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© BR-Redakteurin Claudia Schaffer im Gespräch mit Lutz Güllner, dem Leiter der Task Force des Auswärtigen EU-Dienstes in Brüssel
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Claudia Schaffer / BR

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Sechs Monate vor der Bundestagswahl: Desinformation aus Russland

In den sozialen Netzwerken werden tagtäglich unzählige Behauptungen verbreitet. Problematisch wird es dann, wenn gezielte Desinformation ein politisches Ziel hat. Dabei spielt auch Russland mitunter eine gewichtige Rolle.

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Von
  • Michael Küster

Information oder Desinformation? Oder vielleicht doch nur Satire? Nicht immer ist der Unterschied auf Anhieb zu erkennen – auch weil sich vieles in einem Graubereich bewegt. Vor allem, "wenn ähnliche Narrative oder eine bestimmte Zielsetzung – gleichzeitig und koordiniert – über andere Kanäle gebracht werden", sagt Lutz Güllner, der Leiter der Task Force des Auswärtigen EU-Dienstes im B5-Thema des Tages. Einiges davon wird aus Russland gesteuert. Warum ist das so?

Ziel: Verunsicherung

"Bei diesen Kampagnen geht es um mittel- bis langfristige Ziele. Man möchte entweder Verunsicherung schaffen oder eine alternative Erzählung in die Gesellschaft hineinbringen – auch in staatlichem Zusammenhang. Man möchte erreichen, dass man mit einer einzelnen Regierung besser verhandeln kann als mit einer riesigen Europäischen Union", so Güllner weiter.

Warum ausgerechnet Deutschland?

Deutschland sei auf Grund seiner zentralen Lage in der EU und seinem Einfluss nach wie vor ein wichtiger Brückenkopf im europäisch-russischen Verhältnis. Noch mehr in den Fokus von Desinformationskampagnen sei Deutschland in Zusammenhang mit der Vergiftung des russischen Oppositionspolitikers Nawalny geraten. Hier sei Deutschland sogar als Gegner des Kremls wahrgenommen worden. Das hätte sich fortgesetzt, weil die EU daraufhin Sanktionen gegen Russland verhängt habe, so Güllner.

Desinformation nicht nur aus dem Ausland

Der größte Anteil von Desinformation beziehungsweise Fake News käme jedoch aus Deutschland selbst, stellt Julian Jaursch von der Stiftung "Neue Verantwortung" fest. "Corona-Verschwörungsmythiker oder meist auch rechtspopulistische, politische Kräfte - wie beim Bundestagswahlkampf 2017 - versuchen, ihre Mitbürger - bewusst oder auch unbewusst - in die Irre zu führen", sagt Jaursch im B5-Thema des Tages.

Gesellschaftliches Thema wird plötzlich außenpolitisches Thema

Aber ganz gleich, woher letztendlich Desinformation in die Gesellschaft gebracht wird, das bleibe gefährlich, so Task Force-Leiter Güllner. "Durch ganz gezielte Maßnahmen und Aktivitäten wird ein gesellschaftliches Thema von außen durch Desinformation beeinflusst. Und dieses Thema ändert sich dann plötzlich zu einem außenpolitischen, wenn nicht sogar zu einem sicherheitspolitischen Thema."

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