BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Schweizer Altenheim richtet Besuchsbox ein | BR24

© BR24
Bildrechte: dpa

Sorgt für glückliche Gesichter: Besuchsbox in Schweizer Altenheim

1
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Schweizer Altenheim richtet Besuchsbox ein

Corona ist besonders gefährlich für ältere Menschen, daher sind Besuche von Verwandten in Altenheimen derzeit verboten. Ein Heimleiter in der Schweiz hatte eine clevere Idee. In einer Besuchsbox Marke Eigenbau können Angehörige einander sehen.

1
Per Mail sharen
Von
  • Dietrich Karl Mäurer

Das Alters- und Pflegeheim in Wattwil im Ostschweizer Kanton St. Gallen: Direkt neben dem Eingang steht eine kleine Holzhütte, die Besuchsbox. In der Mitte ist die Hütte mit einer großen Plastikscheibe getrennt, so können Angehörige wie Ruth Kägi Bewohnerinnen und Bewohner des Heims treffen. Wegen der Coronakrise durfte sie fast fünf Wochen lang ihre Mutter nicht besuchen. Nun nutzt sie das Angebot, um die 92-Jährige zu sehen.

Ruth Kägi und ihre Mutter nehmen in der Box Platz. Zwischen ihnen befindet sich nur die Plastikscheibe. Gesprochen wird über extra installierte Telefone: Ein Wiedersehen nach langer Zeit. Ruth Kägi ist danach regelrecht ergriffen.

Ideengeber: ein alter Film

Die Idee für die Besuchsbox hatte Heimleiter Georg Raguth.

"An einem Abend zu Hause ist mir die Idee gekommen, weil wir es mit Skype versucht haben und gemerkt haben, dass Skype nicht unbedingt das Richtige ist, und da sind mir alte Kriminalfilme in den Sinn gekommen, in denen Besuche in den Gefängnissen eben genau so ablaufen." Georg Raguth

Einfach im Bau - aufwändig im Betrieb

Die Box war schnell entworfen und aufgebaut, doch Ihr Betrieb gestaltet sich relativ aufwändig. Schließlich müssen alle Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden, erzählt Heimleiter Georg Raguth. Die Box muss nach jedem Besuch desinfiziert und gereinigt werden. Und natürlich braucht es jemanden, der Besucher und Besucherinnen am Anfang begleitet und instruiert.

Wartelisten - doch es lohnt sich

Das Angebot wird so gut angenommen, dass es sogar Wartelisten gibt. Doch nicht nur deshalb lohnt sich der Aufwand:

"Vor allem … schön ist der erste Moment, wenn die Heimbewohner in die Box gehen und ihre Angehörigen sehen, das ist dieser Herzmoment. Ich habe einige Tränen gesehen und beim Herauskommen aus der Box das Strahlen in den Gesichtern." Georg Raguth

45 Minuten beinahe Nähe

Das spiegeln auch die Kommentare der Besucher. Ruth Kägi und ihre Mutter berühren sich - wenn auch getrennt durch Plexiglas - an den Händen. Und Esther Lenz, die ihren 95 Jahre alten Vater besucht, berichtet von der Nähe, die beiden so gefehlt hat. Die maximal 45 Minuten, die ein Treffen in der Besuchsbox dauert, vergehen wie im Flug.

"Ich kann ihn nicht in den Arm nehmen, aber ich sehe ihn vor mir. Ich weiß, wie es ihm geht, wie er ausschaut … Und ich freue mich auf's nächste Mal, hoffe aber, dass es bald vorbei ist und ich ihn wieder in den Arm nehmen darf." Esther Lenz

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!