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Söder bei Flüchtlingen in Gambela

Am zweiten Tag seiner Äthiopien-Reise hat Ministerpräsident Söder das Flüchtlingscamp Gambela besucht und für mehr Entwicklungshilfe geworben. Es ist vielleicht der schwierigste Termin während seiner Reise. Nach einem Inlandsflug geht es gut eineinhalb Stunden über eine holprige Sand-Lehmpiste bis kurz an die Grenze zum Südsudan im äthiopischen Nirgendwo. Hier liegt das "Camp Nguenyyiel" - das größte Flüchtlingscamp Äthiopiens.

Der Empfang für den Ministerpräsidenten ist äußerst herzlich. Mehrmals wird Söder von singenden Kindern aufgehalten.

"Der Optimismus der jungen Menschen beeindruckt mich schon. Ich glaube, dass dieser Optimismus ein Stück weit eine Brücke sein kann in die Zukunft. Denn die vielen jungen Menschen mit Optimismus, denen sollte man eine Chance geben." Markus Söder

Bayern unterstützt Schulen

In einem kleinen Klassenzimmer wird Söder lautstark von rund 120 Schülern einer Grundschule begrüsst. Es ist eng und Söder ist beeindruckt, "was da unter schwierigen Umständen für eine Leistung erbracht wird. Um so mehr lohnt es auch zu helfen. Es ist schon ganz entscheidend, dass wir Menschen eine Perspektive gebe. Und zwar vor Ort."

Für die Schüler und die Schulen in der Region Gambela hat der Ministerpräsident 100.000 Euro im Gepäck. Geld, mit dem Möbel angeschafft und eine Bibliothek aufgebaut werden sollen. Der Klasslehrer, Herr Gatluak Gaepan freut sich über den Gast aus Deutschland und zitiert Nelson Mandela: "Präsident Nelson Mandela sagte, Bildung ist eine sehr mächtige Waffe mit der du die Welt verändern kannst."

Deutschland genießt einen guten Ruf

Dass ein Politiker aus Deutschland den Weg hierher findet, freut auch Kristine Hambrouk. Sie arbeitet für das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen.

"Ich denke, jedes Interesse an Äthiopien ist sehr wichtig und Deutschland ist ein wichtiger Geldgeber für uns, ein Land, das gezeigt hat, dass es sehr interessiert ist, nicht nur an den Flüchtlingen hier im Camp, sondern am ganzen Prozess um dauerhafte Lösungen." Kristine Hambrouk, UNHCR

Hambrouk betont aber auch, dass die abgeschiedene Lage des Camps bewusst gewählt ist. Die Campbewohner gehören mehrheitlich einer Ethnie aus dem Südsudan an. Sie sind also unter sich. Konflikte mit anderen Ethnien können so vermieden werden. "Das ist der Grund, warum das Lager nicht in der Stadt liegt. So war es möglich, so ein großes Camp einzurichten."

Söders Botschaft nach zuhause

Markus Söder will mit seinem Besuch ein Signal an die Flüchtlinge, die Helfer und die äthiopische Regierung senden, aber vor allem auch an die Wähler und seine Partei zuhause in Deutschland. Seine Botschaft: Wer Flüchtlingen hier hilft, der legt Steuergeld gut an: "Wenn man Entwicklungspolitik aktiv betreibt, kann man mehr für sein Land erreichen, als wenn man zu lange die Augen verschließt", sagt Söder und betont, dass man mit wenig Geld relativ viel bewegen könne. Auch das ist eine Botschaft nach Bayern und ein bisschen auch an die Grünen, die Söder vorhielten, dass er zu wenig gegen die Fluchtursachen unternehme und deswegen nicht an der Reise teilnehmen.