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Seit zehn Jahren haben Väter mehr Rechte | BR24

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Vor zehn Jahren gab das Bundesverfassungsgericht Vätern mehr Rechte.

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    Seit zehn Jahren haben Väter mehr Rechte

    Heute vor zehn Jahren erklärte das Bundesverfassungsgericht die gesetzliche Regelung zum Thema Sorgerecht bei unverheirateten Paaren für ungültig. Seit 2013 können Väter das Sorgerecht direkt beim Jugendamt beantragen. In der Praxis knirscht es aber.

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    Heute vor zehn Jahren urteilte das Bundesverfassungsgericht: Die gesetzliche Regelung zum Thema Sorgerecht bei unverheirateten Paaren ist ungültig. Seit 2013 können Väter das Sorgerecht direkt beim Jugendamt beantragen. Nur in Ausnahmefällen kann es die Mutter verwehren.

    Vor dem Urteil 2010 fiel das Sorgerecht automatisch an die ledige Mutter. Diese Regelung widerspricht nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichts gegen den Gleichheitsgrundsatz. Das Urteil markiert einen Wendepunkt: Seither können auch ledige Väter das Sorgerecht standardmäßig bekommen. Verweigern darf es die Kindsmutter nur in Fällen von Kindeswohlgefährdung – darunter fällt auch eine extrem schlechte Kommunikation mit dem Vater.

    Gerichte geben Vätern öfter Recht

    Dass Gerichte den Vätern seit der Umsetzung des Urteils öfter Recht geben, belegen die Zahlen des bayerischen Justizministeriums. Während Väter im Jahr 2008 in rund 100 Fällen das gemeinsame Sorgerecht in Bayern bekamen, waren es im Jahr 2019 mehr als dreimal so viele. Die Zahl der Väter, denen das alleinige Sorgerecht zugesprochen wurde, stieg im gleichen Zeitraum von 143 auf über 257. Die Anzahl der Sorgerechtsstreitigkeiten verfünffachte sich – von 1.022 Fällen auf 5.208 Fälle.

    Formal werden Väterrechte durch die Gesetzesreform tatsächlich gestärkt. Wie die Münchner Familienrichterin Ulrike Sachenbacher betont, hat das Gesetz auch Auswirkungen auf die berufliche Praxis. "Wenn man sieht, man hat einen Vater, der sich einbringen will und der nur geblockt wird – dann haben alle Professionen: Jugendamt, Verfahrensbeistand und Gerichte – ein hochwertiges Interesse daran, den Vater ins Familiensystem zu holen," so Sachenbacher.

    In der Praxis knirscht es trotzdem

    Anton Stark ist froh, dass er das gemeinsame Sorgerecht für sein Kind hat. Er hat es gleich nach der Geburt beim Jugendamt beantragt. Wir haben seinen Namen geändert, denn die Beziehung zu seiner Ex-Partnerin ist äußerst angespannt. Heute besucht das Kind einen Kindergarten. Das war ein besonders strittiger Punkt zwischen den Eltern – und aufgrund des gemeinsamen Sorgerechts kann Stark hier mitentscheiden.

    Die Mutter wollte das Kind ursprünglich gerne länger zu Hause behalten, der Vater drängte auf den Kindergarten. Sie einigten sich schließlich auf eine Kita ihrer Wahl.

    Anton Stark sieht seine Väterrechte dennoch eingeschränkt. Der Vater wünscht sich zum Beispiel mehr Umgang mit seinem dreijährigen Kind – doch er darf es nur zwei Stunden in der Woche sehen: "Wenn ich kein Sorgerecht hätte, stellt sich die zentrale Frage, ob mein Kind überhaupt im Kindergarten wäre. Für alle anderen Themen spielt das gemeinsame Sorgerecht überhaupt keine Rolle."

    Schwierige Kommunikation zwischen den Paaren

    Die Münchner Rechtsanwältin Michaela Braun, Expertin für Scheidungen und Trennungen, verhandelt selbst hochstrittige Fälle. Sie kennt Beschwerden wie die des ledigen Vaters. Grundsätzlich, so Braun, sei das gemeinsame Sorgerecht bei unverheirateten Paaren heute die Regel. Schwierig wird es, wenn die Kommunikation zwischen Vater und Mutter nicht funktioniert.

    In besonders schwierigen Beziehungen empfiehlt die Anwältin den Müttern, die sie vertritt, sogar, den Vätern das Sorgerecht zu verweigern, weil die Anwältin unter diesen Bedingungen das Kindeswohl gefährdet sieht: "Wenn die Mutter sagt, ich kann mit dem Vater nicht kommunizieren, dann könnte das in manchen Fällen dazu führen, dass man sagen muss, das ist nicht dem Kindeswohl entsprechend, weil die Eltern ja in irgendeiner Form gemeinsam für das Kind entscheiden müssen, wenn sie das gemeinsame Sorgerecht haben", so Braun.

    Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vor zehn Jahren hat die Rechte der Väter gestärkt, auch vor Gericht bekommen sie in Sorgerechtsstreitigkeiten häufiger Recht. Doch, ob ihnen die gesetzliche Regelung dabei hilft, eine engere Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen, hängt sehr davon ab, wie gut die Kommunikation mit der Mutter klappt.

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