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In Deutschland und anderen Ländern Europas ist der erste Impfstoff gegen Covid-19 ausgeliefert worden. Rund ein Jahr nach dem Ausbruch sollen die Impfungen morgen beginnen, nicht nur in Deutschland, sondern allen EU-Staaten.

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So sieht die Corona-Impfstrategie in anderen Ländern aus

Der Corona-Impfstoff wird derzeit in viele Länder ausgeliefert. Doch während etwa in Israel schon geimpft wird, kann es in Italien noch bis Mitte Januar dauern. In Teilen Österreichs wird über eine Impfpflicht nachgedacht.

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Von
  • Tim Aßmann
  • Dietrich Karl Mäurer
  • Lisa Weiß
  • Andrea Beer
  • BR24 Redaktion

Österreich: Diskussion über Impfpflicht

Seit diesem Montag gibt es in Österreich eine Info-Hotline, die rund um die Uhr Fragen zur Impfung gegen das Coronavirus beantwortet. Im Frühling hätten alle von einer Impfung gegen Covid-19 geträumt, jetzt steht sie vor der Tür und das gebe allen Hoffnung, erklärte Rudolf Anschober, der grüne Bundesgesundheitsminister.

Eine Einschätzung, die in Österreich jedoch nicht alle teilen. Für eine Umfrage wurden 1.000 Menschen über 16 Jahren befragt und Mitte Dezember waren 49 Prozent der Menschen in Österreich bereit, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Das waren weniger als rund drei Wochen zuvor, als sich noch 56 Prozent impfen lassen wollten.

Die türkis-grüne Bundesregierung lehnt eine Impfpflicht ab, doch in den Ländern Steiermark und Oberösterreich wird diese zumindest erwogen. Hintergrund der Debatte sind auch die schleppend verlaufenen kostenfreien Massentests kürzlich in Österreich, an denen weit weniger Menschen teilnahmen als erhofft.

Die Oppositionsparteien im österreichischen Nationalrat lehnen eine Impfpflicht ab. SPÖ-Chefin Pamela Rendi Wagner sagte, entscheidend sei das Vertrauen der Bevölkerung in die Wirksamkeit. Die liberalen Neos fordern eine "nationale Impfallianz", um für das Impfen zu werben. Die rechte FPÖ habe eine online Petition gegen Impfzwang gestartet. Jeder vierte Bewohner in Österreich ist laut Gallup zwar der Meinung, dass fremde Mächte das Coronavirus verbreitet hätten, doch strikte Corona – Leugner Demonstrationen wie in Deutschland gibt es in Österreich viel weniger.

Andrea Beer, Wien

Italien: Bisher kein nationaler Impfplan

In Italien ist die Impfbereitschaft relativ hoch: Mehrere kürzlich durchgeführte Umfragen haben ergeben, dass sich etwa acht von zehn Italienern impfen lassen wollen. Allerdings die meisten nicht sofort, sondern lieber erst in einigen Monaten. Bei der Frage, ob die Impfung verpflichtend sein soll, sind die Meinungen der Befragten geteilt.

Wenig überraschend sind die Italiener aus den Gebieten, die die Pandemie besonders schlimm getroffen hat, besonders positiv gegenüber einer Impfung eingestellt. Geplant ist momentan, dass die Impfungen Mitte Januar beginnen sollen. Klar scheint, dass medizinisches Personal und Menschen in Pflegeheimen Vorrang bei den Impfungen haben sollen.

Einen nationalen Impfplan wie in Deutschland gibt es aber momentan noch nicht. Dafür aber schon einen Slogan für die Impfkampagne, berichten italienische Medien: "L’Italia rinasce con un fiore – Italien wird mit einer Blume wiedergeboren." Das Symbol soll, ganz passend, eine Primel sein.

Lisa Weiß, Rom

Schweiz: Unterdurchschnittliche Impfbereitschaft

In der Schweiz sollte noch vor Weihnachten mit den ersten Impfungen begonnen werden. Am Wochenende wurde der Impfstoff von Biontec/Pfizer regulär zugelassen. Zuvor schon hat man die Impfstrategie festgelegt. Ziel ist es, schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle zu reduzieren, sowie Krankenhäuser zu entlasten. Vorgesehen ist daher, dass besonders gefährdete Personen zuerst geimpft werden sollen. Zu dieser Gruppe gehören Ältere ab 65 und Menschen mit Vorerkrankungen.

Auch Gesundheits- und Betreuungspersonal etwa von Pflegeheimen und Kliniken soll bevorzugt geimpft werden. Gleiches gilt für Personen, die mit alten oder vorerkrankten Menschen in einem Haushalt leben sowie für Bewohnerinnen und Bewohner von Gemeinschaftseinrichtungen, etwa Behindertenheimen, und das dortige Personal. Erst danach soll die Impfung allen anderen Erwachsenen zur Verfügung stehen, sofern sie sich überhaupt impfen lassen wollen. Laut Umfragen liegt die Bereitschaft der Schweizer Bevölkerung dazu unter dem internationalen Durchschnitt. Eine Impfpflicht ist nicht vorgesehen. Kinder, Jugendliche und Schwangere tauchen in der Schweizer Impfstrategie nicht auf. Zu letzteren gibt es keine Daten, da sie nicht Teil der großangelegten Impfstudien waren. Die Spritzen werden in der Eidgenossenschaft kostenlos sein.

Dietrich Karl Mäurer, Zürich

Israel: 60.000 Impfungen am Tag

Er glaube an diesen Impfstoff und dass das Ende der Pandemie in Sicht sei, erklärte der 71-Jährige Premierminister Benjamin Netanjahu als er live im Fernsehen als erster Israeli den Impfstoff von Biontech-Pfizer injiziert bekam.

Der Regierungschef kündigte die Lieferung von Millionen von Impfdosen noch in diesem Monat an und rief die Bürger auf, sich impfen zu lassen. Auch in Israel gibt es viele Impfskeptiker, vor allem in der Bevölkerungsgruppe der streng-religiösen Juden, die besonders stark von der Pandemie betroffen ist.

60.000 Menschen sollen nun täglich geimpft werden – zunächst Beschäftigte im Gesundheitswesen und in Pflegeeinrichtungen, gefolgt von Risikopatienten und Einwohnern über 60. Geplant ist auch ein spezieller Impfpass, dessen Inhaber dann von verhängten Corona-Einschränkungen ausgenommen werden sollen. Die Regierung hat nach eigenen Angaben bei verschiedenen Herstellern insgesamt für zwölf Millionen Menschen Impfdosen bestellt. Israel hat knapp neun Millionen Einwohner. Während die Impfungen nun anlaufen, steigen die Infektionszahlen im Land und ein dritter Lockdown in Israel wird immer wahrscheinlicher.

Tim Aßmann, Tel Aviv

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