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Sachsens Landesrabbiner Zsolt Balla wird Militärbundesrabbiner.

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    Nach über 100 Jahren: Bundeswehr bekommt Militärrabbiner

    76 Jahre nach dem Holocaust bekommt die Bundeswehr ab 21. Juni erstmals wieder einen Militärrabbiner. Zsolt Balla ist außerdem Landesrabbiner in Sachsen und wird jetzt die jüdische Militärseelsorge aufbauen.

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    Von
    • Andrea Neumeier
    • BR24 Redaktion

    Sachsens Landesrabbiner Zsolt Balla wird am 21. Juni in Leipzig als Militärbundesrabbiner eingeführt. Damit werde es erstmals nach rund 100 Jahren und 76 Jahre nach dem Holocaust wieder jüdische Militärseelsorge in der deutschen Armee geben, teilte der Zentralrat der Juden am Donnerstag in Berlin mit. Die Amtseinführung des 42-jährigen orthodoxen Rabbiners soll in der Leipziger Synagoge stattfinden. Dazu werden unter anderem Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, erwartet.

    Balla wird neues Militärrabbinat leiten

    Weitere Militärrabbiner sollen demnächst laut Zentralrat sukzessive ihren Dienst antreten. Zsolt Balla wird dann das Militärrabbinat in Berlin leiten, das aber noch eingerichtet werden muss. Dort soll er die Arbeit von bis zu zehn jüdischen Geistlichen in der Bundeswehr koordinieren. "Mit der Berufung von Militärrabbinern knüpfen wir an eine alte Tradition an und schlagen zugleich ein neues Kapitel auf", erklärte Schuster. Das Wirken der Rabbiner werde für die Bundeswehrsoldaten eine Bereicherung sein. Die Amtseinführung des Militärbundesrabbiners sei ein historischer Tag für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland. Ende 2019 hatten Kramp-Karrenbauer und Zentralrats-Präsident Schuster einen Staatsvertrag über die jüdische Militärseelsorge unterzeichnet. Wegen der Corona-Pandemie hatte sich die Umsetzung verzögert. Balla bleibt auch als Militärrabbiner weiterhin Leipziger Gemeinderabbiner und Landesrabbiner von Sachsen.

    Zsolt Ballas Vater war Offizier der ungarischen Volksarmee

    Das Militär ist für Zsolt Balla kein Neuland: Er wurde 1979 in Ungarn als Sohn eines Offiziers geboren. Sein Vater habe als Oberstleutnant in der ungarischen Volksarmee gedient. Balla wuchs atheistisch auf, entdeckte dann im Ingenieurstudium aber seine jüdischen Wurzeln. Balla schrieb sich dann am orthodoxen Rabbiner-Seminar in Berlin ein. Seit zwölf Jahren ist er nun Gemeinde-Rabbiner in Leipzig. Die neue Aufgabe beschreibt er als "große Herausforderung". Denn er wird weiterhin Vorsitzender der Orthodoxen Rabbinerkonferenz bleiben.

    Wie viele jüdische Soldaten derzeit in der Bundeswehr dienen, sei zwar nicht bekannt, sagt Zsolt Balla, von vielen jungen Juden und Jüdinnen wisse er jedoch, dass ein Militärdienst in Deutschland für sie nicht unbedingt erstrebenswert sei. "Wir haben noch diese historischen Reflexe, dass es eine komische Sache ist für eine jüdische Person in der deutschen Bundeswehr zu dienen. Aber wir können sehen, die Welt hat sich geändert", sagt Balla.

    Jüdische Militärseelsorge gab es schon im Ersten Weltkrieg

    Für den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, wird mit der Berufung von Zsolt Balla endlich ein Normalzustand hergestellt: "Jüdische Militärseelsorge ist in einer deutschen Armee nichts Neues. Es gab bereits im Ersten Weltkrieg eine jüdische Militärseelsorge", sagt Josef Schuster. Eine moderne Armee in einer pluralen Gesellschaft müsse Soldatinnen und Soldaten verschiedene seelsorgerische und ethische Angebote unterbreiten, meint Schuster.

    Er freue sich darauf, mit Soldaten ins Gespräch zu kommen, sagt Zsolt Balla. Dabei sei er nicht nur für jüdische Bundeswehrangehörige dar, sondern auch für Christen, Muslime und Atheisten. Wichtig sei ihm, antisemitische Vorurteile in der Bundeswehr abzubauen. "Der beste Weg Antisemitismus in der Bundeswehr zu kämpfen, ist präsent zu sein und zu zeigen, dass wir jüdische Bürger auch da sind, um das Land zu schützen. Wir sind auch da, für demokratische Werte. Wir möchten Menschenwürde und Menschenrechte schützen. Und wenn wir das zeigen, könnte das eine große Wirkung haben", sagt der neue Militärseelsorger.

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