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ARD-Wahlstudio

Einfach hinschmeißen? Nein, winkt der hessische Spitzenkandidat der SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel ab. Das sei noch nie seine Art gewesen. In den ersten Interviews des Abends kann Schäfer-Gümbel nur schwer kaschieren, dass er mit dem schlechten Ergebnis seiner Partei hadert. Er spricht von richtig gesetzten Wahlkampfthemen und davon, dass die Wähler durchaus der SPD zugetraut hätten, Probleme kompetent anzugehen – um sie dann aber doch "mit der goldenen Zitrone nach Hause zu schicken". Bitter sei das, sagt Schäfer-Gümbel, und zeigt nach Berlin - man werde auf Bundesebene über Konsequenzen reden müssen. Die Wahlparty der SPD in einem Restaurant neben dem Landtag verlief dementsprechend gedämpft – nach Party war dort niemandem zumute.

CDU: Verloren, aber stärkste Kraft

Etwas weniger lange Gesichter dagegen im Sitzungssaal des Landtages im fünften Stock. Hier verfolgten die CDU-Anhänger die Prognose um 18 Uhr. Erst mal blieb es still - sehr still. In den Gesichtern war der Schock zu erkennen, als klar war: Die Partei rutscht unter die 30-Prozent-Marke.

Ministerpräsident Volker Bouffier sprach denn auch von einem "schmerzlichen Verlust", den man "demütig entgegen nehmen" müsse. Als stärkste Kraft habe die CDU allerdings den Anspruch, weiter die Regierung zu führen. Und diese Ansage des Parteichefs prägte dann auch die Gespräche des Abends auf der CDU-Wahlparty. Zusammengefasst: "Wir haben Federn gelassen, sind aber noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen."

Freude bei den Grünen

Freude bei den Grünen

Jubel bei den Grünen

Aus den Fenstern der Landtags-Grünen strahlte es an diesem Abend grün – der Widerschein von den Scheinwerfern, die die erfolgreichen Wahlkämpfer vor der grünen Wand ins rechte Licht rückten. Das Ergebnis fast verdoppelt, auf Augenhöhe mit der SPD gelandet – das wurde mit Sekt begossen.

Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir schwärmte: "So grün war Hessen noch nie." Er sei stolz darauf, "aus der Regierung heraus so viel Vertrauen gewonnen“ zu haben. Zu dem Zeitpunkt war noch nicht klar, für welche Regierungskonstellation es reichen wird. Weiter schwarz-grün? Doch Jamaika? Oder GroKo? Landeschefin Angela Dorn gab sich denn auch vorsichtig zurückhaltend, sprach von einem Vertrauensvorschuss der Wähler – und davon, dass man Schnittmengen mit mehreren Parteien habe, konkret: mit der SPD und der FDP.

Liberale und Linke im Aufwind, AfD stark

Alles andere als lange Gesichter gab es bei den anderen drei Parteien, die im hessischen Landtag sitzen werden. Bei den Liberalen wurde so lange und ausdauernd geklatscht, dass Spitzenkandidat René Rock mit seiner Dankesrede kaum zu Wort gekommen wäre.

Janine Wissler, die Spitzenkandidatin der Linken, freute sich über das Rekord-Ergebnis ihrer Partei. Damit werde "die Stimme für soziale Gerechtigkeit in Hessen" lauter.

Die AfD schließlich konnte ihr Ergebnis von vor fünf Jahren verdreifachen. Und auch wenn sie damit eigentlich noch hinter ihren eigenen Erwartungen bleibt: Sie zieht klar in den hessischen Landtag ein und sitzt damit in allen Landesparlamenten. Das wertete AfD-Spitzenkandidat Rainer Rahn als "historisches Ergebnis".