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Seenotrettung: Zunehmende Behinderung von Rettungsschiffen | BR24

© Friedrich Bungert

Das Rettungsschiff "Open Arms" der spanischen Hilfsorganisation "Proactiva Open Arms" im Mittelmeer

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    Seenotrettung: Zunehmende Behinderung von Rettungsschiffen

    Die Rettungsschiffe ziviler Seenotretter auf dem Mittelmeer werden verstärkt bei ihren Einsätzen behindert. Aktuell sucht die "Open Arms" nach einem sicheren Anlandungshafen in Europa, der "Ocean Viking“ wurde von Malta das Auftanken verboten.

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    Zivile Seenotretter und die Mittelmeer-Anrainerstaaten Italien, Malta und Spanien ringen wieder um die Anlandung von Flüchtlingen. Das spanische Rettungsschiff "Open Arms" verbringt mit über 120 Flüchtlingen an Bord den siebten Tag auf See ohne eine Perspektive, die Menschen an Land bringen zu können. Malta verweigerte derweil der "Ocean Viking" die Genehmigung, in seinen Hoheitsgewässern aufzutanken.

    Die Lage um das spanische Rettungsschiff "Open Arms"

    Das Rettungsschiff der spanischen Hilfsorganisation "Proactiva Open Arms" harrt mit 121 Migranten an Bord weiter im Mittelmeer aus. Seit einer Woche befinden sich die Geretteten auf dem Schiff. Je mehr Zeit vergehe, desto schwieriger werde es, den Menschen zu erklären, warum sie nicht einfach von Bord gehen könnten, sagte Einsatzleiterin Anabel Montes Mier in einem Video, das die Organisation am Donnerstag auf Twitter veröffentlichte.

    Nach Angaben von Amnesty International sind auch 30 Kinder und zwei Babys an Bord der "Open Arms". Das Schiff befindet sich unweit der italienischen Insel Lampedusa.

    Die evangelischen Kirchen in Italien (FCEI) seien bereit, die Geretteten aufzunehmen, berichtete die Nachrichtenplattform der FCEI. Das habe der Vorsitzende Luca Maria Negro in einem Brief Regierungschef Giuseppe Conte und Innenminister Matteo Salvini geschrieben.

    Salvini hatte den Seenotrettern am Mittwoch mit der Beschlagnahme des Schiffs gedroht, wenn sie in die Gewässer des Landes fahren sollten. In Italien können mittlerweile zudem hohe Geldstrafen verhängt werden, wenn Schiffe unerlaubt in die Hoheitsgewässer fahren.

    Der Präsident des Europaparlaments, David Maria Sassoli, schickte indes einen dringenden Appell an Kommissionschef Jean-Claude Juncker, in dem er darauf dringt, den Menschen an Bord schnell zu helfen. "Die Situation ist ernst und erfordert unverzügliches Handeln", heißt es in dem Brief.

    Die Lage um das norwegische Rettungsschiff "Ocean Viking"

    Das Schiff "Ocean Viking" der Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und "Ärzte ohne Grenzen" war am Sonntag in Marseille in See gestochen.

    Malta hatte dem Rettungsschiff am Mittwoch nach Angaben der Besatzung einen Tankstopp in seinen Hoheitsgewässern verweigert. Die Regierung in Valletta habe am Mittwoch ihre Zustimmung kurzfristig und ohne Angabe von Gründen zurückgezogen, sagte Einsatzleiter Nicolas Romaniuk der Nachrichtenagentur AFP.

    Es ist das erste Mal, dass Malta einem Hilfsschiff die Einfahrt in seine Hoheitsgewässer untersagt.

    Nach Verweigerung des Tankstopps auf dem Wasser ist die "Ocean Viking" nun auf dem Weg in sein Einsatzgebiet vor der libyschen Küste. "Wir haben Wasser, Treibstoff, Menschen warten darauf gerettet zu werden, wir machen weiter", erklärte Einsatzleiter Nicholas Romaniuk am Donnerstag.

    Reaktion von Außenminister Maas

    Indessen sucht Außenminister Heiko Maas (SPD) weiter nach einer nachhaltigen Lösung für die Bootsflüchtlinge.

    Bei einem Treffen mit seinem portugiesischen Amtskollegen Augusto Santos Silva betonte er, dass es dringend eine europäische Lösung für die Seenotrettung im Mittelmeer brauche. "Deutschland und Portugal sind bereit, ihren Teil dazu beizutragen", twitterte das Auswärtige Amt.