Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

20 Jahre Donum Vitae - Beratung ohne päpstlichen Segen | BR24

© BR

Vor 20 Jahren gründeten Katholiken den Verein Donum Vitae, der Schwangere in Konflikten unterstützt - eine Reaktion darauf, dass Papst Johannes Paul II. den kirchlichen Schwangerenberatungsstellen verboten hatte, den "Beratungsschein" auszustellen.

1
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

20 Jahre Donum Vitae - Beratung ohne päpstlichen Segen

Vor 20 Jahren gründeten Katholiken den Verein Donum Vitae, der Schwangere in Konflikten unterstützt - eine Reaktion darauf, dass Papst Johannes Paul II. den kirchlichen Schwangerenberatungsstellen verboten hatte, den "Beratungsschein" auszustellen.

1
Per Mail sharen
Teilen

20 Jahre sind inzwischen vergangen, seit Papst Johannes Paul II. im Jahr 1999 kirchlichen Schwangerenberatungsstellen verbot, den sogenannten Beratungsschein auszustellen, der eine straffreie Abtreibung ermöglicht. Und in dieser Woche ist es auch 20 Jahre her, dass katholische Laien einen eigenen Verein gründeten: Donum Vitae.

200 Mitarbeiter bei Donum Vitae in Bayern

In den Beratungsstellen in Bayern arbeiten mittlerweile gut 200 Mitarbeiterinnen. Sie beraten Schwangere in Konfliktsituationen, unterstützen aber auch bei unerfülltem Kinderwunsch, bei Fragen zur Pränataldiagnostik oder ganz allgemein rund um Schwangerschaft und Eltern-Dasein. In der Gesellschaft ist der Verein inzwischen durchaus anerkannt, das Verhältnis zur katholischen Kirche aber ist weiterhin schwierig.

Doris Schiller führt durch die Beratungsstelle von Donum Vitae in Regensburg. Angefangen hat sie einst mit vier Mitarbeitern, inzwischen beraten dort 15 Frauen und Männer etwa 2.000 Menschen im Jahr: werdende oder frisch gebackene Eltern, ungewollt Schwangere und Eltern, die sich vom Kind oder vom Kinderwunsch verabschieden müssen.

Kirchen-Vorwurf: Ausstellung von "Tötungslizenzen"

In den 20 Jahren seit der Vereinsgründung wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehrfach von der katholischen Kirche angegriffen, erinnert sich die bayerische Landesvorsitzende und Regensburger Theologieprofessorin Sabine Demel:

"Was ist uns nicht alles vorgeworfen worden: Ungehorsam gegenüber dem Papst. Das böse Wort von den Tötungslizenzen, die wir ausstellen, kursierte und uns wurde oft auch auf verletzende Art die Kirchlichkeit und das Katholischsein abgesprochen." Sabine Demel

Papst Johannes Paul II. will keinen Beratungsschein

Grund für die Vorwürfe war und ist das, was zur Gründung des Vereins geführt hatte: Am 3. Juni 1999 schickte Papst Johannes Paul II. ein Schreiben an die deutschen Bischöfe, in dem er katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen das verbietet, was sie zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Jahre lang getan hatten - den Beratungsschein auszustellen, der eine straffreie Abtreibung eines Kindes in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten ermöglicht.

Mit der Lehre der katholischen Kirche sei das unvereinbar, so die Begründung. Für Beraterinnen wie Doris Schiller aber ist klar, "dass Frauen, die sich im Schwangerschaftskonflikt befinden, sich sehr schwer tun werden, zu einer Stelle zu gehen, von der sie wissen, dass es den Beratungsschein dort nicht gibt."

Vatikan: Donum Vitae steht außerhalb der Kirche

Ergebnisoffenheit sieht anders aus, finden einige katholische Laien und gründen deshalb am 24. September 1999 den katholischen Verein Donum Vitae, zu Deutsch "Geschenk des Lebens". Der oberste Vertreter der katholischen Laien, der damalige Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, ruft zu der Initiative auf.

Der Vatikan und die deutschen Bischöfe aber sind anderer Meinung. Der von Katholiken gegründete Verein stehe außerhalb der katholischen Kirche, stellen sie 2006 fest. Kirchliche Mitarbeiter dürfen sich nicht bei Donum Vitae engagieren. Pfarrer distanzieren sich vom Verein und 2014 – vor dem Katholikentag in Regensburg – wird darüber diskutiert, ob der staatlich anerkannte und bezuschusste Verein an dem Treffen der katholischen Laien überhaupt teilnehmen darf.

Wogen hinter verschlossenen Türen geglättet

Inzwischen ist es nach den Worten der bayerischen Landesvorsitzenden Sabine Demel öffentlich relativ ruhig geworden. Geglättet aber sind die Wogen ihren Worten zufolge nach nur hinter verschlossenen Türen. Im Januar 2018 schrieb der Bischofskonferenzvorsitzende Kardinal Reinhard Marx an den obersten Laienvertreter, Thomas Sternberg vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Das sei nicht genug, findet Sabine Demel.

"Wir wünschen uns schon, dass die Bischöfe auch öffentlich zugeben, wovon sie überzeugt sind. Nämlich dass zwischen den Positionen der Kirchenleitung und der Position von Donum Vitae überhaupt kein Unterschied besteht. Und das hieße eben auch, dass wir unsere Arbeit durch Kirchensteuermittel unterstützt bekommen." Sabine Demel

Pfarrer Schießler bei 20-Jahr-Feier dabei

Immerhin: Die 20-Jahr-Feier am 19. Oktober findet in kirchlichen Räumen statt – in der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München. Angekündigt hat sich neben Landtagspräsidentin Ilse Aigner auch ein Vertreter des Klerus, der Münchner Pfarrer und Bestsellerautor Rainer Maria Schießler.