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"Sea-Watch 3" vor Lampedusa: Behörden ermitteln gegen Kapitänin | BR24

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40 Flüchtlinge auf der "Sea Watch" vor der Küste Lampedusas sind zum Spielball europäischer Flüchtlingspolitik geworden. Italien weigert sich, die Migranten aufzunehmen. Deutschland ist bereit - aber nur, wenn andere EU-Staaten mitziehen.

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"Sea-Watch 3" vor Lampedusa: Behörden ermitteln gegen Kapitänin

Crew und Migranten an Bord der "Sea-Watch 3" können nur noch warten: Das Rettungsschiff wird vor Lampedusa festgehalten. Der Druck sei hoch, sagt Kapitänin Rackete. Die italienische Staatsanwaltschaft hat gegen sie Ermittlungen eingeleitet.

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Hinter den Kulissen wird über eine politische Lösung zur Situation auf dem Rettungsschiff "Sea Watch-3" unter Beteiligung mehrerer europäischer Länder verhandelt - darunter auch Deutschland.

Außenminister Enzo Moavero teilte mit, es würden Zusagen aus Finnland, Luxemburg, Portugal, Frankreich und Deutschland vorliegen, Migranten aufzunehmen. Man warte aber auf gesicherte Garantien, hieß es im italienischen Innenministerium dazu. Diese müssten in "Zahlen, Zeiten und Mittel" übersetzt werden.

An Bord gespannte Ruhe

Nach außen bewegt sich dagegen bis jetzt nur wenig. Am Morgen sei wieder ein Flüchtlingsboot mit etwa 15 Personen auf Lampedusa eingetroffen, berichteten italienische Journalisten. Das Boot habe anders als das Schiff der deutschen Rettungsorganisation ungehindert in den Hafen einfahren können.

Auf der "Sea-Watch 3" müssen dagegen noch 40 Migranten ausharren. Ein 19-Jähriger und dessen minderjähriger Bruder waren in der Nacht aus medizinischen Gründen an Land gebracht worden.

Kapitänin Rackete wird zum Medienstar

Essen und Trinken sei an Bord ausreichend vorhanden, sagte Kapitänin Carola Rackete am Mittag auf einer improvisierten Pressekonferenz mit der Auslandspresse in Italien.

Die junge Frau, die in den italienischen Medien immer mehr als Gegenspielerin von Innenminister Matteo Salvini dargestellt wird, sprach äußerst gewandt und in lupenreinem Englisch von wachsenden psychologischen Problemen an Bord. Die aus dem Mittelmeer geretteten Passagiere sind bereits seit mehr als zwei Wochen auf ihrem Schiff.

"Ich trage die Konsequenzen"

Noch während der Pressekonferenz wurde bekannt, dass gegen Carola Rackete und ihre Mannschaft inzwischen auch offiziell Ermittlungen laufen. Das sei erwartbar gewesen, so die Kapitänin. Nun werde sich entscheiden, was schwerer wiege, die international gültige Verpflichtung zur Seenotrettung oder nationales italienisches Recht.

Sie sei bereit, die Konsequenzen dafür zu tragen, die in der italienischen Verfassung verankerten Grundrechte durchzusetzen, so die 31-Jährige. Die oberste Priorität müsse das Schicksal der Menschen an Bord haben. Die Geretteten, aber auch die Crew seien angespannt: "Alle sind übermüdet, gestresst, der psychologische Faktor ist sehr, sehr groß." Sie hoffe auf eine Lösung in den nächsten Stunden.

Italienische Abgeordnete solidarisieren sich

Als Solidaritätsbekundung mit den Rettern übernachteten fünf italienische Abgeordnete auf dem Schiff, unter ihnen der frühere Verkehrsminister Graziano Delrio vom sozialdemokratischen Partito Democratico. Die Parlamentarier sprachen von unerträglichen Bedingungen an Bord.

Die italienische Regierung gibt sich unterdessen weiter hart und will die Flüchtlinge nur von Bord gehen lassen, wenn sich andere europäische Staaten bereiterklären, diese ohne vorherige Registrierung in Italien aufzunehmen. Die Mannschaft solle festgenommen und das Rettungsschiff beschlagnahmt werden, heißt es weiter. Die deutsche Rettungsorganisation bewege sich außerhalb des Gesetzes, so Innenminister Salvini.