Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Selfie-Boom: Immer mehr junge Menschen wollen Schönheits-OP | BR24

© BR

Oberlidstraffung, Fettabsaugen oder Faltenwegspritzen - die beliebtesten Eingriffe der Deutschen. Aber auch die klassische Brustvergrößerung ist immer noch sehr beliebt. Werden dabei die Patienten immer jünger und zunehmend auch männlich?

13
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Selfie-Boom: Immer mehr junge Menschen wollen Schönheits-OP

Falten weg, das Lid straffen, Fett absaugen oder lieber doch die Brust vergrößern? Immer mehr Menschen möchten eine Schönheitsoperation. Vor allem lassen sich immer mehr junge Menschen optimieren. Der Selfie-Boom könnte daran schuld sein.

13
Per Mail sharen
Teilen

Junge Menschen wollen nach Angaben von Schönheitschirurgen immer häufiger so aussehen wie ihr mit Software bearbeitetes Selfie. Es kämen zunehmend junge Frauen mit einem bearbeiteten Selfie als Vorbild in seine Praxis, erklärte der Schönheitschirurg Dominik von Lukowicz bei der Frühjahrsakademie der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) in München.

"Der Selfieboom ist gefährlich", sagt er. Jugendliche blendeten oft die möglichen Gefahren eines Eingriffs aus. "Virtuelle Schönheit ist nicht medizinische Realität." Durch die zunehmend hohe Qualität der Bildbearbeitungsprogramme erstellten sich viele junge Menschen Ideale, die jeder seriöse Schönheitschirurg ablehnen müsse.

Zahl der Schönheitsoperationen steigt immer weiter

Wie die jährliche Ärztebefragung der VDÄPC zeigt, ist die Anzahl der Schönheitsoperationen in Deutschland auch 2018 weiter gestiegen: Mit insgesamt 77.485 gemeldeten Eingriffen wurden im vergangenen Jahr laut VDÄPC-Statistik rund neun Prozent mehr Operationen als im Vorjahr durchgeführt.

Auf Platz eins steht bei den Deutschen demnach das Beseitigen von Falten, gefolgt von Lippenkorrekturen und Oberlidstraffungen. Auch die Zahl der Brustvergrößerungen und Nasenkorrekturen stieg weiter an.

Der VDÄPC sieht als Hauptursache für den Anstieg der Eingriffe bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen den Selfieboom. In Zeiten von Social Media und Instagram orientierten sich junge Menschen vermehrt an medialen Vorbildern aus dem Netz.

Volle Lippen, straffe Haut - bloß nicht älter werden

Ob Augen, Nase oder die störenden Falten: Die Augsburgerin Julia Kondert (30) kommt regelmäßig in eine Münchner Praxis für ästhetisch-plastische Chirurgie. Bei ihrem Facharzt Professor Hisham Fansa fühlt sich Kondert gut beraten. Und das, obwohl er ihr häufig von einer geplanten OP, wie zum Beispiel an der Nase, abrät.

Gerade hat sie ihre Lippen mit einem sogenannten Filler auffüllen lassen. Diese Filler werden unter die Haut gespritzt und füllen das Weichgewebe und somit die Falten auf. Die meisten dieser Faltenfüller halten nur vorübergehend, da sie schließlich vom Körper aufgenommen werden. Kondert findet es nach eigenen Worten "super schön, volle Lippen zu haben, straffe Haut zu haben und ja, nicht älter zu werden. Es gibt mir Selbstbewusstsein".

Soziale Medien verstärken den Wunsch nach Operationen

Auch Kondert orientiert sich an Schönheitsbildern in sozialen Medien, und die verstärken ihren Wunsch zum Beispiel nach einer anderen Nase. Sie hat also noch viele Besuche beim Schönheitschirurgen geplant.

Mit der Brust hatte bei Julia Kondert alles angefangen. Ihre erste OP ging völlig schief. Einen guten Schönheitschirurgen zu finden sei nicht einfach, sagt die 30-Jährige. Nach den ersten erfolgreichen Operationen in ihrer jetzigen Praxis will Julia weitermachen.

Operationen als Sucht?

"Ich habe mir den Bauch machen lassen, wegen der Schwangerschaft. Und die Brust eben auch wegen der Schwangerschaft und Abnahme. Und ja die Lippen eben, und jetzt überlege ich noch, dass ich mir die Nase machen lasse und meine Augen möchte ich mir machen lassen", zählt Kondert auf.

Ist einmal die Hürde zur Schönheits-OP überwunden, folgen meist ein Leben lang zahlreiche weitere Eingriffe. Auch das ist ein Trend, den die Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen zunehmend feststellt. Ein Problem als Folge der vielen Eingriffe: "Dadurch, dass die Eingriffe immer mehr zunehmen, sehen wir auch immer mehr Operationen, die Korrekturen brauchen, weil sie nicht sachgemäß durchgeführt wurden", erklärt Prof. Hisham Fansa, Facharzt für ästhetische und plastische Chirurgie.

Immer mehr Männer legen sich unters Messer

Während bei den Frauen der Trend zu den minimal-invasiven Eingriffen mit Botox oder Filler zur Faltenbehandlung weiterhin anhält (95,5 Prozent), steigt bei den Männern laut VDÄPC-Statistik die Nachfrage nach chirurgischen Eingriffen (26 Prozent), wie der Oberlidstraffung. Meist sind die Kunden der Schönheitschirurgen aber Frauen, etwa 85 Prozent.

Schönheitsoperationen als gesellschaftliches Phänomen

Die Würzburger Soziologin Elke Wagner hat das gesellschaftliche Phänomen erforscht. "Einerseits haben wir eine generelle Optimierung von Körpern in der modernen Gesellschaft", sagt Wagner. Andererseits spielten auch Bilder in Massenmedien eine entscheidende Rolle: Leute sähen im Internet Bilder von idealisierten Körpern, die bearbeitet sind, und wunderten sich dann, dass die eigene Nase nicht so aussieht.