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Bildrechte: dpa

Menschen in der Berliner Reichstagskuppel

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    So entsteht der ARD-Deutschlandtrend

    Annalena Baerbock macht sich Hoffnungen aufs Kanzleramt. Die Grünen stehen in den Umfragen vor der Union. Wie kommen diese Zahlen zustande? Wie zuverlässig sind sie? Lässt sich daraus der Wahlausgang vorhersagen? Hier die wichtigsten Antworten.

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    Von
    • Björn Dake

    Der ARD-Deutschlandtrend gilt als eine der aussagekräftigsten und seriösesten Umfragen zur politischen Stimmung in Deutschland. Die Meinungsforscher von infratest dimap erstellen ihn seit 1997 im Auftrag der ARD und ihrer Landesrundfunkanstalten. Dazu gehört auch der Bayerische Rundfunk. Die Sender finanzieren die Umfragen aus ihren Etats, also vor allem durch Rundfunkbeiträge. Das gewährleistet Unabhängigkeit von politischen oder wirtschaftlichen Interessen.

    Infratest dimap steht für strikte Einhaltung des Datenschutzes und hohe Transparenz. So wird zum Beispiel die genaue Fragestellung und das Studiendesign veröffentlicht.

    Die Umfragen sind repräsentativ. Das bedeutet, die befragten Menschen entsprechen der Zusammensetzung der Gesamtbevölkerung - etwa was Alter und Geschlecht betrifft. Da beispielsweise gut 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland leben, sollte ihr Anteil in der Stichprobe entsprechend sein.

    Aus dieser Stichprobe lässt sich also auf die Gesamtbevölkerung schließen – anders als bei Onlineumfragen, bei denen Jede und Jeder mitmachen kann.

    Wer wird wie befragt?

    Für den Deutschlandtrend Anfang Mai haben die Meinungsforscher zum Beispiel 1.351 Menschen befragt. 883 Interviews wurden am Telefon geführt (60 Prozent Festnetz, 40 Prozent Mobilfunk), 468 online. So ist gewährleistet, dass alle Teile der Bevölkerung erreicht werden, zum Beispiel Jüngere ohne Festnetzanschluss und Ältere ohne Internetanschluss.

    Um eine Verzerrung der Umfrageergebnisse zu vermeiden, kann sich niemand aktiv für die Befragung anmelden. Die Befragten werden zufällig ausgewählt. Wie infratest dimap auf seiner Internetseite erklärt , greift ein Computer auf eine Liste mit allen theoretisch existierenden Telefonnummern zurück. Daraus wählt er zufällig Nummern an.

    Die Online-Teilnehmer der Umfrage werden aus etwa 150.000 Personen des sogenannten "Payback Online Panels" per Zufall ausgewählt. Es handelt sich dabei um Teilnehmer des Kundenbindungsprogramms Payback, bei dem ungefähr 25 Millionen Verbraucher angemeldet sind.

    Die Umfrage ist anonym. Die Antworten der Befragten und ihre Telefonnummer oder personenbezogene Daten des Online-Panels werden getrennt gespeichert. Eine Rückverfolgung einzelner Antworten ist laut infratest dimap nicht möglich.

    Wie zuverlässig sind die Daten?

    Keine Umfrage ist perfekt. Bei einer Befragung mit 1.000 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten beträgt die statistische Unsicherheit 2 bis 3 Prozentpunkte.

    Ein Beispiel: Sagen 50 Prozent der Befragten, dass sie mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden sind, liegt dieser Wert sehr wahrscheinlich zwischen 47 und 53 Prozent. Diese Schwankungsbreite wird beim ARD-Deutschlandtrend mitangegeben.

    Um Verzerrungen zu vermeiden, gewichten Meinungsforscher ihre Daten aus ihrer langjährigen Erfahrung. Frauen verweigern zum Beispiel häufiger die Teilnahme an Umfragen als Männer.

    Lässt sich aus den Umfragen ein Wahlergebnis vorhersagen?

    Nein, eine Umfrage ist keine Prognose. Die Sonntagsfrage im ARD-Deutschlandtrend ("Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre?") misst aktuelle Wahlneigungen zum Zeitpunkt der Befragung. Bis zum tatsächlichen Wahltag kann sich diese Entscheidung ändern.

    Meinungsforscher stellen fest, dass sich traditionelle Parteibindungen lösen und sich immer mehr Wählerinnen und Wähler erst kurzfristig vor einer Wahl festlegen. Parteien versuchen, unentschlossene und taktische Wähler daher in der letzten Phase des Wahlkampfes gezielt anzusprechen. In diesem Jahr könnte es aber anders laufen. Denn durch die Corona-Pandemie dürften noch mehr Menschen per Brief abstimmen – möglicherweise schon Wochen vor dem eigentlichen Wahltermin.

    Außerdem basiert jede Meinungsumfrage auf den Selbstauskünften der Befragten. Es ist also denkbar, dass Teilnehmer der Umfrage dem Interviewer ihre wahre Parteipräferenz verheimlichen und etwas anderes antworten.

    Wie unterscheiden sich Umfragen von Prognosen und Hochrechnungen am Wahltag?

    Die berühmte 18 Uhr-Prognose ist im Gegensatz zu einer Umfrage vor der Wahl eine Nachwahlumfrage, teilweise wird der englische Begriff "Exit-Poll" benutzt. Infratest dimap schickt dafür Interviewer in 624 Wahlbezirke in ganz Deutschland. Diese Interviewer sprechen Wählerinnen und Wähler nach Verlassen des Wahlraumes an und bitten sie, einen Fragebogen auszufüllen.

    Die Menschen werden dabei gefragt, wen sie gerade gewählt haben. Außerdem werden Alter und Geschlecht erfragt. Ein Teil der Befragten füllt einen längeren Fragebogen aus, in dem zum Beispiel danach gefragt wird, welche Gründe zu der Wahlentscheidung geführt haben.

    Aus diesen Befragungen am Wahltag entsteht die 18 Uhr-Prognose. Die Hochrechnungen danach beinhalten mehr und mehr Wahlergebnisse, die von den Wahlvorständen vor Ort bekannt gegeben werden.

    Beeinflussen Umfragen die Wählerinnen und Wähler?

    Die Vermutung liegt nah, dass taktische Wähler ihre Entscheidung an Umfragen orientieren. Ein Beispiel: Vor der Bundestagswahl 2013 lag die FDP in Umfragen stabil zwischen 5 und 6 Prozent. Der Wiedereinzug ins Parlament schien vielen potenziellen Wählern sicher, so dass sie sich für eine andere Partei entschieden oder nicht abstimmten. Das Ergebnis: Mit 4,8 Prozent verpasste die FDP den Einzug in den Bundestag.

    Um eine Beeinflussung zu vermeiden, veröffentlichen ARD und infratest dimap ihre letzte Vorwahlumfrage in der Regel zehn Tage vor dem Wahltag.

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