexuelle befürworten. Spahn will noch in diesem Jahr einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen.

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Spahn will sie innerhalb eines Jahres verbieten

Der Bundesgesundheitsminister will die "Umpolung" von Homosexuellen in Absprache mit dem Justizministerium offiziell verbieten lassen. Konversionstherapien machten krank und sind aber nicht gesund, sagte Spahn.

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Die wissenschaftlichen Expertisen zeigten, dass es medizinisch geboten und verfassungsrechtlich möglich sei, solche Angebote zu verbieten, sagte Spahn in Berlin zu den Gutachten. Zum gleichen Ergebnis sei eine Expertenkommission gekommen, die er im April eingesetzt hatte.

"Homosexualität ist keine Krankheit und damit nicht behandlungsbedürftig." Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister

Diffizile Details sind noch zu klären

Er strebe an, noch 2019 einen Gesetzentwurf zum Verbot solcher Therapien auf den Weg zu bringen, so Spahn, noch vor der Sommerpause wolle er sich daher mit dem Justizministerium in Verbindung setzen, um Einzelheiten zu erörtern.

So muss etwa geklärt werden, was im Bereich der "Konversionstherapien" als Ordnungswidrigkeit behandelt wird und welche Maßnahmen strafrechtlich verfolgt werden könnten. Spahn stellte dazu klar, dass eine pauschale Geldbuße von 2.500 Euro bei fortgesetztem Zuwiderhandeln seiner Meinung nach nicht ausreiche. Der Münchner Jurist Martin Burgi bekräftigte, dass ein Verbot verfassungsrechtlich prinzipiell möglich sei - teilweise auch eine Verankerung im Strafrecht.

Rund 1.000 Fälle pro Jahr

Sogenannte "Konversions-" oder "Reparationstherapien" zielen darauf ab, schwule und lesbische Menschen von ihrer sexuellen Orientierung zu "heilen". In der Fachwelt werden sie abgelehnt, der Weltärztebund nennt sie eine "ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit und Menschenrechte" der behandelten Menschen.

Der geschäftsführende Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, Jörg Litwinschuh-Barthel, betonte bei der Präsentation der Gutachten in Berlin, dass das Ausmaß solcher "Therapien" viel größer sei als bislang angenommen. Er geht von 1.000 Fällen in Deutschland pro Jahr aus.

Belege für negative Folgen

Litwinschuh-Barthel sagte, bei einer Konversionstherapie werde häufig ein Vertrauensverhältnis perfide ausgenutzt. Das geschehe bei Psychotherapeuten, in Religionsgemeinschaften und reiche bis hin zum Exorzismus. Nach Angaben des Hamburger Sexualforschers Peer Briken gibt es eindeutige Belege für die negativen Folgen solcher vermeintlichen Therapien. Die Betroffenen litten danach häufig unter Depressionen, manche hätten sogar Selbstmordgedanken.

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Der Bundesgesundheitsminister will die "Umpolung" von Homosexuellen in Absprache mit dem Justizministerium offiziell verbieten lassen. Konversionstherapien machten krank und sind aber nicht gesund, sagte Spahn.