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Sicherheitskonferenz: Klimawandel verschärft Kampf um Ressourcen | BR24

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Über den Klimawandel wurde auf der Münchner Sicherheitskonferenz schon öfter diskutiert, aber noch nie spielte dieses Thema eine so große Rolle wie diesmal. Umweltaktivisten und Politiker warnen mit drastischen Worten vor den Folgen der Erderwärmung.

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Sicherheitskonferenz: Klimawandel verschärft Kampf um Ressourcen

In München hat die diesjährige Sicherheitskonferenz begonnen. Zum ersten Mal steht dabei der Klimawandel im Mittelpunkt der Veranstaltung - auch wenn er immer wieder ein Thema war. Verteilungskämpfe könnten künftig die Sicherheit gefährden.

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Über den Klimawandel wurde auf der Münchner Sicherheitskonferenz schon öfter diskutiert, aber noch nie spielte dieses Thema eine so große Rolle wie diesmal. Umweltaktivisten und Politiker warnen mit drastischen Worten vor den Folgen der Erderwärmung.

Jennifer Morgan von Greenpeace beschreibt den Klimawandel mit drastischen Worten:

"Keine Nation, egal ob reich oder arm, instabil oder sicher – niemand ist davor geschützt: Die Entscheidungen der kommenden Jahre werden das Leben oder eben den Tod von Millionen von Menschen rund um den Globus bedeuten. Und niemand weiß das besser als die Sicherheitspolitiker." Jennifer Morgan, Greenpeace-Generalsekretärin

Klimawandel: Warnung vor Kämpfen um Ressourcen

Bei der Veranstaltung am Vorabend des offiziellen Beginns der Sicherheitskonferenz in München zählt die Greenpeace-Generalsekretärin auf, welche Folgen eine Erwärmung der Erde über 2,5 Grad haben wird:

"Städte werden unbewohnbar sein, ländliche Regionen trocknen aus, Ernten werden ausfallen, Fischbestände verschwinden, Existenzen werden vernichtet, Kämpfe um Naturressourcen werden entstehen." Jennifer Morgan, Greenpeace-Generalsekretärin

Greenpeace-Chefin Morgan sieht in der Erderwärmung folglich eine größere Bedrohung der Menschheit als durch bewaffnete Konflikte:

"Fossile Energieträger wie Öl und Gas sind die neuen Massenvernichtungswaffen, diese dreckigen Energiequellen sind die wahren Kohlenstoff-Bomben, und sie sind darauf eingestellt, unsere Heimaterde zu zerstören." Jennifer Morgan, Greenpeace-Generalsekretärin

Sicherheitskonferenz: Aufruf zum "Krieg" gegen Treibhausgase

Das Umweltthema wird seit Jahren auf der Sicherheitskonferenz diskutiert. Dieses Jahr aber rückt es wieder ein Stück weiter ins Zentrum vieler Gespräche.

Diese will in München auch John Kerry führen – der ehemalige US-Außenminister hat vor zweieinhalb Monaten eine Klimaallianz namens "World War Zero" gestartet. Das Ziel der Initiative klingt martialisch: Die US-Bürger sollen für den Kampf gegen Treibhausgase mobilisiert werden "wie in einem Krieg". Für das Vorhaben hat Kerry die Ex-US-Präsidenten Jimmy Carter und Bill Clinton sowie Promis wie Schauspieler Leonardo Di Caprio, Ashton Cutcher und den Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger gewonnen – Kerry schlägt auf dem Podium in München Alarm:

"Wir sind auf einem entsetzlichen Kurs unterwegs. Selbst wenn wir alles aus dem Pariser Abkommen erfüllen würden, würde die Temperatur weltweit trotzdem um 3,5 bis 3,7 Grad steigen, das Abkommen hält den Klimawandel gar nicht mehr auf." John Kerry, Ex-Außenminister der USA

China setzt auf Kohle

Ungeachtet der Hitzerekorde und Waldbrände in Australien hätten viele Regierungen immer noch nicht umgelenkt, klagt Kerry - und sieht neben den USA und Europa vor allem China in der Pflicht:

"In Europa nehmen die Emissionen dieses Jahr wieder zu, das gleiche gilt für die USA, Indien und China. China schließt dieses Jahr neue Kohlekraftwerke ans Netz, die 25 Gigawatt produzieren. Und das in einer Zeit, in der niemand auf dieser Welt mehr das Recht hat, auf Kohleverbrennung zu setzen." John Kerry, Ex-Außenminister der USA

Auch Kerry warnt vor bewaffneten Konflikten durch die Folgen des Klimawandels und plädiert für eine massive Investition in Technologien, die CO2 absorbieren.

Sicherheitskonferenz: Das Klima als Fluchtursache

Neben ihm auf der Bühne im Bayerischen Hof sitzt Ban Ki Moon. Der ehemalige UN-Generalsekretär aus Südkorea warnt vor Migrationswellen in Asien und Afrika:

"Der Klimawandel ist einer der wesentlichen Gründe, der Menschen bewegt, ihre Heimat zu verlassen. Wenn wir das nicht angehen, dann wird die Lage hoffnungslos sein." Ban Ki Moon, ehemaliger UN-Generalsekretär

Ischinger: "Ein einziger Krieg befördert alle Klimakalkulationen in den Müll"

Große Zustimmung gibt es für die Fridays For Future Bewegung, die an diesem Samstag nach Angaben der Polizei nur in geringer Zahl am Münchner Odeonsplatz demonstrieren dürfte.

Der Ausrichter der Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger findet Klimagedanken zur Sicherheitspolitik grundsätzlich richtig, wünscht sich aber gleichzeitig, dass die jungen Aktivisten umgekehrt auch die Bedeutung der Sicherheit für das Klima erkennen:

"Wenn ein einziger großer Krieg ausbricht, egal wo, in Asien, in Afrika, in Europa, wenn ein einziger Krieg ausbricht, bei dem möglicherweise Nuklearwaffen eingesetzt werden, dann können Sie sämtliche Klimakalkulationen in den Mülleimer werfen. Dann ist es vorbei mit der Frage, schaffen wir das mit 1,5 oder 2 Grad." Wolfgang Ischinger, Münchner Sicherheitskonferenz

Es sind nur Appelle, die an die Teilnehmer der Sicherheitskonferenz gerichtet werden, doch sie wirken dieses Jahr eindringlicher denn je.

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Die Münchner Sicherheitskonferenz rief auch zahlreiche Demonstranten auf den Plan: Klimaschützer, Anhänger der Friedensbewegung und Aktivisten gegen die Todesstrafe.

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