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Libanon bittet um Hilfe: Solidarität nach Explosion in Beirut | BR24

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Mindestens hundert Tote, tausende Verletzte, hunderttausende ohne Obdach -die schwere Explosion im Hafen von Beirut trifft den Libanon ins Mark. Viele Länder haben nun ihre Unterstützung angekündigt.

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Libanon bittet um Hilfe: Solidarität nach Explosion in Beirut

Nach den schweren Explosionen in Beirut hat Libanons Ministerpräsident Hassan Diab das Ausland um Hilfe gebeten. Die Schäden betreffen die halbe Stadt. Deutschland hat bereits Unterstützung zugesagt. Derweil läuft die Suche nach den genauen Ursachen.

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  • BR24 Redaktion

Angesichts des Ausmaßes der Schäden durch die Explosionen in Beirut hat der libanesische Ministerpräsident Hassan Diab das Ausland um Hilfe gebeten. "Wir erleben eine echte Katastrophe", sagte Diab in einer Fernsehansprache am Mittwoch.

Halb Beirut soll nach Behördenangaben von der Zerstörung betreoffen sein, bis zu 300.000 Bürger seien obdachlos. Diab bitte die Freunde seines kleinen Landes um Unterstützung. Zugleich versprach er, die Verantwortlichen würden bestraft, ohne näher auf die noch unklare Ursache der Detonation einzugehen.

Deutschland will helfen

Zuvor hatte Deutschland bereits signalisiert, dem Libanon zu helfen. Die Bundesregierung sei "erschüttert" über die Berichte und Bilder, twitterte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer. "Unsere Gedanken sind bei denen, die Angehörige verloren haben", fügte sie hinzu. "Den Verletzten wünschen wir eine schnelle Genesung. Wir werden dem Libanon unsere Unterstützung anbieten." Deutschland stehe dem Libanon in dieser schweren Stunde bei, sagte auch Außenminister Heiko Maas (SPD) bei Twitter.

Unter den Verletzten sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes auch Mitarbeiter der deutschen Botschaft; zu den durch die Explosion beschädigten Gebäuden zählt auch dortige Niederlassung des Goethe-Instituts.

Mindestens 100 Tote durch massive Explosion

Am Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut war es am Dienstag zu einer massiven Explosion gekommen. Laut dem Ministerpräsidenten Diab sollen 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat detoniert sein. Dabei starben nach Angaben des dortigen Roten Kreuzes mindestens 100 Menschen, Tausende wurden verletzt.

Ursache der Explosion noch nicht sicher

Die Suche nach der genauen Ursache geht indessen weiter. Das nach Regierungsangaben detonierte Ammoniumnitrat soll seit sechs Jahren ohne Vorsichtsmaßnahmen in einem Lagerhaus untergebracht gewesen sein. Weshalb die Substanz explodierte, ist bislang unklar. Ammoniumnitrat ist ein starkes Oxidationsmittel, das zur Herstellung von Düngemittel, aber auch von Sprengsätzen verwendet wird.

Unter normalen Lagerbedingungen und bei mäßigen Temperaturen entzünde sich Ammoniumnitrat nur schwer, erläutert die Chemie-Expertin Jimmie Oxley von der Universität in Rhode Island. Auf Videos der Explosionen in Beirut sei zunächst schwarzer, dann roter Rauch zu sehen. "Ich gehe davon aus, dass es eine kleine Explosion gab, die die Reaktion des Ammoniumnitrats auslöste - ob diese kleine Explosion ein Unfall war oder beabsichtigt, weiß ich nicht", sagt Oxley.

Hilfen aus Tschechien und Frankreich zugesagt

Neben den Hilfszusagen aus Deutschland wurden Frankreich und die Niederlande bereits aktiv. Wie der Elysée-Palast in Paris mitteilte, sollen zwei Flugzeuge der Arme mit medizinischer Ausrüstung und einer mobilen Krankenstation an Bord in Beirut eintreffen. Präsident Emmanuel Macron hatte die Hilfen in der Nacht zuvor angekündigt.

Auch die Niederlande schicken ein Experten-Team nach Beirut. Rund 70 Helfer sollten am Abend in die libanesische Hauptstadt reisen, kündigte die Handelsministerin Sigrid Kaag an. Zu dem Team gehörten Ärzte, Feuerwehrleute und Polizisten, die im Aufspüren von verschütteten Personen spezialisiert seien. "Die Niederlande sind besonders spezialisiert im Suchen nach Überlebenden und Toten in Trümmern", sagte die Ministerin. "Das ist jetzt so wichtig. Die Zeit drängt."

Ebenso will Tschechien ein Hilfsteam in den Libanon schicken. Die Spezialeinheit der Feuerwehr werde am Nachmittag abfliegen, teilte Innenminister Jan Hamacek mit. Das Team sei auf die Bergung von Verschütteten spezialisiert. Dabei sind fünf Suchhundeführer mit ihren Tieren und mehr als 30 weitere Einsatzkräfte.

Israels Präsident Netanjahu mobilisiert Nationalen Sicherheitsrat

In Libanons Nachbarland Israel hat sich ein Krankenhaus im Norden des Landes bereiterklärt, bei der Versorgung von Verletzten zu helfen. So sagte der Direktor des Galiläa-Krankenhauses in Naharija, Massad Brahum, am Mittwochmorgen im Armee-Radio seine Unterstützung zu. "Wir wollen nur eine helfende Hand reichen", sagte er. Jeder werde behandelt und das Krankenhaus gesund verlassen.

Zuvor hatte die israelische Regierung ein Hilfsangebot über internationale Kanäle unterbreitet. Präsident Reuven Rivlin drückte via Twitter dem Libanon sein Mitgefühl aus. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies den Vorsitzenden des Nationalen Sicherheitsrates, Meir Ben-Schabat, an, mit dem UN-Nahostbeauftragten Nikolaj Mladenow weitere Möglichkeiten der Unterstützung auszuloten.

Auch der iranische Außenminister hat seine Anteilnahme ausgedrückt und dem Land Hilfe angeboten. "Unsere Gedanken und Gebete sind mit den Menschen in Libanon... bleibt stark", twitterte Außenminister Mohammed Dschawad Sarif. Der Iran sei bereit, dem Libanon jegliche notwendige Hilfe und Unterstützung zu leisten, so der iranische Chefdiplomat.

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