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Söder taktiert in der K-Frage - und bleibt in der Deckung | BR24

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Auf eine mögliche Kanzlerkandidatur angesprochen betont CSU-Chef Söder vor einer CSU-Vorstandssitzung noch einmal, dass er seinen Platz in Bayern sieht.

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Söder taktiert in der K-Frage - und bleibt in der Deckung

CSU-Chef Söder gibt in der Debatte über den Unions-Kanzlerkandidaten Rätsel auf: Er schiebt Spekulationen kräftig an, um gleich darauf auf die Bremse zu treten. Er betont, sein Platz sei in Bayern, sendet aber mehrdeutige Signale. Eine Analyse.

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Markus Söder wäscht seine Hände in Unschuld. "Ich führe die Debatte ja nicht", sagt der CSU-Chef am Vormittag in München, als er auf einen möglichen Unions-Kanzlerkandidaten Söder angesprochen wird. "Es wird ja ständig über mich geredet und zwar von allen." Doch es sei jetzt nicht die Zeit, um über Kandidaturen Einzelner zu reden: "Jetzt ist nach wie vor die absolut oberste Aufgabe und hat Priorität, dass wir uns um das Wohl Vieler kümmern und nicht die Karriere Einzelner."

So unschuldig, wie sich Söder gibt, ist der bayerische Ministerpräsident freilich nicht daran, dass die Debatte über den Kanzlerkandidaten der Union neuen Schwung bekommen hat. Im Gegenteil: Er hat dazu den maßgeblichen Anstoß gegeben. Im Interview mit dem "Tagesspiegel" hatte Söder am Wochenende betont, dass sich ein Kanzlerkandidat zuvor in der Corona-Krise bewährt haben müsse: "Nur wer Krisen meistert, wer die Pflicht kann, der kann auch bei der Kür glänzen."

Meint Söder sich selbst?

Landauf landab werteten politische Beobachter und Kommentatoren dieses Interview als Seitenhieb auf alle drei Bewerber für den CDU-Vorsitz. Denn Friedrich Merz und Norbert Röttgen haben kein Amt inne, in dem sie als Corona-Krisenmanager hätten glänzen können. Und dass Söder vom Lockerungskurs seines nordrhein-westfälischen Amtskollegen Armin Laschet nicht allzu viel hält, gilt als Allgemeinplatz.

So sehen die einen in Söders Aussage ein indirektes Plädoyer dafür, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Teamlösung mit Laschet aufkündigen und selbst nach Spitzenämtern greifen sollte. Die anderen analysierten die Äußerung als Söder-Empfehlung für Söder. Der Publizist und ehemalige Wahlkampfberater von Edmund Stoiber (CSU), Michael Spreng, sagte dem Deutschlandfunk, Söder habe "im Grunde den Kreis der Kanzlerkandidaten auf einen eingeschränkt, nämlich sich".

Söder lobt Laschet und Spahn

Wer gehofft hatte, Söder würde bei seinem Statement vor der CSU-Vorstandssitzung etwas mehr Licht ins Dunkel bringen, wurde enttäuscht. So sehr der CSU-Chef die Diskussion am Wochenende angefacht hatte, so sehr bemühte er sich am Montag, kein weiteres Öl ins Feuer zu gießen. "Wir führen jetzt keine Personaldebatten", versicherte er. Es gebe einen klaren Fahrplan, "und den wollen wir einhalten".

Was genau er mit seiner Interview-Aussage gemeint hatte, erklärt Söder nicht. Stattdessen sagt er, nebulöse Sätze wie: "Bislang haben sich alle in der Krise bewährt, ganz Deutschland hat sich in der Krise bewährt". Er lobt alle Bewerber für den CDU-Vorsitz als "ganz überzeugende Persönlichkeiten", als "Top-Kandidaten". Und er attestiert Laschet, dass er es in NRW "von außen betrachtet sehr sehr stabil und sehr stringent gemacht" habe. Explizit Lob gibt es von Söder auch für den Bundesgesundheitsminister. Spahn gehöre sicherlich zu den "großen Hoffnungsträgern, die die CDU hat", betont der CSU-Chef und fügt salomonisch hinzu: "Aber die CDU hat viele Hoffnungsträger."

Röttgen sieht keinen Führungsanspruch der CDU

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte am Sonntag im ARD-"Sommerinterview" betont, die Menschen hätten gegenwärtig andere Sorgen als die Frage, wer im nächsten Jahr Spitzenkandidat der Union werde. Auch ihre zahlreichen Begegnungen in der Partei zeigten, dass die Kanzlerkandidatur derzeit "wirklich kein großes Thema" sei. "Das kann es möglicherweise im Herbst werden, aber jetzt im Sommer kümmern wir uns um andere Dinge", stellte Kramp-Karrenbauer klar. Wer auch immer dann CDU-Vorsitzender werde, habe "natürlich auch das Thema Kanzlerkandidatur vor Augen".

Mit Norbert Röttgen ließ vergangene Woche allerdings einer der drei Bewerber in einem "F.A.Z."-Interview schon durchblicken, dass er als CDU-Chef mit einem Kanzlerkandidaten Söder leben könnte. Der ARD sagte er dazu: "Wir sind zwei Parteien, wir sind gleichrangig, es gibt da keinen Führungsanspruch oder Hierarchie." Darum dürfe auch die CSU Anspruch auf die Kanzlerkandidatur anmelden, und dann müsse man sich verständigen.

Auch Merz und Laschet geben in diesen Tagen fleißig Interviews. Laschet beispielsweise stichelte im "Donaukurier" gegen Röttgen und Merz, als er zum CDU-Vorsitz sagte: "Es ist sicherlich von Vorteil, schon mal eine Wahl gewonnen zu haben und Erfahrung im Regieren eines Landes mit 18 Millionen Einwohnern zu haben". Merz betonte in der "Augsburger Allgemeinen" mit Blick auf Spekulationen über eine Kanzlerkandidatur Söders: "Er hat mehrfach gesagt, dass sein Platz in Bayern ist."

Spreng: Söder lässt sich die Optionen offen

Dass sein Platz "natürlich immer" in Bayern sei, versicherte Söder auch am Montag wieder - auf die Frage, ob er eine Kanzlerkandidatur anstrebe. Ein explizites Nein ist das nicht. Wäre Söder auch in einer Doppelfunktion als Kanzler und CSU-Chef nicht noch ein Stück weit in Bayern? Sein Büro in der CSU-Zentrale in München würde er ja behalten. Fest steht: Söder verfolgt Ziele, über die er im Moment noch nicht offen spricht. Denn dass einem Medienprofi wie Söder im Interview mit einer Hauptstadtzeitung ein unbedachter Satz herausgerutscht sein könnte, darf getrost ausgeschlossen werden.

Politikberater Spreng weist darauf hin, dass sich Söder "natürlich am längsten bedeckt halten" müsse, solange die Entscheidung über den CDU-Vorsitz ausstehe. "Er kann vorher nicht aus der Deckung kommen und er lässt sich die Optionen offen", sagte der Publizist. "Im Augenblick ist er eindeutig der populärste, beliebteste und führungsstärkste Mann in dieser Gruppe, und mit diesem Pfund kann er noch wuchern, wenn sich bei der CDU die Fronten geklärt haben."

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