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Seit Monaten getrennt: Fern-Liebe in Zeiten von Corona | BR24

© Hans Häuser

Fern-Liebe in Zeiten von Corona

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Seit Monaten getrennt: Fern-Liebe in Zeiten von Corona

Wegen Corona kommen viele Paare an ihre Grenzen. Lebt der oder die Liebste etwa in den USA, Brasilien oder Indien, ist ein Treffen derzeit kaum möglich. Tausende Paare sind seit Monaten getrennt. Mehrere Initiativen kämpfen für Reiseerleichterungen.

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Sehnsuchtsritual für Vivian im Chiemgau: Am Esszimmertisch, den Laptop vor sich, wartet sie, bis der Videochat zu ihrem amerikanischen Freund Mark in New York aufgebaut wird. Die beiden wollten eigentlich in zwei Wochen heiraten. Stattdessen bleiben ihnen zurzeit jeden Tag nur ein paar Minuten Virtuelle Realität.

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Mark arbeitet als Labortechniker an der Ostküste, Vivian als Zahnärztin in Oberbayern. Wegen der Corona-Beschränkungen dürfen derzeit nur verheiratete Paare nach Deutschland oder in die USA reisen. "Wir würden alles geben, um uns nur einmal umarmen zu können". Vivian kann ihre Tränen nicht zurückhalten. Anfang März konnten die beiden das letzte Mal zusammen sein. Vor fast fünf Monaten. Sie vermisst auch seine Familie. "Sein zweijähriger Neffe erkennt mich nicht mehr", erzählt sie. "Beziehung basiert ja auch auf gemeinsamen Erlebnissen, mal gemeinsam ins Kino oder so."

Tausende Menschen unterstützen eine Petition

Wie Vivian und Mark leben derzeit schätzungsweise 2.000 unverheiratete Paare getrennt voneinander. Per Internet kämpfen sie gemeinsam für Reiseerleichterungen in Deutschland – so wie es sie etwa in Dänemark und Norwegen gibt. "Coronatest, Quarantäne, wir würden uns an alles halten, wenn diese Personen nur endlich wieder einreisen könnten", sagt Christian Merkel, Administrator der Betroffenen-Plattform #LoveIsNotTourism Deutschland. Tausende Menschen unterstützen eine Petition an das Bundesinnenministerium.

Das Innenministerium will eine europäische Lösung

Doch die Chancen auf einen schnellen Erfolg stehen schlecht. Eine Mitarbeiterin von Horst Seehofer schreibt auf BR-Anfrage: "Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft wird sich nachdrücklich dafür einsetzen, dass dieses Ärgernis auch bei Reisen aus Drittstaaten vernünftig gelöst wird. Hierfür brauchen wir ein gemeinsames Vorgehen in Europa."

Bis dahin braucht es Geduld und Zusammenhalt. Mit Sebastian, der ebenfalls im Chiemgau wohnt, hat Vivian einen anderen Betroffenen kennengelernt. Auch seine Partnerin lebt in den USA. "Geteiltes Leid ist halbes Leid, tut schon gut sich auszutauschen", findet Vivian. Gemeinsam getrennt durch die Krise – so hoffen Vivian und Sebastian weiter, dass die Politik vielleicht doch bald auch unverheirateten Paaren ein Wiedersehen ermöglicht.

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