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15 Tage nach der zweiten Corona-Impfung gelten für Geimpfte in Berlin mehr Freiheiten.

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    Sollten Corona-Geimpfte Vorteile im Alltag haben?

    Keine Quarantäne, keine Testpflicht: Was ab morgen in Berlin für vollständig gegen Corona Geimpfte gilt, könnte bald bundesweit kommen. Ist das gerecht? Darüber sprachen der Münchner Unternehmer Oliver Reif und der Sozialethiker Andreas Lob-Hüdepohl.

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    Von
    • Manuel Mehlhorn

    "Die Gleichstellung von Geimpften mit negativ Getesteten ist ein ethisches Gebot. Aber nur unter der Voraussetzung, dass kostenlose Tests unproblematisch für alle verfügbar sind", sagt Prof. Andreas Lob-Hüdepohl, Mitglied im Deutschen Ethikrat. Er befürwortet Vorteile für vollständig gegen Corona-Geimpfte.

    Lob-Hüdepohl: "Keine Testpflicht für Geimpfte"

    Seine Position begründet er mit der begrenzten Kapazität von Schnelltests und der Wartezeit in den Testzentren: "Wenn man Geimpfte in die Testpflicht hineinzwingt, obwohl sie weniger risikobehaftet wie negativ Getestete sind, dann würde ich die Tests den Nicht-Geimpften vorenthalten. Das darf nicht sein", argumentiert Lob-Hüdepohl, der im Ethikrat unter anderem an der Konzeption der Impfpriorisierung der Bevölkerung beteiligt war. Seiner Argumentation liegt ein Bericht des Robert Koch-Instituts zugrunde, wonach Corona-Impfungen die Weitergabe des Virus in hohem Maße verhindern.

    Scharfe Kritik von Münchner Clubbesitzer

    Der Münchner Clubbetreiber Oliver Reif lehnt Vorteile für Geimpfte vehement ab: "Sollten Lockerungen für Geimpfte kommen, bleibt mein Club zu." Ihn frustriert der Umgang der Politik mit der Pandemie: "Die Politik hat alles falsch gemacht, was man falsch machen kann." Als Beispiel führt er unter anderem das Hin und Her bei der Zulassung des Impfstoffs von Astrazeneca an.

    Erleichterungen für Geimpfte sind für Clubbetreiber Reif Ablenkungsmanöver von den Fehlern der Politik. Damit meint er zum Beispiel die Impfungen, die in seinen Augen zu langsam vorankommen: "Deshalb werde ich keinen Druck auf meine Gäste ausüben und sagen: 'Ihr dürft bei mir nicht rein!' Da wäre ich auf keinen Fall dabei", empört sich Reif.

    Gleichstellung von negativ Getesteten und Geimpften

    Ethikratsmitglied Lob-Hüdepohl weist auf die Möglichkeit zur Gleichstellung beider Gruppen hin: "Wer noch nicht geimpft ist, kann das durch tagesaktuelle Tests kompensieren. Gäbe es diese Möglichkeit nicht, dann hätte ich auch schwerwiegende Bedenken." Sonst könnten tatsächlich Privilegien entstehen, die Lob-Hüdepohl für nicht gerechtfertigt hielte. Erleichterungen für Geimpfte also nur dann, wenn sie gleichzeitig für negativ Getestete gelten: "Nur so kann es funktionieren", stimmt Clubbesitzer Reif dem Sozialethiker Lob-Hüdepohl zu.

    Stimmung in der Bevölkerung gespalten

    Die Stimmung in der Bevölkerung ist gespalten, was mögliche Vorteile für vollständig gegen Corona Geimpfte angeht. Im aktuellen ZDF-Politbarometer befürworten 48 Prozent der Befragten solche Vorteile. 50 Prozent lehnen sie ab. Im Januar lag die Zahl der Befürworter allerdings nur bei 27 Prozent.

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