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China-Böller
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China-Böller

Eine 30-Zentimeter-lange Schlange, eingepackt in rotem Papier, schleudert brennende Bällchen in alle Richtungen - bis zu drei Meter weit: Die sogenannten Crackling-Böller sind laut, bunt und mitunter gefährlich. "Der Mindestabstand ist ein Meter. Bei solchen Böllern darf man da aber auch ruhig drei, vier oder fünf Meter weggehen", sagt der Pyrotechniker und Ausbilder Armin Heurich.

Armin Heurich mit einem Crackling-Böller

Armin Heurich mit einem Crackling-Böller

Sechs Regeln für sicheres Böllern an Silvester

In seiner Garage in Penzberg findet sich ein riesiges Arsenal von Böllern, Raketen und Feuerwerkskörpern aus aller Welt. Heurich leitet ein Pyrotechnik-Ausbildungszentrum. Der gelernte Verwaltungswirt ist Sachverständiger für Explosivstoffe und er hat sechs klare Regeln für ein sicheres Böllern an Silvester.

    1. Angezündete Böller nicht wieder in die Hand nehmen: Wenn Böller oder Bodenkreisel nicht brennen: liegen lassen, mindestens 15 Minuten warten und im schlimmsten Fall mit Wasser ablöschen.
    2. Auch nach der Explosion die Knallkörper nicht gleich wieder aufheben: "Wenn der Gegenstand abgebrannt ist, ist er noch kochend heiß. Hier besteht für Kinder noch erhebliche Verbrennungsgefahr.
    3. Raketen zum Starten nicht in lose Wein- oder Sektflaschen stecken, sondern in feste Behälter wie einen Schirmständer oder einen Bierkasten.
    4. Immer ausreichend Abstand zu den Böllern halten, im Zweifel deutlich mehr als der angegebene Mindestabstand.
    5. Keine Böller in der Hand behalten, beispielsweise Vulkane oder Feuerfontänen.
    6. Keine Kracher aus dem Ausland kaufen, die nicht zweifelsfrei in Deutschland zugelassen sind.

Auch solche hat Heurich in seiner Garage: "Polen und Tschechien ist da der Schwerpunkt, da wird sehr viel in Hinterhöfen gebaut, die machen das sehr professionell und vertreiben das dann über die Grenze und die sind brandgefährlich diese Teile."

Gefahr: Blitzknallsatz statt Schwarzpulver

In den illegalen Chinaböllern steckt oftmals ein sogenannter Blitzknallsatz, dieser ist in Deutschland verboten und hat viel mehr Zerstörungspotenzial als Schwarzpulver, sodass er sogar Körperteile zertrennen kann. Einen legalen Böller erkennt man an drei Dingen: das CE-Prüfzeichen, eine Zertifizierungsnummer der Bundesanstalt für Material-Forschung und –Prüfung (BAM), und klare Sicherheitshinweise auf Deutsch.

Feuerwerkskörper mit fehlender Kennzeichnung

Feuerwerkskörper mit fehlender Kennzeichnung

Mehrere Hundert Opfer jedes Jahr

Offizielle Zahlen gibt es nicht, nach Schätzungen werden in Bayern an Silvester jedes Jahr mehrere Hundert Minderjährige mit Brandverletzungen in die Kliniken eingeliefert. Teilweise gravierende Fälle. "Wir haben Kinder, bei denen sich Raketen in der Kleidung verfangen oder die sich gegenseitig mit Knallkörpern bewerfen, sodass dann Kleidung anfängt zu brennen und es so zu schweren Verbrennungen kommt, die wir dann operieren müssen", erklärt der Verbrennungsmediziner und leitender Oberarzt in der Kinderchirurgie der München Klinik Schwabing, Dr. Carsten Krohn. "Da kann man durch Nachdenken im Vorfeld sicherlich vieles verhindern."

Dr. Carsten Krohn

Dr. Carsten Krohn

Besonders in der Silvesternacht hätten die Ärzte schlimme Verbrennungen zu behandeln: "Es gibt gerade durch die illegalen Chinaböller so schwere Verletzungen, dass es auch zu Amputationsverletzungen kommt", so Krohn weiter. "Es gibt großflächige Verbrennungen, wo wir Haut transplantieren müssen und großflächige Narben übrig bleiben. Und es gibt Augenverletzungen, die so schwerwiegend sind, dass man die Funktion des Auges verliert."

Appell an die Eltern

Krohn und die anderen Ärzte appellieren darum an die Eltern, auf ihren Nachwuchs aufzupassen: "Böllern sollte immer unter Aufsicht der Erwachsenen sein, denn die haben das gekauft und die sind verantwortlich dafür, wenn Kinder sich verletzen."

Auch der Pyroexperte und leidenschaftliche Feuerwerker Heurich bittet darum, immer verantwortlich zu böllern. Wer am Silvesterabend ganz auf Nummer sichergehen will, der kann aus sicherer Distanz vielerorts auch einfach das Feuerwerk der Profis genießen.

Alljährlich müssen Verletzungen behandelt werden, weil Silvesterraketen falsch oder nicht-TÜV-geprüfte Knaller gezündet wurden.

Alljährlich müssen Verletzungen behandelt werden, weil Silvesterraketen falsch oder nicht-TÜV-geprüfte Knaller gezündet wurden.