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"Düsseldorfer Patient" als dritter Mensch von HIV befreit | BR24

© dpa-Bildfunk/Hans R. Gelderblom

Berlin 1986: HIV-1 (Retroviren) in einer kolorierten Ultradünnschnitt-Aufnahme eines Transmissions-Elektronenmikroskops.

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    "Düsseldorfer Patient" als dritter Mensch von HIV befreit

    Möglicherweise ist mit dem "Düsseldorfer Patienten" ein dritter Mensch von HIV befreit worden. Nach einer Stammzelltransplantation sei bei dem Mann das HI-Virus aktuell nicht nachweisbar, teilte die Universität Düsseldorf mit.

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    Der "Düsseldorfer Patient" wurde wegen Blutkrebs mit einer Stammzellentherapie behandelt. Auch diesem Patienten wurde eine seltene Mutation transplantiert.

    Zu früh, um von einer HIV-Heilung zu sprechen

    Allerdings sei es noch zu früh, um von einer Heilung zu sprechen. Der Patient habe erst vor dreieinhalb Monaten Medikamente abgesetzt, die die Vermehrung des HI-Virus unterdrücken. Der Düsseldorfer Fall wurde bislang nicht in einem begutachteten Fachjournal publiziert. Die angewendete Therapie kommt nur unter sehr speziellen Bedingungen für HIV-Infizierte infrage. Zuvor hatten andere Medien über den Fall berichtet.

    Stammzellentherapie gegen Blutkrebs: Mutierte Zellen sind immun gegen HIV

    Die Stammzelltransplantation war bei dem Patienten wegen einer Form von Blutkrebs notwendig geworden. Das Besondere daran: Der Spender hat in seinem Erbgut eine sehr seltene Mutation, die ihn immun gegen bestimmte Formen des HI-Virus macht, wie es in einer Mitteilung des Forschungsnetzwerks Icistem heißt. Davon profitierte nun auch der "Düsseldorfer Patient". Über seine Identität wollte die behandelnde Uniklinik keine Angaben machen. Auch die Deutsche Aidshilfe schreibt auf ihrer Internetseite, dass es sich um den dritten Menschen weltweit handeln könnte, bei dem eine Heilung gelungen ist.

    Der Aids-Erreger kann zurückkommen

    Ob der Patient dauerhaft frei von HIV bleibt, muss sich aber erst noch zeigen. So sind einige HIV-Patienten bekannt, bei denen nach einer Stammzelltransplantation das Virus mehrere Monate nicht nachweisbar war - obwohl ihr Spender die besondere Mutation gar nicht trug. In diesen Fällen kam der Aids-Erreger später aber wieder zurück.

    HIV-frei: "Berliner Patient" war 2007 der erste

    Vor wenigen Tagen wurde im Fachblatt "Nature" über einen ähnlichen Fall berichtet: In London waren einem HIV-Infizierten wegen einer Art Lymphdrüsenkrebs ebenfalls Stammzellen mit der seltenen Mutation transplantiert worden. Er war eineinhalb Jahre nach Absetzen der HIV-Medikamente noch virenfrei. Beide Fälle waren auf einer Fachkonferenz in Seattle vorgestellt worden. Der erste Fall dieser Art war der sogenannte "Berliner Patient", bei dem eine ähnliche Behandlungsmethode 2007 in Berlin erfolgreich war.

    Chronische Krankheit: Aids führt nicht mehr zwangsläufig zum Tod

    Aids hat sich in den Industriestaaten inzwischen zu einer chronischen Krankheit entwickelt, die nicht mehr zwangsläufig zum Tode führen muss. HIV-Infektionen sind mit Medikamenten so gut behandelbar, dass der Ausbruch von Aids meist vermieden werden kann. Allerdings haben die starken Medikamente Nebenwirkungen. Infizierte in Behandlung haben jedoch inzwischen die gleiche Lebenserwartung wie Nicht-Infizierte.

