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"Signale für Trendumkehr": Spahn und Wieler warnen vor 3. Welle | BR24

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Bundesgesundheitsminister Spahn und RKI-Chef Wieler informieren in der Bundespressekonferenz über die aktuelle Corona-Lage in Deutschland.

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"Signale für Trendumkehr": Spahn und Wieler warnen vor 3. Welle

"Vorsicht, impfen, testen" - das ist der Weg, mit dem Bundesgesundheitsminister Spahn und RKI-Chef Wieler die nächsten Monate durch die Corona-Krise kommen wollen. Beide sehen zwar aktuell ermutigende Zeichen, aber auch die Gefahr einer 3. Welle.

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Von
  • Roana Brogsitter

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht "erste Erfolge" der Impfkampagne in Deutschland. So hätten bislang die allermeisten Menschen der Kategorie 1 ein Impfangebot angenommen, so Spahn auf einer Pressekonferenz in Berlin. In einigen Bundesländern sei bereits die Mehrheit der über 80-Jährigen geimpft. Das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, sei für diese Gruppe damit deutlich gesunken. Die Sieben-Tage-Inzidenz der über 80-Jährigen lag dem Minister zufolge Anfang Februar noch bei 200, mittlerweile liege sie bei 70. "Das zeigt, unsere Strategie, die zuerst zu impfen, die besonders verwundbar sind, geht auf," so der Bundesgesundheitsminister.

Bis jetzt seien 5,7 Millionen Impfungen in Deutschland verabreicht worden, über 2 Millionen Menschen seien sogar zweimal geimpft worden. Zuletzt hätten pro Tag 160.000 Menschen eine Impfung bekommen.

"Impfen ebnet den Weg aus der Pandemie, aber es ist kein Spaziergang"

Impfen ist für Spahn die aktuell wichtigste Säule bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Trotzdem: "Impfen ebnet den Weg aus der Pandemie, aber es ist kein Spaziergang". Er habe die Länder dazu angehalten, ihre Kapazitäten für die Corona-Impfungen zügig aufzustocken. "Noch liegt zu viel Impfstoff im Kühlschrank". Nach seinen Worten werden bis Ende kommender Woche schon rund elf Millionen Impfdosen an die Länder ausgeliefert worden sein.

Mit Blick auf die weit verbreitete Skepsis hinsichtlich des Vakzins von Astrazeneca appellierte Spahn an die Bevölkerung, den Impfstoff zu nutzen. RKI-Chef Lothar Wieler ergänzte, das Mittel sei "sehr, sehr wirksam". Das Angebot nicht anzunehmen, sei "fachlich, sachlich nicht gerechtfertigt". "Besser ein, zwei Tage Kopfschmerzen, als diese verdammte Krankheit zu kriegen," so Wieler wörtlich. Das Astrazeneca-Vakzin reduziere die Hospitalisierungsrate um 94 Prozent, das sei "fantastisch".

Die aktuelle Strategie zur Steigerung der Impfquote sieht laut Spahn vor, dass in einem ersten Schritt die Bundesländer Arztpraxen damit beauftragen können, Impfungen vorzunehmen. Zunächst nur ausgewählte Praxen, die Risikopatienten impfen, in einem nächsten Schritt sollen Arztpraxen "regelhaft" einbezogen werden.

Wieler: "Mächtigstes Werkzeug sind wir"

Auch RKI-Chef Lothar Wieler sieht positive Tendenzen, warnt aber vor den sich immer stärker verbreitenden Corona-Mutationen. Sie seien "deutlich gefährlicher, und zwar in allen Altersgruppen". Insgesamt gingen die Todesfälle zwar zurück und besonders in der Gruppe der Über-80-Jährigen würden die Infektionszahlen deutlich sinken. Es gebe aber "Signale einer Trendumkehr". Denn die Infektions-Zahlen über alle Altersgruppen hinweg würden aktuell stagnieren und mancherorts sogar wieder steigen. Sorgen bereiten Wieler vor allem die steigenden Zahlen in jüngeren Altersgruppen. "Lassen Sie deshalb weiter unsere Kontakte auf das Nötigste beschränken - und zwar besonders in Innenräumen," so Wieler.

Der RKI-Cef warnt vor zu viel Optimismus hinsichtlich der Corona-Schnell- und Selbsttests. Diese könnten die aktuellen Maßnahmen nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Beide seinen keine "Wunderwaffe", böten nur eine Momentaufnahme. Ihr Nutzen liegt seiner Ansicht nach hauptsächlich darin, dass man dank ihnen mehr Infektionen entdecken könnte.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zeigt sich optimistisch, dass Schnell- und Eigentests schon bald zum Alltag der Deutschen gehören werden.

Kommt der Corona-Impfausweis?

Auf die Frage nach der Einführung eines EU-weiten Impfausweises erklärte Spahn, Deutschland habe am Montag entschieden - nachdem der Europäische Rat bereits im Januar für digitale Impfnachweise votiert hatte - diese entwickeln zu lassen. Aktuell finde ein Vergabeverfahren statt. Man hoffe, diese Nachweise innerhalb von zwölf Wochen verfügbar zu machen. Die Hürden seien wegen der Anforderungen an Datenschutz und Sicherheit aber sehr hoch.

Was allerdings aus diesen Nachweisen für den einzelnen Geimpften folge, sei noch nicht entschieden. Die Debatte darüber müsse noch sehr breit geführt werden.

Neue medizinische Erkenntnisse

Als "ermutigend" bezeichnete Wieler neueste Erkenntnisse zu Corona-Erkrankungen bei schwangeren Frauen. Diese würden Antikörper auf ihre Babys übertragen. Die Kinder seien gesund. Hoffnung mache auch eine britische Studie: Schon nach einer einzigen Dosis könnte der Impfstoff von Biontech und Pfizer das Ansteckungsrisiko erheblich verringern.

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