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Sexueller Missbrauch beim Sport: Was sich ändern muss | BR24

© picture alliance/chromorange

Leerer Fußballplatz

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    Sexueller Missbrauch beim Sport: Was sich ändern muss

    Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im Sport – ein Thema, dass immer wieder Schlagzeilen macht. Aber das hat an den Strukturen, die diesen Missbrauch erleichtern, noch nicht viel verändert. Eine Kommission arbeitet an Verbesserungen.

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    Von
    • Katrin Schirner

    Die ehemalige österreichische Skirennläuferin Nicola Werdenigg sorgte vor drei Jahren für Schlagzeilen, als sie aufdeckte, wie sie als junge Sportlerin sexuell missbraucht wurde. Fälle wie diese werfen ein Schlaglicht auf den Missbrauch im Leistungs-, aber auch im Breiten- und Schulsport, in Kampfsportarten, im Turnen, beim Fußball, beim Schwimmen. Gerade die Möglichkeiten für engen Körperkontakt erleichtern Trainern oder Teamkollegen den Missbrauch. Das wird der Unabhängigen Kommission zur Aufklärung von sexuellem Kindesmissbrauch immer wieder berichtet.

    Opfer von Missbrauch finden kaum Gehör

    Versucht ein Opfer die Taten aufzudecken, wird es oft abgewiesen, des Lügens bezichtigt oder bedroht. Täter und Verantwortliche, zum Beispiel in Vereinen und Verbänden, vertuschen und verharmlosen. Dieses Muster gilt im Prinzip in allen Bereichen, wo Missbrauch stattfindet, wie dem familiären Umfeld, in Kirche oder Schule. Experten gehen deshalb von einer hohen Dunkelziffer aus.

    Wie arbeitet die Kommission zur Aufarbeitung von Missbrauch?

    Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs ist durch den Deutschen Bundestag per Beschluss eingesetzt worden. Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder versuchen seit 2016, das Leid von Betroffenen aufzuklären – und daraus Schlüsse zu ziehen, wie den Opfern besser geholfen und Missbrauch verhindert werden kann. Betroffene können sich vertraulich an die Kommission wenden. Entweder schriftlich oder in Gesprächen, die den Opfern von sexuellem Missbrauch zudem die Möglichkeit bieten, mit Menschen zu sprechen, die weder als Therapeuten arbeiten, noch in Polizeidienststellen.

    © pa/dpa/Georg Hochmuth

    Die frühere ÖSV-Weltcupläuferin Nicola Werdenigg am 15. März 2018 bei ihrer Buchpräsentation "Ski Macht Spiele" in Wien.

    Was passiert mit den vertraulichen Berichten über Missbrauch?

    Die Berichte der Betroffenen werden ausgewertet und Schwerpunkte benannt, zu denen dann auch öffentliche Anhörungen stattfinden. Also Gespräche mit Psychologen, Sozialwissenschaftlern, Juristen und auch Betroffenen, die sich dazu bereit erklären. 2017 gab es zwei solcher Anhörungen: im Januar zum Thema Missbrauch in der Familie und im November zum Missbrauch in der ehemaligen DDR, etwa in den Kinder- und Jugendheimen. 2018 folgte ein Schwerpunkt zum sexuellen Missbrauch in der Kirche. Die vierte öffentliche Anhörung beschäftigt sich mit dem Schwerpunkt "Missbrauch im Sport".

    Was muss sich ändern?

    Die Kommission spricht Empfehlungen aus, was sich ändern müsste, um Opfern besser zu helfen und Kinder künftig vor Missbrauch zu schützen. Im Leistungs- und im Breitensport etwa sollen Strukturen geschaffen werden, damit Betroffene sich ohne Druck und ohne Angst an eine Vertrauensperson wenden können. Zudem soll in der Gesellschaft eine "Kultur des Hinsehens" entwickelt werden, in der der Schutz von Kindern und Jugendlichen mehr in den Vordergrund rückt.

    Weitere Informationen: www.aufarbeitungskommission.de

    Info-Telefon (anonym und kostenfrei): 08004030040

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