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Ernst Vogel
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Ernst Vogel

Eigentlich sollte Ernst Vogel Kaffee trinken oder spazieren gehen – er ist 79 Jahre alt, Rentner und sollte Zeit haben für so etwas. Hat er aber nicht. Stattdessen steigt er zittrig auf eine kleine Trittleiter in einem Münchner Wohnhaus. Hier ist er Hausmeister. Streckt sich zur Lampe, wechselt die Glühbirne aus. Kehrt den Hinterhof, mäht den Rasen. Viermal die Woche. Nicht, dass alles auf null sei am Monatsende, sagt er.

Obwohl er schon fünfzig Jahre lang LKW-Fahrer war. Doch weil er ein deutscher Aussiedler aus Rumänien ist, fällt er unter das sogenannte Fremdrentengesetz. Und das kürzt seit den 90er Jahren hunderttausenden Aussiedlern und Spätaussiedlern die Rente; teils verringerten sich die Rentenansprüche um vierzig Prozent, obwohl die Menschen 100 Prozent gearbeitet haben.

"Das finde ich schon ungerecht. Weil die, die zehn Jahre vor mir in Rente gegangen sind, sind nicht betroffen. Warum ich? Was ist da der Unterschied?“ Ernst Vogel

Kürzung der Rentenansprüche und gedeckelte Renten

Es gibt zwei Gruppen von Betroffenen: Wer nach 1996 in Rente gegangen ist, bekommt nur 60 Prozent der Arbeitsleistung im Herkunftsland anerkannt.

Bei allen, die nach 1996 nach Deutschland zugezogen sind, wurde die Rente gedeckelt: auf maximal 800 Euro. Nach Zahlen der Deutschen Rentenversicherung wurden rund 780.000 Renten durch die Gesetzesänderung gekürzt. Die Wut der Aussiedler und Spätaussiedler landet meist zuerst bei Bernd Fabritius. Er ist von der Bundesregierung beauftragt, sich um die Belange der Aussiedler zu kümmern.

"Die Menschen verstehen es nicht, dass letztlich ihre Kinder sie dann unterstützen müssen, wo die ja bereits einen eigenen Beitrag in die Rentenkasse leisten.“ Bernd Fabritius

Bernd Fabritius setzt darauf, dass die Große Koalition das Problem anpackt.

"Ich habe das Ministerium, das dafür zuständig ist und den zuständigen Bundessozialminister Heil aufgefordert, das zu ändern.“ Bernd Fabritius

Hilft die Politik den Betroffenen?

Im Koalitionsvertrag heißt es, man wolle prüfen, ob ein Ausgleich für die Aussiedler und Spätaussiedler durch eine Fondslösung möglich ist. Doch auf Nachfrage von report München teilt das Sozialministerium in Berlin mit, dass es zu der im Koalitionsvertrag genannten Prüfung für Spätaussiedler noch keine Festlegungen gebe. Rentner und Spätaussiedler Ernst Vogel aus München hat sich aus Berlin mehr erhofft, er ist enttäuscht:

"Ich vermute, dass sie dieses Problem aussitzen wollen – verschieben auf die lange Bank, bis zum Schluss keiner mehr da ist. Und dann hat sich die Geschichte erledigt.“ Ernst Vogel