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Solidarität im Kampf gegen Corona: Wo es klappt - und wo nicht | BR24

© dpa/Jean-Christophe Verhaegen

Ein französischer Corona-Patient wird zur Behandlung nach Deutschland ausgeflogen

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    Solidarität im Kampf gegen Corona: Wo es klappt - und wo nicht

    Die Welt kämpft gegen Corona über Grenzen hinweg: Kliniken im Saarland, Rheinland-Pfalz und Sachsen nehmen Patienten aus Italien und Frankreich auf. Auch Ärzte aus Russland, China und Kuba helfen in Italien aus. Doch nicht jede Hilfe ist erwünscht.

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    Ohne Solidarität geht es im Kampf gegen die Corona-Pandemie nicht. Kliniken im Saarland, in Rheinland-Pfalz und Sachsen haben Corona-Patienten aus Italien und Frankreich aufgenommen.

    Nordrhein-Westfalen kündigte am Dienstag an, zehn Corona-Patienten aus dem besonders von dem Virus betroffenen Norditalien aufzunehmen. Das sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in einer Sondersitzung des Landtags. Die italienische Luftwaffe werde die Patienten in den nächsten Tagen nach NRW verlegen.

    Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

    In der Nacht zum Dienstag sind acht Intentensivpatienten in Leipzig gelandet. Am Montag haben bereits Rheinland-Pfalz und das Saarland schwer kranke Covid-19-Patienten aus Frankreich aufgenommen. Fünf Notfall-Patienten seien in das Uniklinikum in Homburg verlegt worden, teilt die Staatskanzlei in Saarbrücken mit. Im pfälzischen Kandel seien inzwischen zwei französische Patienten in Behandlung, erklärt das Gesundheitsministerium in Mainz. Weitere Krankenhäuser stünden zur Aufnahme französischer Patienten bereit.

    Behandlung italienischer Patienten "wichtiges Zeichen"

    Wie der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) mitteilte, komme man damit der Bitte der italienischen Regierung nach. Zudem könne man durch die Behandlung der italienischen Patienten lernen, mit dem Virus umzugehen. "Das ist ein ganz wichtiges Zeichen, dass wir auch anderen helfen können", sagte Kretschmer gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

    Auch die bayerischen Landtags-Grünen haben die Staatsregierung bereits dazu aufgefordert, schwerkranke Corona-Patienten aus Italien aufzunehmen. "Wir sollten dem Vorbild Baden-Württembergs und des Saarlands folgen, die ihrem Nachbarland Frankreich jetzt zur Seite springen und akute Beatmungspatienten in deutschen Kliniken versorgen", teilte Fraktionschef Ludwig Hartmann mit.

    Die Versorgung solcher Akutpatienten dauere bis zu einer Woche. "Das können wir leisten", sagte der Grünen-Politiker. Es blieben ausreichend Versorgungskapazitäten für die bayerischen Bürger.

    Macron: "Europäische Solidarität rettet Leben"

    Im Kampf gegen Corona gibt es weltweit Solidarität über Grenzen hinweg: Auch die Schweiz hat laut dpa bereits Patienten aus Italien und Frankreich angenommen. Zu Dutzenden arbeiten inzwischen Ärzte aus Russland, China und Kuba in Italien. Sie wollen das Gesundheitssystem des Landes in der Corona-Krise vor dem Kollaps bewahren. "Europäische Solidarität rettet Leben", schrieb Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

    Russland engagiere sich in Italien vor allem auch, um eigene Erfahrungen im Kampf gegen das dort bisher kaum verbreitete Virus zu erhalten, sagt Generalleutnant Igor Kirillow. In Europa ist Italien mit seinen 60 Millionen Einwohnern das am heftigsten von der Covid-19-Krankheit getroffene Land.

    Das Beispiel Italien ist aber nur eines von vielen. Auch andere Länder haben mehr oder weniger erfreuliche Erfahrungen gemacht mit Hilferufen.

    Serbien fühlt sich von EU im Stich gelassen

    Alleingelassen von der EU fühlt sich Serbien. "Die europäische Solidarität gibt es nicht", kritisierte Präsident Alekxander Vucuc. "Sie war ein Märchen." 249 Fälle gibt es in dem Land - mit Ärzten am Limit. Deshalb habe er sich an China um Hilfe gewandt. Er habe Staatschef Xi Jinping die jahrhundertelange Freundschaft mit dem kleinen Serbien versprochen im Gegenzug für Hilfe, sagte Vucic - und küsste die chinesische Fahne.

    China: Hilfslieferungen an 82 Nationen

    Die Volksrepublik China, wo das Virus in der Millionenmetropole Wuhan seinen Ursprung genommen hatte, nimmt inzwischen eine führende Rolle bei der globalen Hilfe ein. Wie Pekings Außenministerium am Wochenende mitteilte, wurden 82 Nationen Hilfslieferungen angeboten.

    Neben der Italien-Hilfe wurden für die EU weitere zwei Millionen Masken angekündigt. Sehr aktiv ist auch der chinesische Milliardär Jack Ma. Der Gründer des Online-Händlers Alibaba hat ebenfalls Millionen Schutzmasken und andere Hilfsgüter in alle Welt verschicken lassen. "Es ist nicht länger eine Herausforderung, die ein Land allein bewältigen kann. Wir sind jetzt alle gefordert", sagte Ma.

    China revanchiert sind mit den Lieferungen auch für massive Hilfen, die es aus anderen Ländern erhalten hat, als das Coronavirus sich in Wuhan verbreitete. Dutzende Länder, darunter auch Deutschland, lieferten medizinisches Equipment.

    Iran lehnt Trumps Hilfsangebot ab

    Aber nicht immer ist Hilfe auch willkommen. US-Präsident Donald Trump sagte am Sonntagabend, er habe dem Iran und Nordkorea Unterstützung angeboten. Das gelte auch für andere Staaten. "Wenn sie Hilfe brauchen, werden wir ihnen Hilfe geben."

    Irans oberster Führer hatte jedoch kurz zuvor ein Hilfsangebot der USA abgelehnt. "Wir haben viele Feinde, aber der schlimmste sind die USA (...), und die wollen uns jetzt helfen", sagte Ajatollah Ali Chamenei im Staatsfernsehen. Das Land leidet besonders stark unter dem Virus. Anstatt Hilfsgüter und Experten in den Iran zu schicken, sollten die USA die wirtschaftlichen Sanktionen aufheben.