    Drei Phasen beim Krankheitsverlauf von Aids

    Stadium A - In den ersten Wochen nach der Infektion können auftreten: grippeähnliche Symptome, Fieber, Durchfall, geschwollene Lymphknoten, Hautausschlag. Nach ein bis zwei Wochen verschwinden die Symptome. Anschließend weitgehend beschwerdefreies Befinden.

    Stadium B - Eine erste Schwächung des Immunsystems führt unter anderem zu: Hautausschlägen, eingerissener Haut, Pilzbefall (vor allem in Mund und Rachen), Nervenschmerzen, Knoten in/unter der Haut. Absinken der Lymphozytenzahl.

    Stadium C - Vollbild AIDS: Das Immunsystem ist so geschwächt, dass der Körper empfänglich ist für eine Vielzahl von Infektionen, zum Beispiel Lungenentzündung, Krebsarten (Kaposi-Sarkom, Lymphom), starker Pilzbefall, Herpes, Infektionen des Nervensystems, Tuberkulose.

    HIV-Übertragungswege: So kann man infiziert werden

    Sex und verunreinigte Nadeln bei Drogenkonsum sind die Hauptübertragungswege für HIV. Den besten Schutz vor Ansteckung bieten Kondome und sauberes Spritzbesteck.

    HIV kann grundsätzlich dann übertragen werden, wenn Blut, Sperma oder Scheidenflüssigkeit in Kontakt mit Schleimhäuten (Scheide, Penis, Enddarm, Mund) oder mit offenen Wunden kommt. Andere Körperflüssigkeiten wie Urin, Schweiß, Speichel oder Tränen enthalten eine so geringe Konzentration an Viren, dass damit eine Ansteckung praktisch ausgeschlossen ist.

    AIDS geht jeden an - immer noch

    In Sachen Aids kann immer noch keine Entwarnung gegeben werden. Rund 86.000 Menschen leben nach Angaben der Deutschen Aids-Hilfe alleine in Deutschland mit HIV, jedes Jahr stecken sich rund 2.700 Menschen neu an. Die Zahl der Neuinfektionen ist damit gegenüber den Vorjahren leicht gesunken, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem am 22. November 2018 veröffentlichten Report.

    UN: 37 Millionen Menschen mit HIV

    Weltweit leben nach Angaben der UN-Organisation UNAIDS fast 37 Millionen Menschen mit HIV, davon mehr als zwei Millionen, die unter 15 Jahre alt sind. Fast zwei Drittel der HIV-Infizierten leben in Afrika südlich der Sahara. Knapp die Hälfte von ihnen werden mit antiretroviralen Medikamenten behandelt, um das Virus im Blut zu unterdrücken. UN-Experten zufolge wissen 25 Prozent aller Infizierten nicht, dass sie HIV-positiv sind. Das sind 9,4 Millionen Menschen weltweit.

    In Osteuropa und Asien nehmen die Fälle von HIV und Aids zu

    Sorgen bereitet den Experten die Entwicklung in Osteuropa und Teilen Asiens, wo die Fälle von HIV und Aids zunehmen. Hier wurde eine Zunahme von 120.000 im Jahr 2010 auf rund 190.000 HIV-Fälle im Jahr 2016 verzeichnet. In Russland hat sich mehr als 0,5 Prozent der Bevölkerung mit HIV angesteckt. Das sind knapp eine Million Russinnen und Russen.

    HIV-Infizierte in Deutschland: Vor allem Männer betroffen

    In Deutschland leben die meisten HIV-Infizierten in den Großstädten. Immer noch sind vor allem Männer betroffen, die Sex mit Männern haben, aber immer wieder stecken sich auch Frauen an. Meist wird bei ihnen erst spät ein Aids-Test gemacht. Ein Versäumnis, das tödlich sein kann, denn je früher eine HIV-Infektion entdeckt und behandelt wird, desto besser sind die Aussichten, trotz Erkrankung lange zu leben.