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Späte Reaktion: Vatikan verurteilt Missbrauchsfälle in USA | BR24

© pa/dpa

Petersdom in Rom

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    Späte Reaktion: Vatikan verurteilt Missbrauchsfälle in USA

    Mit einer ersten Stellungnahme hat der Vatikan am Donnerstagabend auf den jüngsten Bericht über Missbrauchsfälle im US-Bundesstaat Pennsylvania reagiert. Zum Bericht der Staatsanwaltschaft gebe es "nur zwei Worte: Scham und Trauer".

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    Die Reaktion des Vatikans hat mehr als zwei Tage gebraucht, und wurde erst spät am Abend veröffentlicht, rechtzeitig für die Hauptnachrichten in den USA. Vatikansprecher Greg Burke ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig:

    "Es gibt zwei Worte, die die Gefühle angesichts dieser schrecklichen Verbrechen ausdrücken: Scham und Trauer. Der Heilige Stuhl nimmt die Arbeit der Staatsanwaltschaft und ihren Bericht sehr ernst und verurteilt ganz eindeutig den Missbrauch von Minderjährigen. Die Taten sind strafrechtlich und moralisch verwerflich. Dadurch wurde Vertrauen verraten, Überlebende wurden ihrer Würde beraubt und in vielen Fällen auch ihres Glaubens." Vatikansprecher Greg Burke

    Bericht der Staatsanwaltschaft: Mindestens 1.000 Opfer

    Am Dienstag hatte die Grand Jury des US-Bundesstaates Pennsylvania ihren Bericht über Missbrauchsfälle in sechs der acht dortigen Diözesen vorgelegt. Demnach hatten sich in einem Zeitraum von 70 Jahren mehr als 300 Priester an rund 1.000 Opfern vergangen. Die Dunkelziffer sei wahrscheinlich höher, hatte Staatsanwalt Josh Shapiro gesagt. Der 1.400-Seiten-Bericht listet zahlreiche Fälle auf und dokumentiert auch systematische Vertuschung durch die katholische Kirche. Der Vatikan reagiert darauf in Person seines Sprechers Greg Burke:

    "Die Kirche muss harte Lektionen aus der Vergangenheit lernen. Missbrauchstäter und die, die Missbrauch zugelassen haben, müssen zur Rechenschaft gezogen werden." Vatikansprecher Greg Burke

    Der Vatikan betont jetzt allerdings auch, dass seit dem Jahr 2002 kaum noch neue Fälle dokumentiert sind. Damals hatten mehrere Berichte des "Boston Globe" eine Lawine an Enthüllungen los getreten. Die Reformen der katholischen Kirche in den USA hätten die Zahl der Fälle seitdem drastisch reduziert, heißt es nun aus dem Vatikan.

    Papst sichert Unterstützung zu

    Dennoch wird Papst Franziskus das Thema nicht los. Auch auf seinen Reisen wird er immer wieder mit den Fällen konfrontiert. Zuletzt Anfang des Jahres, bei seiner Reise nach Chile. Dort hatte er angesichts von Opfern, die einen dortigen Bischof der Vertuschung beschuldigen, noch von, so wörtlich, Verleumdung gesprochen. Ein Bericht eines Sonderermittlers, den er nach der Reise nach Chile entsandt hatte, hatte ihn jedoch zum Umdenken gebracht. Inzwischen hat er sich mehrfach mit Überlebenden des Missbrauchs getroffen, die chilenischen Bischöfe hatten im Mai geschlossen ihren Rücktritt angeboten, in fünf Fällen hatte der Papst den Rücktritt angenommen. In Bezug auf die Fälle aus Pennsylvania heißt es nun:

    "Die Opfer sollten wissen, dass der Papst an ihrer Seite ist. Die die gelitten haben, sind seine Priorität. Die Kirche will ihnen zuhören, um dieses tragische Grauen auszurotten, das Leben von Unschuldigen zerstört. " Vatikansprecher Greg Burke

    Auch auf seiner Reise nach Irland Ende der kommenden Woche wird Papst Franziskus mit dem Thema konfrontiert werden. Dort wurden schon vor Jahren tausende Fälle von Missbrauch durch katholische Geistliche und in katholischen Einrichtungen dokumentiert. Es wird mit Protesten gerechnet.

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    Sendung

    BAYERN 1 am Vormittag

    Autor
    • Jan-Christoph Kitzler
    Schlagwörter