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Sind die Grünen auf dem Weg zur Volkspartei? | BR24

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Grünen-Politiker Katharina Schulze, Ludwig Hartmann und Robert Habeck

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Sind die Grünen auf dem Weg zur Volkspartei?

Zweitstärkste Kraft, in München vor der CSU ins Ziel gegangen, sechs Direktmandate geholt: Die Grünen haben bei der Landtagswahl in Bayern ein Rekordergebnis eingefahren. Sind sie aber deshalb schon eine "Volkspartei"?

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Wer nach dieser Landtagswahl auf die Stimmkreiskarte schaut, sieht zwei grüne Inseln im schwarzen Meer. Das sind die Direktmandate, die die Grünen in München und Würzburg gewonnen haben. In der Landeshauptstadt ist die Partei sogar an der CSU vorbeigezogen und stärkste Kraft geworden. Aber nicht nur in Großstädten legen die Grünen zu – darauf weist Spitzenkandidatin Katharina Schulze hin.

Zugewinne auch auf dem Land

Die Grünen seien auch auf dem Land "durchgängig stark", so Schulze. Tatsächlich verzeichnet die Partei im Vergleich zur vorangegangenen Landtagswahl sowohl in ländlichen Gemeinden als auch in Großstädten Zuwächse. Und noch etwas kommt hinzu: Die Grünen haben diesmal in großem Umfang Stimmen eingesammelt, die vor fünf Jahren noch andere Parteien für sich verbucht haben. 170.000 kamen unterm Strich von Leuten, die sich 2013 für die CSU entschieden hatten, 200.000 von früheren SPD-Wählern. Und auch ehemalige Nichtwähler konnten die Grünen jetzt in großer Zahl überzeugen.

Die Grünen punkten also in der Stadt und auf dem Land, und sie erreichen unterschiedliche Milieus. Eine Volkspartei seien sie trotzdem nicht, findet der Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer. Nach seinen Worten vertreten die Grünen nach wie vor eine ganz bestimmte Werthaltung, die sich zum Beispiel in der Flüchtlingspolitik äußere. Demzufolge könnten sie asylkritische Wähler nicht erreichen. Außerdem spreche auch ein quantitatives Argument gegen die Annahme, die Grünen entwickelten sich zur Volkspartei. 17,5 Prozent reichten dafür eben nicht aus, so Niedermayer.

Grüne können mit Klimaschutz punkten

Aber woher kommt die neue Stärke der Grünen dann? Niedermayer erklärt sie erstens mit der Schwäche der SPD. Zweitens damit, dass sich die Grünen in der Asylpolitik eindeutig positioniert hätten, statt einen Zickzackkurs zu fahren und drittens mit dem Extrem-Wetter der vergangenen Monate: Wegen des heißen Sommers sei der Klimawandel wieder stark ins Bewusstsein der Menschen gerückt, und davon hätten die Grünen als Klimaschutz-Partei profitiert.

Den Grünen selbst ist es gar nicht so wichtig, ob sie nun Volkspartei sind oder nicht. Aus Sicht von Bundeschef Robert Habeck ist das Konzept sowieso überholt. Er spricht lieber von einer Bündnispartei, die Allianzen über Lagergrenzen hinweg schmiedet.

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Autor
  • Mario Kubina
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