BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Alexander Loos/BR
Bildrechte: Alexander Loos/BR

Junges Kalb hinter Zaun

Per Mail sharen

    Sinnvoller Eingriff oder Tierquälerei?

    Die meisten Kühe werden kurz nach der Geburt enthornt. In der Schweiz wird nun darüber abgestimmt, ob es Geld für Landwirte geben soll, die darauf verzichten. Auch in Deutschland gibt es Befürworter und Gegner. Von Alexander Loos

    Per Mail sharen

    Das Verfahren zum Enthornen von Kälbern klingt martialisch: Mit einem heißen Eisenring drückt der Landwirt auf die Stellen am Kopf des Kalbs, wo sich später die Hörner ausbilden sollten. Das Tierschutzgesetz sieht vor, dass die Tiere vor der Prozedur betäubt werden müssen. „Jeder Zahnarztbesuch ist schlimmer“, beteuert Landwirt Simon Sedlmair aus Schwabhausen. Er hält auf seinem Hof rund 500 Kühe, sie alle sind enthornt. Bis zum sechsten Lebensmonat dürfen Kälber vom Landwirt selbst enthornt werden, ohne Beisein eines Tierarztes, der kontrolliert, ob der Vorgang fachgerecht durchgeführt wird – ein Kritikpunkt der Enthornungs-Gegner.

    Schutz von Mensch und Tier

    Wie viel Sicherheit es mit sich bringt, wenn Kühe enthornt sind, erlebt Simon Sedlmair jeden Tag. Er betreibt einen Laufstall, in dem die Tiere viel Platz haben, auch für Rangkämpfe.

    „Wenn die Tiere aufeinander losgehen, kann es durch die Hörner zu schweren Verletzungen kommen.“ Simon Sedlmair, Landwirt

    Auch der Landwirt selbst setzt sich im Umgang mit behornten Rindern einer großen Gefahr aus, so Sedlmair. Tatsächlich kommen immer wieder Menschen durch Hörner zu Schaden.

    Verdauungsprobleme ohne Hörner?

    Die Gegner des Enthornens sehen den Schaden aber eher bei den Tieren. Der Bio-Verband Demeter spricht etwa davon, dass enthornte Rinder Probleme mit der Verdauung bekämen. „Dafür sind mir keine wissenschaftlichen Belege bekannt“, entgegnet Tierarzt Michael Schmaußer aus Freising. Tatsächlich fehlen belastbare Untersuchungen über die Langzeitfolgen des Enthornens. Auch ob es einen Zusammenhang mit der Milchqualität, wie von den Gegnern behauptet, ist nicht bewiesen.

    Hörner als Kommunikationsmittel

    Einen weiteren Kritikpunkt der Gegner kann Schmaußer aber nachvollziehen: Hörner sind als optische Merkmale für die Kommunikation in Rinderherden wichtig, vor allem für die Festlegung der Rangfolge. Deshalb sei es wichtig, dass es in einer Herde nur behornte oder nur unbehornte Tiere gibt, so Schmaußer: „In einer rein hornlosen Herde können die Tiere ihre Rangfolge dann aber auch ohne Probleme finden.“ Schließlich gebe es inzwischen Züchtungen von hornlosen Rinderrassen, bei denen auch keine Probleme im Sozialverhalten zu erkennen sind.