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© Edit Inotai/ ARD-Studio Wien
Bildrechte: Edit Inotai/ ARD-Studio Wien

Gedenksteine für die Opfer der Corona-Pandemie in Ungarn auf der Margareteninsel in Budapest

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    So trauert die Welt um die Opfer der Corona-Pandemie

    Über drei Millionen Menschen sind weltweit seit Ausbruch der Pandemie im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Ein Blick auf andere Länder zeigt, wie unterschiedlich Menschen Abschied nehmen - trotz der momentan nötigen Einschränkungen.

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    Von
    • Judith Schacht
    • Peter Mücke
    • Christina Nagel
    • Thomas Spickhofen
    • Edith Inotai

    79.914 Tote allein in Deutschland - die Corona-Pandemie hat viele Opfer gekostet und viel Leid verursacht. In einer Gedenkveranstaltung am Sonntag versicherte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Hinterbliebenen, dass sie in ihrem Schmerz nicht allein seien.

    Weltweit sind inzwischen mehr als drei Millionen Menschen. Dabei gibt es viele verschiedene Formen der Trauer - ein Überblick.

    Ungarn: Fast 25.000 Steine für die Covid-Opfer

    In Ungarn sind bisher fast 25.000 Menschen am Coronavirus gestorben. Ihnen soll jeweils mit einem faustgroßen Stein gedacht werden. Diese Idee hat das Team um Piroska Visi initiiert. Laut der 45-Jährigen sollen die niedergelegten Steine dem Vergessen der Toten entgegenwirken. Auf jeden Stein schreiben Piroska Visi und ihre Helfer, um das wievielte Opfer in Ungarn es sich handelt und das Alter der Person.

    "Heute habe ich einen Stein für eine 21-Jährige geschrieben: 'Mein ältester Sohn ist 21. Es hat mir im Herzen weh getan'", erzählt Piroska Visi. Acht Tonnen Material hat ihr Team bereits bearbeitet, das sind über 24.000 Gedenksteine. Die beschrifteten Steine liegen als meterlange Kette auf der Margareteninsel in Budapest, gut sichtbar für alle Passanten und Spaziergänger. Ein wichtiges Zeichen auch deshalb, weil in den regierungsnahen Medien Ungarns die Opfer der Pandemie kaum erwähnt werden.

    (Edit Inotai/ Studio Wien)

    Großbritannien: Rote Herzen an einer Mauer

    Direkt an der Themse in London kann man die Mauer, bemalt mit tausenden roter Herzen, sehen: die "National Covid Memorial Wall", zu deutsch etwa Covid-Erinnerungs-Mauer. Die Angehörigen von Pandemie-Opfern können hier mit einem Herz gedenken. Ins Leben gerufen wurde die Aktion von einer Art Selbsthilfeorganisation.

    Rund ein Kilometer der Mauer ist bislang bemalt. Am Ende soll hier für jeden durch die Pandemie Verstorbenen ein Herz stehen. Das Vereinigte Königreich hat, gemessen an der Gesamtbevölkerung, eine der höchsten Todesraten in der ganzen Welt. 126.000 Tote durch Covid-19 zählt die offizielle Statistik der britischen Regierung.

    (Thomas Spickhofen/ Studio London)

    © Thomas Spickhofen/ ARD-Studio London
    Bildrechte: Thomas Spickhofen/ ARD-Studio London

    Angehörige von Corona-Opfer bemalen in London eine Betonwand mit Herzen.

    Argentinien: Tattoos für die Trauernden

    "Ich bin mit Dir" nennt der Argentinier Marcos del Fiore sein Corona-Tattoo. Das Herz mit einer Maske trägt der Tattoo-Künstler auf seinem linken Arm. Er hat es entworfen und sich stechen lassen, um seinem Vater die letzte Ehre zu erweisen. Marcos Vater starb Mitte 2020 im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion. Das Tattoo soll aber nicht nur an die Verstorbenen erinnern, sondern auch den Hinterbliebenen helfen.

    Das Tattoo macht die Trauernden sichtbar und aufeinander aufmerksam, damit sie sich gegenseitig unterstützen können. "Die Kampagne 'Ich bin mit Dir' soll Solidarität zwischen den Angehörigen erzeugen. Die Botschaft: 'Wir halten zusammen'", erklärt Marcos seine Idee. Das Herz mit Maske sticht der Tattoo-Künstler seinen Kunden gratis.

    Carlos Centurión, der ebenfalls seinen Vater an das Coronavirus verloren hat, ist deshalb in Marcos Laden gekommen. "Mit diesem Tattoo sind wir Opfer gezeichnet. Wenn ich jemanden, mit dem gleichen Tattoo treffe, wissen wir beide, was es bedeutet", erklärt er. Seit Beginn der Pandemie hat Marcos 150 seiner Corona-Tattoos gestochen. Über Social Media hat sich das Bild von Marcos "Ich bin mit dir"-Tattoo verbreitet und verbindet so auch digital die trauernden Hinterbliebenen.

    (Matthias Ebert/ Studio Rio de Janeiro)

    Moskau: Die Namen der verstorbenen Helfer im Netz

    "Evgenia (61 Jahre, Kinderärztin), Alexander (42 Jahre, Sanitäter), Albina (27 Jahre, Krankenschwester), …" Über 1.350 Namen stehen auf der Erinnerungsliste, zu lesen auf einer schlichten russischen Website im Internet. Die Namen gehören russischen Männern und Frauen, die sich in Kliniken, Arztpraxen und Rettungsdiensten um Covid-19-Patienten kümmerten, sich dabei selbst infizierten und am Virus starben.

    Oft ist das Social-Media-Profil der verstorbenen Person verlinkt: Jeder kann das Gesicht der Person sehen und sie zumindest ein wenig kennenlernen. Die Macher der digitalen Trauerliste wollen zeigen, dass hinter den offiziellen Zahlen Einzelschicksale stehen. Denn über die Toten von Corona wird in Russland öffentlich nicht viel gesprochen. Im Fokus stehen die Zahl der Neuinfizierten, die der Genesenen und der Geimpften. Eine große offizielle Gedenkfeier oder eine Geste des russischen Präsidenten mit Blick auf Toten, die die Pandemie in Russland gefordert hat, ist kaum vorstellbar.

    (Christina Nagel/ Studio Moskau)

    New York: Die Gesichter der Corona-Opfer auf der Brooklyn Bridge

    "Was sie geschaffen haben, besteht weiter, was sie beigetragen haben, die Liebe, die sie gegeben haben, überdauern." Mit diesen Worten gedachte New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio bei einer Zeremonie im März 2021 den Corona-Toten der Metropole. Und das sind erschreckend viele. Über 30.000 New Yorker starben seit Ausbruch der Pandemie. Ohne Publikum und bei Dunkelheit wurden die Fotos von den Verstorbenen auf die Pfeiler der berühmten Brooklyn Bridge projiziert, musikalisch begleitet von den Blechbläsern der New Yorker Philharmonie. Vertreter der großen Religionsgemeinschaften sprachen und beteten an dem Abend.

    In der Krise möchte die Metropole ihren Zusammenhalt unterstreichen - unabhängig von Herkunft und Glaube. Opfer von Corona sind sie alle. Zwar wacht New York langsam wieder auf, aber auch hier steigt die Zahl der Toten weiterhin. Aktuell geht man offiziell bereits von über 32.000 Todesfällen aus. Immerhin hat mittlerweile die Hälfte aller New Yorker mindestens die erste Impfung erhalten.

    (Peter Mücke/ Studio New York)

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