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Bildrechte: BR / Christian Limpert

Der serbischer Künstler Nikola Macura verwandelt solchen Kriegsmüll in klangvolle Musikinstrumente.

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    Serbien: Wie Instrumente aus Waffen Frieden schaffen

    Der serbische Künstler Nikola Macura verwandelt die Waffen der Jugoslawien-Kriege in Musikinstrumente. Aus Stahlhelmen und Kalaschnikows baut er Gitarren, aus Kanistern und Granatwerfern Streichinstrumente. Ihr Sound hat eine klare Message.

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    Von
    • Weltspiegel Digital
    • Veronika Beer
    • Christian Limpert

    Wo die Granatwerfer liegen, weiß Nikola Macura genau. Und die Raketengeschosse. Macura kommt regelmäßig auf diesen Militärschrottplatz, gelegen in einem unscheinbaren Hinterhof in Temerin, rund 30 Kilometer entfernt von der nordserbischen Großstadt Novi Sad.

    Macura ist Künstler, er schafft Skulpturen. Hier, zwischen alten Stahlhelmen, defekten Atemschutzmasken, Panzerfäusten und Militärkisten, sucht er nach Rohmaterial. Schon nach ein paar Schritten greift er nach einem ausrangierten Raketenwerfer. Wichtig sei vor allem, dass die Rohre der alten Waffen noch unbeschädigt und ohne Löcher sind. Nur dann kann später ein Blasinstrument daraus werden.

    Erinnerung an die Jugoslawien-Kriege vor 30 Jahren

    Um perfekte Instrumente gehe es aber nicht, sagt Macura. Denn ein bisschen sollen seine Skulpturen an das erinnern, was sie einmal waren: Waffen. Die meisten gebaut vor 30 Jahren, als die Jugoslawien-Kriege tobten, fast ein Jahrzehnt lang.

    In den 1980er-Jahren steckte das ehemalige Jugoslawien in einer Wirtschaftskrise. Es kam zum Streit über die Verteilung der finanziellen Mittel zwischen wohlhabenderen Gebieten wie Kroatien oder Slowenien und den ärmeren Landesteilen. Nationalistische Spannungen führten dazu, dass sich zunächst Slowenien und Kroatien, dann auch Mazedonien und Bosnien-Herzegowina von Jugoslawien lossagten.

    Mit dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawien ging eine Serie von Kriegen einher. Dabei handelt es sich vor allem um den Kroatienkrieg (1991 bis 1995) und den Bosnienkrieg (1992 bis 1995) mit dem Völkermord von Srebrenica. Der Kosovokrieg (1998 bis 1999) war dann der letzte bewaffnete Konflikt auf dem Balkan.

    Musik soll Menschen verbinden und Frieden bringen

    Gut ein Dutzend Militärschrottplätze gibt es noch in ganz Serbien. Von kaputten Flugzeugteilen bis zum Flugabwehrgeschütz findet man hier alles. "So viele Waffen! Auf der einen Seite machen mir die Besuche Angst, es gibt in der Region hier noch immer zu viel davon", sagt Macura und deutet auf den Schrott. "Andererseits bin ich froh, dass ich so eine gute Auswahl für meine Instrumente habe."

    Macuras großer Traum: ein Panzer. Den will er zu einem gigantischen Perkussionsobjekt umbauen. Und er will noch mehr Instrumente bauen und ein ganzes Orchester formen. Die Message: Was früher getötet hat, soll die Menschen nun verbinden. Was einmal furchtbaren Krach gemacht hat, soll einen ganz neuen Sound erzeugen. "Make music, not war!"

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    Profimusikerin Milica Svirac am Granatwerfer-Cello: "Aus hässlichen Erinnerungen wird etwas Schönes."

    Aus Helmen und Kalaschnikows werden Gitarren

    In seinem Atelier in Novi Sad verarbeitet Macura das, was er auf seinen Schrottplatz-Touren gefunden hat. Mit einer Flex sägt er feine Schlitze in einen alten Stahlhelm. "Die Helme eignen sich am besten als Hohlkörper, genau wie Tankkanister. Das braucht jedes Instrument für die Akustik", erklärt Nikola. Aus Helmen und Kalaschnikows baut er Gitarren. Aus Kanistern und Granatwerfern Streichinstrumente – so wie das Granatwerfer-Cello, das er gerade schwarz angestrichen hat.

    Profi-Musiker beraten beim Bau der Waffen-Instrumente

    Zum Testen der Instrumente haben sich heute zwei Profimusiker angemeldet: Nikola, ein Saxofonist, und Milica, eine Cellistin. Sie haben den Künstler beim Bau der Waffen-Instrumente beraten. Wie genau zum Beispiel die Saiten auf das Granatwerfer-Cello gespannt werden oder in welchem Abstand die Fingeröffnungen in das "Bombaphon" kommen. Das Blasinstrument, das aus Helm und Raketenwerfer besteht, soll irgendwann mal wie ein schrilles Saxophon klingen. Noch ist das Saxophon-Mundstück, das Profimusiker Nikola oben drauf steckt, das einzige, was an ein Saxophon erinnert. Der Klang: schrill, wie der einer verstimmten Blech-Blockflöte.

    Gespräche über Bombenangriffe am Granatwerfer-Cello

    "Ich kann mich an den Krieg hier noch erinnern", sagt Nikola, der Saxophonist. Er und seine Familie gehörten damals zur serbischen Minderheit, die aus Kroatien fliehen musste.

    Für den geplanten Test mit den Instrumenten stimmt Cellistin Milica das Granatwerfer-Cello. Auch sie erinnert sich an die Bombenangriffe der NATO auf Novi Sad. Die Brücken, die nur ein paar Meter entfernt von Nikolas Atelier über die Donau führen, wurden damals alle zerstört. "Das sind hässliche Erinnerungen", sagt Milica: "Aber dieses Projekt zeigt ja auch, dass wir aus hässlichen Dingen und Ereignissen etwas Gutes gestalten können." Dann setzt sie an. Das Granatwerfer-Cello klingt fast wie ein echtes. Nur dass die Granatwerfer-Variante drei statt vier Saiten hat und einen Metallkörper statt Holz.

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    Für Sammler mit viel Platz im Wohnzimmer: Auch Flugzeugteile liegen auf dem Militärschrottplatz in Temerin.

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