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BAföG (Symbolbild)
© adpic / Baumann
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BAföG (Symbolbild)

Daniel Schmaus studiert in München Mathematik. Bald kommt er ins vierte Semester. Sich in München eine Wohnung zu leisten, ist für den 21-jährigen Studenten nicht einfach. Er bekommt BAföG und wohnt mit einem Freund in einer Zweier-WG in Schwabing-Freimann. Seine Miete liegt bei 464 Euro warm, noch vergleichsweise günstig. "Aber trotzdem reicht die Wohnpauschale dafür überhaupt nicht aus", sagt der Student.

Reicht die Erhöhung der Wohnpauschale aus?

Die Wohnpauschale für BAföG-Studenten liegt derzeit bei 250 Euro. Diese Pauschale soll nun erhöht werden auf 325 Euro. So sieht es die BAföG-Reform vor, die Ende Januar vom Bundeskabinett beschlossen wurde und die nun im Bundesrat beraten wird. Zusammen mit dem Grundbedarf für Nahrungsmittel und Kleidung und inklusive der Wohnpauschale würde der Förderhöchstsatz demnach im kommenden Jahr monatlich insgesamt bei 861 Euro liegen. Studenten, die in Städten wie München hohe Mieten zahlen müssen, kommen damit nicht weit. Im Schnitt kostet eine Studentenbude in der bayerischen Landeshauptstadt laut Institut der deutschen Wirtschaft mehr als 600 Euro Warmmiete pro Monat.

Nicht in den teuersten Städten studieren?

Im Interview mit "Spiegel Online" sagte die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) dazu Anfang Februar: "Man muss ja nicht in die teuersten Städte gehen." Jetzt erklärte sie dem BR: "Wir haben eine sehr gute, breite Hochschullandschaft in Deutschland. Das war die Aussage, die dahinter stand. Und da stehe ich auch dazu. Denn wir haben wirklich gute Studiengänge in ganz vielen Städten." Dass die Bundesbildungsministerin ihm als BAföG-Studenten nahelegt, in eine günstigere Stadt zu ziehen, empfindet Daniel Schmaus aus München als Frechheit.

Was bedeutet das für Chancengerechtigkeit und freie Berufswahl?

Der Student sagt, dass es eben nicht überall das gleiche und für ihn passende Studienangebot gebe. Er wolle im Master "Mathematische Physik" studieren und da gebe es nur eine begrenzte Anzahl von Unis, die diesen Studiengang anbieten würden. Auch der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks Achim Meyer auf der Heyde kritisiert die Aussage der Bundesbildungsministerin. Er sieht die Gefahr, "dass damit das Prinzip der Berufswahlfreiheit verletzt wird, was im Grunde eigentlich der Verfassung zuwiderläuft. Und zum anderen die Chancengerechtigkeit, die das BAföG ja seit 1971 gewährleisten soll, nicht mehr gesichert ist."

Wohnpauschale regional anpassen?

Das befürchtet auch Fabian Schmidt, der "Soziale Arbeit" studiert und sich in der DGB-Jugend um Hochschulpolitik kümmert. Er fordert, die Wohnpauschale regional anzupassen: "Wenn man in München oder Düsseldorf wohnt, dann muss eben auch die Wohnpauschale erhöht werden, so dass sie an die realistischen Mieten angepasst ist." Eine Option wäre auch, dass mehr Studentenwohnheime gebaut werden. Die Wartezeit auf einen Wohnheimplatz beim Studentenwerk in München beträgt in der Regel mehrere Semester.

Warum baut Bayern nicht mehr Studentenwohnheime?

Der bayerische Staatsminister für Wissenschaft Bernd Sibler (CSU) sieht hier noch Luft nach oben. "Natürlich müssen wir auch in Bayern ansetzen, aber da brauchen wir erst mal Flächen in den Städten", sagt der Staatsminister. Er werde sich für mehr Platz für studentisches Wohnen einsetzen. Der Mathe-Student Daniel Schmaus aus München jobbt nebenbei, um seine Miete bezahlen zu können. Die geplante Erhöhung des Wohnzuschlags wird nicht ausreichen, um seine Miete komplett abzudecken. Aber er hofft, durch die Erhöhung zumindest etwas weniger arbeiten zu müssen und so mehr Zeit für die Uni zu haben.