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SIPRI-Jahrbuch: Weniger, aber "wirksamere" Atomwaffen | BR24

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Die Zahl der Atomwaffen ist weltweit weiter zurückgegangen. So steht es im Jahresbericht des Friedensforschungsinstituts SIPRI. Gleichzeitig modernisieren die Nuklearmächte aber ihre Arsenale.

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SIPRI-Jahrbuch: Weniger, aber "wirksamere" Atomwaffen

Die Zahl der Atomwaffen ist weltweit weiter zurückgegangen. So steht es im Jahresbericht des Friedensforschungsinstituts SIPRI. Gleichzeitig modernisieren die Nuklearmächte aber ihre Arsenale.

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Es gibt zwar deutlich weniger Atomwaffen in der Welt als noch vor vierzig Jahren, aber immer höher entwickelte und deshalb bleibe die Gefahr sehr groß, so die SIPRI-Experten. Die Stockholmer Friedensforscher sehen trotz erheblicher Abrüstungserfolge in den vergangenen Jahrzehnten keinen Grund auch nur zur leisesten Entwarnung.

Die Sprengköpfe werden weniger

Es gebe eben nicht nur gute, sondern auch schlechte Nachrichten, so Institutsdirektor Dan Smith: "Die gute Nachricht ist, dass die Zahl der nuklearen Sprengköpfe weltweit gesunken ist", sagt er.

"Damit setzt sich ein Trend fort. Es gibt aktuell etwa 13.800 verglichen mit 65.000 Mitte der 1980er Jahre zum Höhepunkt des Kalten Krieges. Die schlechte Nachricht ist aber, dass alle Atommächte dabei sind, ihre Arsenale modernisieren." Dan Smith, SIPRI-Direktor

Laut SIPRI-Jahrbuch hatten neun Nuklearmächte im Januar zusammen genau 13.865 Sprengköpfe, im Januar 2018 waren es noch 14.465. Aktuell also nur ein leichter Rückgang.

"Die nukleare Abrüstung ist hauptsächlich das Ergebnis des sogenannten 'New START'-Vertrages zwischen Russland und den USA. Aber der läuft 2021 aus und die beunruhigende Frage ist, wird er erneuert? Bis jetzt reden sie nicht einmal darüber." Dan Smith, SIPRI-Direktor

Risiko eines versehentlichen Einsatzes bleibt

Allein diese beiden Staaten besitzen etwa 90 Prozent aller Nuklearwaffen: Russland geschätzt knapp 6.500, die USA knapp 6.200. Dann kommen Frankreich mit etwa 300, China mit 290, Großbritannien mit 200, Indien mit knapp 150 und Pakistan mit gut 150 Sprengköpfen, schließlich Israel mit 80 bis 90 und Nordkorea mit höchstens 30.

Gemeinsam ist allen, dass sie versuchen, ihre Waffensysteme weiterzuentwickeln. "Wenn alle neun das tun, dann bedeutet es, dass es auf absehbare Zukunft Atomwaffen, vielleicht einmal auch wieder neue Atomwaffen geben wird", so Smith. "Solange es diese Waffen aber gibt, gibt es auch das Risiko des versehentlichen Einsatzes. In der Vergangenheit waren wir ein paar Mal nahe dran."

Die größte Gefahr: Indien und Pakistan

Und in der Gegenwart? Da sehen die Friedensforscher im Dauerkonflikt zwischen Indien und Pakistan die größte Gefahr auch einer nuklearen Eskalation, weniger in Korea. Allerdings ist es nach Smiths Meinung unwahrscheinlich, dass der Norden auf seine Atomwaffen verzichten wird ohne die nukleare Demilitarisierung auch des Südens, der zusammen mit den USA allerdings die einseitige Abrüstung Nordkoreas verlangt.

Auch der Iran-Konflikt gilt als brisant. Die USA sind im vergangenen Jahr aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen. Teheran droht zumindest indirekt damit, das auch zu tun, was den Iran laut Smith aber nicht unmittelbar zur nuklearen Bedrohung für gesamte Region macht.

"Während es dort in großem Umfang die Technologie und das Wissen gibt, sind sie dennoch einige Jahre von einer eigenen Atomwaffe entfernt, selbst wenn auch sie aus dem Iran-Abkommen aussteigen sollten." Dan Smith, SIPRI-Direktor