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Smoothie-Hersteller True Fruits in der Kritik | BR24

© Marijan Murat dpa/lsw

Abgefüllte "True Fruits"-Flaschen in der Produktionsstätte in Großaspach.

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    Smoothie-Hersteller True Fruits in der Kritik

    Umstritten ist die provokative Werbestrategie der Fruchtsaft-Produzenten schon länger, jetzt forderten etliche Nutzer aufgrund einer neuen Anzeige zum Boykott auf. Die Firma veröffentlichte daraufhin eine aufschlussreiche Stellungnahme.

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    Die deutsche Firma "True Fruits" sieht sich in diesem Jahr bereits mit dem zweiten Aufbäumen gegen sie konfrontiert, weil ihre Marketingstrategie von vielen als anstößig empfunden wird.

    Anlass für den aktuellen Protest ist die Präsentation einer neuen Smoothie-Sorte. Ein Pfirsich-Maracuja-Püree, das unter dem Namen "Sun Creamie" verkauft werden soll, erinnert in der Aufmachung stark an eine bekannte deutsche Sonnencreme-Flasche. Der Saftname beinhaltet aber nicht nur einen Verweis auf das englische Wort für Sonnencreme, "Sun Cream", sondern auch eine sexuelle Anspielung. Auf der Instagram-Seite veröffentlichte die Firma nun Werbung für diese neue Sorte. Auf einem Anzeigenmotiv sieht man eine junge, attraktive Frau im Bikini, auf deren Rücken ein Penis mit Sonnencreme gemalt ist. Die Bildunterschrift lautet: "Sommer, wann feierst Du endlich Dein Cumback?" - ebenfalls mit einer sexuellen Konnotation.

    Mehr als 3.000 Kommentare

    Dass die Anzeige als anstößlich oder unpassend empfunden werden könnte, ahnte die Firma. Denn als Kleingedrucktes steht unter dem Anzeigenfoto: "Achtung: Diese Werbung könnte von dummen Menschen missverstanden werden."

    Tatsächlich regten sich etliche Internetnutzer über das Motiv auf, weil sie es als sexistisch und geschmacklos empfinden. Sie kommentierten die Kampagne etwa mit "Provozieren um jeden Preis könnt ihr ja gut. Ekelhaft", "Also das geht ja wohl gar nicht! Das ist Sexismus vom Feinsten" oder "Und dann noch jede/n, der nicht mit euch d'accord geht als dumm bezeichnen". Mehr als 3.000 Kommentare sammelten sich darunter, gefolgt von Boykott-Aufrufen vieler Social-Media-Nutzer.

    Kurz darauf veröffentlichte die Firma das Anzeigenmotiv noch einmal, diesmal mit einer Bildunterschrift, die erneut etliche Wortspiele enthielt und die Aktion wenig glaubwürdig dem 13-jährigen Praktikanten in die Schuhe schob. Nach einem weiteren Posting, das nicht viel mehr als das Wortspiel "Sonne Aufregung" beinhaltete, sah sich die Firma nun doch gezwungen, ausführlicher auf die Vorwürfe zu reagieren.

    In einer Stellungnahme redet "True Fruits" das Problem klein: "Leute malen nun mal mit Sonnencreme Penisse auf Rücken. Auf Männerrücken wie auch auf Frauenrücken. Na und?" und "Man muss es nicht mögen oder kann es vorpubertär, vulgär oder kindisch finden aber sexistisch?" Sexistisch sei die Werbung "auf keinen Fall".

    Beschmierte Firmenzentrale

    Erst im Februar dieses Jahres hatte der Fruchtsaft-Hersteller einen Smoothie in einer schwarzen Flasche vom Markt genommen, nachdem eine Plakatkampagne von vielen als deutlich rassistisch empfunden und deshalb ein Boykott gegen die Firma gestartet wurde. Handelspartner wurden in einer Petition aufgerufen, die Säfte nicht mehr zu verkaufen. In dem Schreiben hieß es: "Das Marketingkonzept basiert auf der Herabwürdigung und rassistischen, sexistischen, behinderten- und frauenfeindlichen" Diskriminierung (...) von marginalisierten Menschengruppen." Die Fassade der Firmenzentrale wurde mit Beschimpfungen beschmiert. Schärfe kam in die Debatte, seit die Firma Kritiker als "Dumme" bezeichnete.

    Die in Nordrhein-Westfalen beheimatete Firma "True Fruits" wurde 2006 gegründet und 2009 mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet.